«Frauen müssen auch mal»Bayern: Grüne wollen Warteschlagen vor Damenklos abschaffen
Wilhelm Flemmer
14.5.2026
Für Männer geht es bei grösseren Veranstaltungsorten schnurstracks zur Toilette, Frauen werden nicht selten von langen Warteschlangen ausgebremst. Das ist ungerecht, sagen die bayerischen Grünen.
Bild: Sebastian Willnow/dpa/dpa-tmn
Vor den Toiletten an grösseren öffentlichen Veranstaltungen haben Frauen das Nachsehen. Deutlich öfter als Männer werden sie von langen Warteschlangen ausgebremst. Das wollen die Grünen in Bayern nun ändern.
Die Geschlechtergerechtigkeit endet oftmals vor einer öffentlichen Toiletten, finden bayerische Grünenpolitiker.
Bei grösseren Veranstaltungene kommt es vor Frauentoiletten oft zu langen Warteschlangen, bei Männern hingegen nicht.
Das sei eine ungleiche Behandlung von Frauen, argumentieren die Grünen. Deshalb hat die Fraktion im Bayerischen Landtag einen Antrag zur Änderung einer geltenden Verordnung eingebracht.
«Diese Schlangen vor dem Frauenklo sind politisch gewollt», sagt die bayerische Landtagsabgeordnete Julia Post.
Bei Veranstaltungen mit grösserem Menschenandrang sind Frauen leidgeprüft. Zieht es sie bei einem Musikkonzert oder auch nur in einer Disco zur Toilette, müssen sie nicht selten mit langen Stehzeiten in einer nicht enden wollenden Warteschlange Vorlieb nehmen.
Dagegen können sich die Herren der Schöpfung meist ungehindert ihren Weg hin zur Erleichterung bahnen. Diesem Missstand wollen die Grünen in Bayern nun ein Ende bereiten.
Denn die Geschlechtergerechtigkeit, so der Gedanke hinter den Plänen der Grünenfraktion im Bayerischen Landtag, soll nicht vor einer Festivaltoilette enden. Deshalb hat sie im Parlament einen entsprechenden Antrag eingebracht. Dessen Überschrift lautet klar und unmissverständlich: «Frauen müssen übrigens auch mal».
«Diese Schlangen vor dem Frauenklo sind politisch gewollt», sagt die bayerische Landtagsabgeordnete Julia Post von den Grünen dem Bayerischen Rundfunk. «Auf jeden Fall sind sie kein Naturereignis, sondern das Ergebnis von Planung und Infrastruktur». Zeugnis dieser «Planung» ist die Bayerische Versammlungsstättenverordnung, die die Grünen mit ihrem Anliegen ändern wollen.
20 Toiletten zu zwölf
Die Verordnung schreibt vor, wie viele Toiletten grössere Veranstaltungen ihren Besucherinnen und Besuchern zur Verfügung stellen müssen. So haben Frauen bei Veranstaltungen mit 1000 Menschen Anspruch auf zwölf Toiletten. Männern stehen dagegen acht Toiletten zur Verfügung – und zwölf Pissoirs. Das macht summa summarum 20 Toiletten für Männer und zwölf für Frauen, aus Sicht der bayerischen Grünen eine Ungerechtigkeit.
«Wir fordern, dass es in Zukunft gleich viele Toiletten für Frauen wie für Männer geben soll», sagt Post. Laut BR wird am kommenden Dienstag der Bauausschuss des Bayerischen Landtags über den Antrag abstimmen. Bei einer Mehrheit müsse die Staatsregierung tätig werden. Und sollte das Anliegen zuletzt grünes Licht bekommen, bliebe noch ein Haken an der Sache: Betroffen wären nur neue Einrichtungen und keine bestehenden.