Makabrer Name, ernster HintergrundDie «Bist du tot?»-App trifft nicht nur in China einen Nerv
Andreas Fischer
14.1.2026
Junge, alleinstehende Menschen in China nutzen die App «Bist du tot?» millionenfach.
Cheng Xin/Getty Images
«Bist du tot?»: Eine App, die sich an alleinstehende Menschen richtet, sorgt in China für Schlagzeilen – nicht nur wegen ihres kontroversen Namens. Auch in der Schweiz ist die App – unter einem andren Namen – erhältlich.
Teleschau
14.01.2026, 23:51
Andreas Fischer
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Die App «Bist du tot?» ist die am häufigsten heruntergeladene kostenpflichtige App in China.
Vor allem bei jungen Menschen in Grossstädten ist die Anwendung beliebt. Es besteht die Angst, dass Menschen, die alleine leben, unbemerkt sterben könnten.
Während in China der makabre Name für Diskussionen sorgt, erobert die App auch in anderen Ländern die App-Stores.
Eine App mit einem ziemlich makabren Namen trifft in China einen Nerv: «Bist du tot?» (auf Chinesisch «Si-le-me») klingt wie ein Scherz, ist aber todernst gemeint. Das Prinzip der App ist simpel: Alle zwei Tage tippen Nutzer auf einen Button. Damit bestätigen sie, dass sie noch leben. Bleibt das Signal aus, informiert die App den hinterlegten Notfallkontakt mit dem Hinweis, dass etwas nicht stimmen könnte.
Gestartet ist das Angebot bereits im Mai des vergangenen Jahres: Wie die «BBC» berichtet, sind die Downloadzahlen aber erst in den letzten Wochen deutlich angestiegen, die App ist inzwischen die meist heruntergeladene kostenpflichtige App des Landes. Wie Statistiken zeigen, nutzen vor allem junge Menschen in Grossstädten die Anwendung, viele von ihnen leben alleine.
Ein-Personen-Haushalte nehmen in China rapide zu
Der Erfolg hat einen gesellschaftlichen Hintergrund: Laut Forschern könnte es bis 2030 bis zu 200 Millionen Einpersonenhaushalte in China geben, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur «Global Times». Die App richtet sich genau an diese Gruppe. Sie bezeichnet sich selbst als «Begleiter für Sicherheit … egal, ob du alleinstehender Büroangestellter, Student, der fern von zu Hause lebt, oder jemand bist, der einen einsamen Lebensstil gewählt hat».
In sozialen Netzwerken beschreiben Nutzer, warum sie das Angebot brauchen. «Menschen, die in irgendeiner Lebensphase alleine leben, brauchen so etwas, ebenso wie Introvertierte, Menschen mit Depressionen, Arbeitslose und andere in prekären Situationen», schrieb ein User.
Ein anderer brachte die Sorge noch drastischer auf den Punkt. «Es besteht die Angst, dass Menschen, die alleine leben, unbemerkt sterben könnten, ohne dass jemand Hilfe holen kann. Ich frage mich manchmal, wer meine Leiche abholen würde, wenn ich alleine sterben würde.»
App-Name sorgt für kontroverse Diskussionen
Trotz des durchschlagenden Erfolges sorgt der Name der App für Diskussionen. Manche halten ihn für unheilvoll. Andere sagen, alleine die Anmeldung könne Unglück bringen. Der provokante Name dürfte dennoch Teil des Erfolgs sein, denn er spielt mit einem bekannten Markennamen. In China ist eine Lieferplattform namens «Bist du hungrig?» extrem populär. Auf Chinesisch klingt «Si-le-me» fast genauso wie der Name der Liefer-App.
International tritt die App bereits unter einem anderen Namen auf. Als Demumu ist sie auch in der Schweiz in den Top Ten im Apple App Store zu finden. In den USA, Singapur und Hongkong ist sie unter den Top 2 der kostenpflichtigen Utility-Apps gelistet, wie die «BBC» berichtet. In Australien und Spanien reicht es für die Top 4. Beobachter vermuten, dass vor allem im Ausland lebende Chinesen für die hohen Platzierungen sorgen.
Pudding gegen die Einsamkeit
Auf Social-Media-Kanälen sorgt derzeit der kuriose Trend für Aufsehen, Pudding mit einer Gabel zu essen. Auf der Bonner Hofgartenwiese kamen am Mittwoch zahlreiche junge Menschen auf den Geschmack. Aber was steckt dahinter?