Von Antibiotika bis Ibuprofen

Depressiv durch Medikamente? 

tsch

20.6.2018

Können bestimmte Medikamente Depressionen auslösen?
Keystone

Kann die Tablette gegen die Kopfschmerzen oder den Bluthochdruck depressiv machen? Davor zumindest warnt ein US-Forscherteam, das sich die Nebenwirkungen häufig gekaufter Medikamente näher angesehen hat.

Dass Medikamente bestimmte Nebenwirkungen haben können, ist Patienten in der Regel bewusst. Aber auch, dasss die unerwünschten Reaktionen über einen gereizten Magen, Müdigkeit oder Kopfschmerzen weit hinaus gehen können? Ein Team der University of Illinois in Chicago untersuchte nun, wie oft amerikanische Erwachsene zu Medikamenten greifen, die Depressionen auslösen können, und wie sie darauf reagieren.

Dazu befragten die Forscher rund 26'000 Über-18-Jährige über längere Zeiträume zu ihrem Medikamtentengebrauch und stellte fest, dass 37,2 Prozent zu Mitteln griffen, die laut Beipackzettel auch Depressionen hervorrufen können. Unter den fraglichen Wirkstoffen finden sich auch einige, die hierzulande oft zur Behandlung genutzt werden, etwa der Schmerz- und Entzündungshemmer Ibuprofen, das Epilepsie-Notfallmittel Gabapentin, Beta-Blocker oder in Antibaby-Pillen verwendete Gestagene.

Tatsächlich klagten 7,6 Prozent der Befragten, also rund 1'990 Personen, über depressive oder gar suizidale Gedanken. Dabei traten diese bei Menschen, die drei oder mehr potenziell depressionsauslösende Medikamente einnahmen, deutlich öfter (15 Prozent) auf als bei denen, die auf entsprechende Mittel verzichtet hatten (4,7 Prozent).

Zusammenhang oder Trugschluss?

Ulrich Hegerl, Direktor der Universitätspsychiatrie in Leipzig und Vorstandsvorsitzender von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, sieht für Patienten darin jedoch keinen Anlass zur Sorge. Zwar gebe es durchaus ein paar Medikamente, die nachweislich Depressionen auslösen können - etwa Kortison oder bestimmte Antibiotika. Doch die werden vorranging bei klinischen Behandlungen von entsprechend geschulten Ärzten verabreicht, erklärt er im Magazin «Focus Online»: «Mir ist zum Beispiel kein einziger Fall bekannt, bei dem ein Patient einen Beta-Blocker eingenommen hat und dann mit einer schweren Depression zu uns kam».

Er hält es sogar für möglich, dass Teilnehmer der US-Studie zuerst an einer Depression erkankten und erst aufgrund dieser zu Medikamenten griffen, die deren Symptome lindert: «Eine Depression stresst den ganzen Körper, steigert so das Risiko für weitere Erkrankungen, gegen die der Betroffene dann Medikamente einnimmt», gibt Hegerl zu bedenken. So sage die Studie eventuell nur aus, dass depressive Menschen mehr Tabletten nehmen als andere.

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