Rentnerin liess Vase mit Millionenwert verstauben

uri

14.7.2020

Jahrzehntelang stand sie auf der Kommode in einem Landhaus. Jetzt wurde eine chinesische Vase aus dem 18. Jahrhundert versteigert – für umgerechnet 8,5 Millionen Franken.

Kunst oder Krempel? Diese Frage stellen sich viele. Auch eine alte Dame in ihrem abgelegenen Landhaus – in welchem Land sich dieses genau befindet, ist nicht öffentlich bekannt geworden –, trieb um, was ihre Schätze wert sind. Deshalb bat sie den Kunstexperten und Schätzer Johan Bosch van Rosenthal um eine Expertise.

Wie Bosch van Rosenthal in einem YouTube-Video erzählt, hatte er schon viele interessante Orte besucht und sehr wertvolle Kunstwerke in den Händen gehalten – doch dieses Mal wurde sogar er überrascht, als er «nach einer langen Reise zu einem abgelegenen Landhaus in Mitteleuropa einer energetischen Dame in ihren 80ern» begegnete, die lediglich mit vielen Hunden und Katzen zusammenlebte.



Im grossen Haus befanden sich laut dem Spezialisten neben den Tieren viele Kunstwerke, die alle ihre eigene Geschichte hatten. In einem Zimmer standen mehrere geerbte chinesische Porzellanteile, um die die vier Katzen ganz frei herumstrichen. Auf einer Kommode befand sich eine verstaubte Vase, von der auch die Dame ausging, dass es sich um etwas Besonderes handelte.

Sotheby's versteigerte sie bereits 1954

Obwohl Bosch van Rosenthal im Clip zugibt, dass er kein Experte für chinesisches Porzellan sei, erkannte auch er, dass er ein sehr spezielles Stück in den Händen hielt. Nachdem er den Staub weggeblasen hatte, konnte er nämlich erkennen, dass es sich um eine doppelwandige Vase mit einem durchbrochenen Dekor handelte. Die Bodenmarken erinnerten ihn zudem an Stempel, die er bereits auf bedeutsamen Stücken in Auktionskatalogen gesehen hatte.

Johan Bosch van Rosenthal berichtet für Sotheby's, wie er auf die Vase stiess.

Sotheby's/YouTube

Bosch van Rosenthal machte Fotos und schickte sie an den Porzellanexperten Nicolas Chow vom Auktionshaus Sotheby’s in Hongkong, der daraufhin sofort in den Flieger stieg und die Reise nach Europa antrat. Wie sich herausstellte, handelte es sich um eine zwischenzeitlich verschollen gegangene Vase der Qing-Dynastie. Diese war bereits 1954 einmal bei Sotheby’s für damals 56 britische Pfund versteigert worden.

Stücke aus dem «Goldenen Zeitalter» Chinas

Sie ist eine von wenigen ähnlichen Stücken, die in den Jahren 1742 und 1743 unter Anleitung des kaiserlichen Oberaufsehers Tang Ying für den kaiserlichen Hof entstanden und in der Verbotenen Stadt in Peking das Umfeld des Regenten Qianlong verschönerten. Qianlongs Herrschaft wurde im Rückblick zum «Goldenen Zeitalter» der chinesischen Zivilisation erklärt.

Zwei Vasen aus der gleichen Serie brachten bei einer Auktion vor zwei Jahren umgerechnet bereits fast 18 Millionen Franken. Das kürzlich entdeckte Stück der alten Dame erzielte am Wochenende bei Sotheby’s in Hongkong nun über 70 Millionen Hongkong-Dollar, was fast 8,5 Millionen Franken entspricht.



Die Seniorin hatte ihre exquisiten Stücke von einem Verwandten vermacht bekommen, der sich auf Porzellan aus der Ming- und Qing-Dynastie spezialisiert hatte, obwohl dieses Porzellan damals nicht dem Zeitgeschmack entsprach.

Krempel waren diese Porzellanteile tatsächlich nie – dass sie heute jedoch solch astronomischen Preise erzielen dürften, war lange nicht vorauszusehen. Bereits im Jahr 2010 erlöste eine Vase, die Kaiser Qianlong gehört hatte und die bei einer Haushaltsauflösung in einem Londoner Vorort entdeckt worden war, bei einer Auktion 43 Millionen britische Pfund.

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