Trotz intensiver Ermittlungen ist der Fall der 2019 verschwundenen Rebecca noch immer nicht gelöst. Doch nach einem neuen Zeugenaufruf der Polizei Berlin-Mitte meldet sich eine Frau, die das Auto des Tatverdächtigen gesehen haben will – einen pinken Renault Twingo. Dies berichtet «Bild», die mit der Frau gesprochen hat.
Die 69-Jährige sagt: «Ich habe den erneuten Zeugenaufruf gesehen. Die Sache beschäftigt mich schon so lange, ich will sie mir endlich von der Seele reden.»
«Tief ins Gesicht gezogenes Baseball-Cappy»
Am 18. Februar, also am Tag des Verschwindens von Rebecca, habe sie den besagten Renault Twingo gesehen. Das «himbeerrote» Fahrzeug sei ihr auf der Autobahn wegen der stark überhöhten Geschwindigkeit aufgefallen.
«Ich habe mir gedacht, was das für eine Tussi, die in so einem kleinen Auto rast», erzählt sie der Zeitung. Aufgrund der Farbe des Autos habe sie angenommen, dass darin eine Frau am Steuer sitzen müsse.
Auch Neugier fährt sie schliesslich schneller, überholt das Fahrzeug und schaut hinein: «Da sass ein Mann, angespannt, mit einem ganz tief ins Gesicht gezogenen Baseball-Cappy.»
Auf der Rückbank sei ihr «etwas Grosses» aufgefallen, das mit einer «dunklen Decke überzogen» war und leicht flatterte. Sie ist sich sicher: Das muss der Tatverdächtige gewesen sein.
Diesen Renault Twingo will die Zeugin am Tag des Verschwindens von Rebecca gesehen haben.
---/Polizei Berlin/dpa (Archivbild)
Doch warum meldet sich die Frau erst jetzt? «Ich kämpfe schon lange damit, war nach Corona lange krank», sagt die Frau der «Bild». Doch dann habe sie den erneuten Zeugenaufruf gesehen und habe helfen wollen, den Fall aufzuklären, «denn auch die Ausfahrt stimmt mit dem Suchort überein».
«Bild» zufolge sei die Polizei lange Zeit davon ausgegangen, dass der Twingo die Autobahn bereits früher verliess, was sich jedoch nicht mit den Aussagen der Zeugin deckt.
Sowohl der Ehemann, als auch die Schwester der Zeugin bestätigen, dass Martina R. ihnen damals von der Begegnung auf der Autobahn erzählt hatte.
Die Zeugin richtete sich dem Bericht zufolge direkt an die Polizei, als diese gerade ein Grundstück im brandenburgischen Dorf Tauche durchsuchte. Ihre Schwester sagt: «Das hat ihr die ganzen Jahre keine Ruhe gelassen. Sonst wäre sich nicht jetzt noch mal da hingefahren».
Die 15-jährige Rebecca verschwand im Februar 2019 spurlos. Nach einer Übernachtung bei ihrer Schwester und ihrem Schwager im Berliner Stadtteil Britz erschien sie nicht in der Schule.
Bereits kurz nach der Tat geriet ihr mittlerweile 33-jähriger Schwager ins Visier der Ermittler. Der Mann sass auch kurzzeitig in Untersuchungshaft, mangels Beweisen kam er jedoch wieder frei. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Vor rund drei Wochen hatten Polizeibeamte zwei Grundstücke im Osten Brandenburgs durchsucht. Dabei handelte es sich offenbar um den ehemaligen sowie den heutigen Wohnort der Grosseltern von Rebeccas Schwager im Landkreis Oder-Spree. Auch ein Waldstück wurde abgesucht.
Laut Polizei und Staatsanwaltschaft liegen Anhaltspunkte vor, dass der Tatverdächtige Rebeccas Leiche samt ihr gehörender Gegenstände zumindest vorübergehend auf das Grundstück seiner Grosseltern gebracht habe.
Vermisstenfall Rebecca: Neue Spurensuche in Brandenburg
STORY: Spurensuche im Fall der seit mehr als sechs Jahren vermissten Rebecca Reusch aus Berlin. Am Dienstag durchsuchten die Ermittler ein Grundstück in der Nähe von Tauche in Brandenburg. Bereits am Montag hatte die Polizei mit einem Grossaufgebot ein anderes Grundstück in der Nähe durchsucht. Beide Grundstücke stehen in Verbindung mit dem heute 33-jährigen Schwager von Rebecca, der verdächtigt wird, die Jugendliche getötet zu haben. Dort sollen seine Grosseltern wohnen, bzw. gewohnt haben. Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass der Mann Rebecca im Februar 2019 getötet und ihre Leiche sowie ihr gehörende Gegenstände zumindest vorübergehend auf eines der Grundstücke gebracht haben könnte, hiess es. O-Ton Michael Petzold, Sprecher Staatsanwaltschaft Berlin: «Der Schwager von Rebecca ist weiterhin Tatverdächtiger. Also seit das Verfahren läuft, wird er als Tatverdächtiger geführt. Und das Verfahren läuft weiter wegen des Tötungsdelikts gegen ihn. Damals wurde er festgenommen und freigelassen, weil kein dringender Tatverdacht bestand. Wir erhoffen uns natürlich von den Beweismitteln, diesen Tatverdacht, den wir jetzt haben, zu erhärten und gegebenenfalls den Nachweis der Tat zu führen.» Im Interesse der Polizei steht auch ein auffälliger Kleinwagen, mit dem der Tatverdächtige möglicherweise Rebeccas Leiche transportiert haben könnte. Die Ermittler suchen Zeugen, die das Fahrzeug am 18. Februar 2019 gesehen haben oder möglicherweise Beobachtungen gemacht haben, die auf ein Verstecken bzw. Vergraben eines Leichnams hindeuten könnten. Die damals 15-jährige Rebecca war am Morgen des 18. Februar 2019 verschwunden. Seitdem wird sie vermisst. Seit Rebeccas Verschwinden ging die Polizei Hunderten von Hinweisen nach – bisher immer erfolglos.