Bittere Bilanz nach zwei Wochen Vulkanausbruch

dpa/toko

3.10.2021 - 20:12

Mehr als 1000 zermalmte Gebäude, grosse Ernteausfälle und zerstörte Infrastruktur. Seit zwei Wochen hat der Vulkan die Menschen auf La Palma fest im Griff. Aber es gibt auch Grund aufzuatmen.

dpa/toko

3.10.2021 - 20:12

Die Schäden durch den Vulkanausbruch auf der kleinen Kanareninsel La Palma werden immer grösser. Seit der Vulkan in der Cumbre Vieja im Süden der Insel am 19. September erstmals nach 50 Jahren wieder aktiv wurde, hat die Lava schon mehr als 1000 Gebäude zerstört, davon 880 Wohnhäuser. Mehr als 5500 Menschen waren auch am Sonntag weiter in Hotels oder bei Angehörigen untergebracht.

80 Millionen Kubikmeter Lava

Viele von ihnen werden nie mehr in ihre Häuser und Ortschaften zurückkehren können – diese liegen unter einer meterdicken Lavaschicht begraben. Grosse Ernteausfälle in den Bananenplantagen, dem wichtigsten Erzeugnis der Insel, kommen zu der bitteren Bilanz der ersten zwei Wochen hinzu. «Hier sieht man viele Menschen ständig weinen», sagte ein älterer Mann zu RTVE.

Ein Ende des Ausbruchs des Vulkans, der schon jetzt 80 Millionen Kubikmeter Lava ausgespuckt hat und damit doppelt so viel wie der vor 50 Jahren, war indes weiter nicht in Sicht. «Noch nie in der bekannten Geschichte der Insel gab es solche Schwierigkeiten», klagte der Regionalregierungschef Ángel Víctor Torres. Ein Avocado-Bauer nahm die Sache mit Gleichmut: «La Palma ist Vulkangebiet. Was der Vulkan dir nimmt, das gibt er dir auch zurück», zitierte ihn die Zeitung «La Vanguardia».

Der Vulkan auf La Palma war nur kurz verstummt.
Der Vulkan auf La Palma spuckt seit zwei Wochen Asche und Lava
Kike Rincón/EUROPA PRESS/dpa

Und es gab auch Grund zum Aufatmen. Da sich die Luftqualität verbessert hatte, wurde die Ausgangssperre für rund 3800 Bewohner unmittelbar betroffener Ortschaften wie Los Llanos, Tazacorte und El Paso aufgehoben, sie durften ihre Häuser erstmals seit Tagen wieder verlassen. Der Wind aus Nordost blies die meisten Dämpfe aufs Meer hinaus.

Wie kleine Nadelstiche

Allerdings machten davon wegen des Ascheregens nur wenige Gebrauch, wie «La Vanguardia» berichtete. Es handele sich eigentlich nicht um Asche, sondern um kleine Splitter erkalteten Magmas, die der Vulkan in die Luft geschleudert hat und die auf der Haut wie kleine Nadelstiche zu spüren seien. Sie sind geruchlos und überzogen alles mit einer schwarzen Schicht, beim Gehen macht es ein knirschendes Geräusch als ob man auf Kartoffelchips ginge, wie auf Videos zu sehen und zu hören war.



Am Vulkan im Höhenzug Cumbre Vieja hatte sich am Samstag ein neuer Schlot aufgetan. Vorerst gebe es aber keine Hinweise darauf, dass dadurch Gebiete, die bisher von den Lavaströmen verschont wurden, in Gefahr seien, teilte das Vulkanologische Institut (Involcan) der Kanaren mit. Die Lava, die beim Kontakt mit dem Meerwasser erstarrt, hat bereits eine kleine, rund 30 Hektar grosse Halbinsel an der Westküste der Insel gebildet.

Die schwarze, meterdicke Lavaschicht bedeckt nach Angaben des europäischen Erdüberwachungssystems Copernicus gut 367 Hektar. Vom dunklen Ascheregen sind nach jüngsten amtlichen Informationen sogar mehr als 3300 Hektar betroffen. Das entspricht ungefähr der Fläche von 4500 Fussballfeldern.

01.10.2021, Spanien, La Palma: Ein Mann geht über eine mit Asche bedeckte Straße. Knapp zwei Wochen nach dem Ausbruch eines Vulkans auf der Kanareninsel La Palma dürfen rund 3800 Bewohner von unmittelbar betroffenen Gebieten ihre Häuser wieder verlassen. Foto: Daniel Roca/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Vom Ascheregen sind nach amtlichen Informationen mehr als 3300 Hektar betroffen.
Daniel Roca/AP/dpa

Die Insel La Palma, die bei Touristen weniger bekannt ist als andere Kanareninseln wie Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura oder Lanzarote, war am Dienstag zum Katastrophengebiet erklärt worden. Die Schäden belaufen sich nach Schätzungen der Regionalregierung bereits auf mehrere Hundert Millionen Euro. Schwer betroffen ist vor allem der für die Insel immens wichtige Bananenanbau, von dem etwa die Hälfte der etwa 85'000 Einwohner direkt oder indirekt lebt und der sich schon vor dem Vulkanausbruch in der Krise befand.

dpa/toko