Der Grosse Salzsee wird immer kleiner

Von Lindsay Whitehurst, AP

8.7.2021 - 04:27

View of white salty sand beach in Utah's Great Salt Lake.
Der Grosse Salzsee in Utah: Von einem so niedrigen Wasserstand, wie er in den letzten 170 Jahren nicht gemessen wurde, ist bereits die Rede.
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Fehlender Schnee, Dürre im Westen der USA und ein Abzweigen von Wasser aus den Zuflüssen für Haus und Hof machen dem Great Salt Lake in Utah zu schaffen. In diesem Jahr zeichnet sich ein Tiefstand ab.

Von Lindsay Whitehurst, AP

8.7.2021 - 04:27

Seit Jahren ist es zu sehen: Der Grosse Salzsee wird kleiner. Und in diesem Jahr droht das riesige Gewässer im US-Staat Utah – mit einer ursprünglichen Fläche mehr als zwei Mal so gross wie der Kanton St. Gallen – noch mehr zu leiden. Denn im Westen der USA herrscht eine bedrohliche Dürre.

Schon jetzt trifft es die Menschen und Tiere entlang des Great Salt Lake. Mit dem sinkenden Wasserstand werden etwa Brutplätze der Pelikane zugänglich, der Nachwuchs ist bedroht. Auch Wassersportler klagen. Anlegeplätze verschwinden, Segelboote werden in Sicherheit gebracht, damit sie nicht im Schlamm stecken bleiben.


Und nicht zuletzt: Wenn weiterer Grund am Rand des Sees austrocknet, könnte mit Arsen belasteter Staub in die Atemluft von Millionen Menschen gewirbelt werden.

Wasser für Haushalte abgezweigt

Von einem so niedrigen Wasserstand, wie er in den letzten 170 Jahren nicht gemessen wurde, ist bereits die Rede. Der Gouverneur von Utah, Spencer Cox, hat die Anwohner aufgerufen, möglichst Wasser zu sparen. Statt ihren Rasen zu bewässern sollten sie «für Regen beten».

Schon seit Jahren macht es sich bemerkbar, dass Wasser von Zuflüssen abgezweigt wird, um Felder, Gärten und Haushalte zu versorgen. Und weil der Grosse Salzsee sehr flach ist – nämlich nur rund elf Meter an der tiefsten Stelle – bedeutet weniger Wasser schnell auch ein Schrumpfen an den Ufern.

Von Picknicktischen, die einst unweit des Wassers standen, dauert es nun zehn Minuten, bis man zum See gelangt. Alles habe sich verändert, meint Robert Atkinson. «Es ist viel flacher als ich es erwartet hätte», sagt er über das Wasser, das er nach vielen Jahren wieder besucht. Der 91-Jährige war früher Badegast in einem Ressort, das längst geschlossen hat.

Giftiger Wind

Umwelt-, aber auch Gesundheitsexperten macht die Entwicklung Sorgen. Vom ausgetrockneten Grund könne der Wind Staub aufwirbeln, der das dort natürlich vorkommende Arsen enthalte, sagt Atmosphärenforscher Kevin Perry von der Universität Utah. Das könnte Millionen Menschen belasten in einer Region, in der die umliegenden Berge zu manchen Jahreszeiten drückende und verschmutzte Luft nur schwer abziehen lassen. Im Winter zählt die Gegend zu jenen mit den höchsten Verschmutzungswerten des Landes.

Glücklicherweise hat ein Grossteil des freigelegten Grundes des Great Salt Lake eine Kruste, die ein Aufwirbeln des Staubes schwieriger macht. Wie lange dieser Schutz hält und wie gefährlich die Arsenverbindungen sein könnten – das untersucht Perry nun.


Doch je mehr Boden frei liegt, desto mehr Menschen betreten den Grund. Selbst mit Off-Road-Fahrzeugen führen Leute darüber und beschädigten die Kruste, berichtet Laura Vernon von den Forstbehörden Utahs. «Je länger die Dürre anhält, desto verwitterter wird die Kruste und desto mehr Staub gelangt in die Luft, weil dann weniger dieser schützenden Krustenschicht da ist», sagt sie.

In den meisten Jahren legt der Grosse Salzsee nach Angaben von Kevin Perry im Frühjahr beim Wasserstand etwa einen halben Meter zu. In diesem Jahr seien es gerade einmal 15 Zentimeter gewesen. «Wir hatten noch nie einen April-Wasserstand, der so niedrig war wie dieses Jahr», sagt der Forscher.

Utah ist einer der trockensten Staaten der USA. Das meiste Wasser bringt der Schnee. Doch auch der war in diesem Jahr weniger, und der Boden war schon trocken. Damit sickerte bereits ein beträchtlicher Teil des Schmelzwassers unterwegs in den Boden und kam nicht im See an.

Zu salzig für den Salinenkrebs

«Wir erreichen eine kritische Zeit für den Great Salt Lake», sagt Jaimi Butler vom Westminster College in Salt Lake City. Die Forscherin beobachtet vor allem die Nashornpelikane am See. Viele von ihnen brüten auf einem Inselchen, doch der fallende Wasserpegel hat einen Zugang zu dem Nistplatz freigelegt. Darüber können räuberische Füchse und Kojoten zur Jagd auf kleine Säugetiere vordringen – und damit schrecken sie die scheuen Pelikane auf. Die flüchten aus ihren Nestern, verlassen Eier und Jungtiere, die dann den Möwen zur leichten Beute werden.

Auch die Wirtschaft fürchtet Einbussen. In dem See leben wegen seines höheren Salzgehalts nicht allzu viele Tierarten, aber unter anderem der Salinenkrebs fühlt sich hier wohl. Und der wiederum trägt zu einer 57 Millionen Dollar schweren Fischerei-Industrie in Utah bei. Weniger Frischwasser für den Grossen Salzsee könnte aber auch diese Einnahmen kappen: Denn selbst dem Salinenkrebs könnte es dann zu salzig werden.


Von Lindsay Whitehurst, AP