Kollegen nehmen es ihr nicht ab Beförderungsstopp für Kommissarin nach Geschlechtswechsel

Lea Oetiker

15.11.2025

Die Polizeikollegen werfen der Kommissarin vor, den Geschlechtswechsel lediglich für einen Karrieresprung vollzogen zu haben.
Die Polizeikollegen werfen der Kommissarin vor, den Geschlechtswechsel lediglich für einen Karrieresprung vollzogen zu haben.
IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Eine Düsseldorfer Kommissarin soll ihren Geschlechtseintrag nur aus Karrieregründen geändert haben – so der Vorwurf ihrer eigenen Behörde. Die Polizei hat die Transfrau wegen versuchten Betrugs angezeigt und ihre Beförderung gestoppt.

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  • Die Düsseldorfer Polizei ermittelt gegen eine transgeschlechtliche Kommissarin wegen angeblichen Betrugs.
  • Sie soll den Geschlechtswechsel nur für eine bessere Beförderung genutzt haben.
  • Ihr Anwalt bestreitet das und klagt gegen die Beförderungssperre.

Ärger in den eigenen Reihen: Die Düsseldorfer Polizei nimmt einem Kommissar den Geschlechtswechsel zur Kommissarin nicht ab. Die Behördenleitung hat die Beamtin sogar wegen versuchten Betruges angezeigt und ein Disziplinarverfahren gegen sie eingeleitet.

Zudem wurde ein Beförderungsstopp gegen die Transfrau verhängt. Das bestätigte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Zuvor hatte der «Kölner Stadt-Anzeiger» berichtet.

Die Polizei wirft der Kommissarin vor, den Geschlechtswechsel lediglich für einen Karrieresprung vollzogen zu haben. Im Mai hatte der Düsseldorfer Polizeikommissar beim Standesamt einen Geschlechtswechsel zur Frau eintragen lassen und auch seinen Dienstherrn informiert. Seit Jahresbeginn sei dies ohne Begründung möglich, berichtet ihr Anwalt Christoph Arnold. Davon habe seine Mandantin Gebrauch gemacht.

Geschlechterwechsel nur für Beförderung?

Ihre Vorgesetzten argumentieren, die Beamtin habe sich mit dem standesamtlichen Geschlechterwechsel nur einen Vorteil für ihre Karriere erschleichen wollen. Sie habe sich entsprechend gegenüber Kollegen geäussert. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen), die die Ermittlungen leitet, wollte sich zu dem Fall keine Stellung nehmen.

Tatsächlich soll sich die Beamtin durch den geänderten Geschlechtseintrag um 43 Plätze in der Beförderungsrangliste verbessert haben. Ohne Beförderungssperre wäre sie wohl noch im Mai befördert worden. Doch darum sei es ihr nicht gegangen, zumal sie als Mann inzwischen auch längst befördert worden wäre, beteuert ihr Anwalt aus Bonn.

Ein ironischer Spruch

«Nach dem Geschlechtswechsel ist meine Mandantin von sehr vielen Leuten angesprochen worden. Um nicht Höchstpersönliches ausbreiten zu müssen, hat sie mit einem lockeren, ironischen Spruch geantwortet, wonach sie es nur für die Beförderung gemacht habe», sagte ihr Anwalt.

In einer ersten Runde habe sich das Verwaltungsgericht auf die Seite seiner Mandantin gestellt und klargemacht, dass die Beförderungssperre rechtlich keinen Bestand haben dürfe, sagte Arnold.

Doch die Behörde habe einfach eine neue Sperre erlassen. Dagegen sei man erneut vor Gericht gezogen. «Wir hoffen nun darauf, dass das Verwaltungsgericht dem Polizeipräsidium sagt, dass es so nicht geht.»

Erneute Änderung angekündigt?

Ausgerechnet unter Polizeipräsidentin Miriam Brauns sehe sich seine Mandantin nun solchen Vorgängen ausgesetzt, kritisierte Arnold. Die Düsseldorfer Polizeibehörde wies den Vorwurf zurück.

In der Vergangenheit habe es bereits mehrere Fälle geben, in denen der Geschlechtseintrag geändert und akzeptiert worden sei, hiess es. In diesem Fall stelle sich die Sache aber anders dar. So soll die Kommissarin angekündigt haben, im Anschluss an ihre Beförderung ihr Geschlecht erneut ändern zu lassen, um als Mann heiraten zu können. Daraufhin habe die Behörde rechtliche Schritte eingeleitet.