Risikokarte 2023

Diese Destinationen sind am sichersten – und diese am gefährlichsten

mmi

10.1.2023

Der deutsche Krisenspezialist A3M teilt die Reisedestinationen für das Jahr 2023 in fünf Risikokategorien ein.
Der deutsche Krisenspezialist A3M teilt die Reisedestinationen für das Jahr 2023 in fünf Risikokategorien ein.
A3M Global Monitoring GmbH

Krieg, politische Unruhen oder Naturkatastrophen – was bedeutet das für die Sicherheit von Reisenden? Eine neue Risikokarte zeigt, wo Reisen im 2023 sicherer und wo gefährlicher geworden ist.

mmi

10.1.2023

Im jüngst entdeckten Reiseland Iran werden Protestierende hingerichtet, in Peru läuft man Gefahr, in Strassenblockaden und gewaltsame Demonstrationen zu geraten. Die Folge: Touristen bleiben wegen der instabilen Sicherheitslage aus. 

Da stellt sich die Frage: Ist die Welt für Reisende kleiner geworden? Ja, sagt Marcel Conrad vom deutschen Krisenspezialisten A3M dem «Spiegel». Zumindest mit Blick auf von Menschen verursachte Ereignisse. Kriege, steigende Kriminalität oder das Gewaltpotenzial an Demonstrationen würde das Reisen gefährlicher machen als noch vor zehn Jahren, so Conrad.

A3M mit Sitz in Tübingen, Berlin und Hamburg analysiert täglich Meldungen und Berichte aus aller Welt. Damit versorgt es die Krisenzentren der grossen deutschen Reiseveranstalter wie TUI, DER Touristik oder Studiosus, zu denen auch Ableger in der Schweiz gehören. 

Terror, Naturgefahren und funktionierende Rettungsdienste

Jüngst veröffentlichte das Analyseteam von A3M eine Karte, die die Welt in Risikozonen einstuft und Reisenden helfen soll, sich zu orientieren. Die Kategorien gehen von rot für «sehr hoch» über orange, gelb, hellgrün und dunkelgrün für «sehr geringes Risiko». Die Kriterien sind: Naturgefahren, Terror oder auch funktionierende Rettungsdienste.

Risikoeinstufung für Reiseländer

Ein sehr geringes Risiko gibt es laut der Karte weltweit in nur zehn von 193 Staaten: Kanada, Deutschland, Dänemark, Norwegen, Finnland, die Schweiz, die Beneluxstaaten sowie die Slowakei gehören dazu.

Rot bis dunkelrot sind hingegen ein grosser Teil der west- und zentralafrikanischen Länder wie Mauretanien, Mali, Niger, Tschad, Nigeria, Sudan oder Demokratische Republik Kongo. Auch in Lateinamerika besteht ein grosses Risiko für Reisende, etwa im karibischen Inselstaat Haiti, in Nicaragua, Honduras und El Salvador, in Teilen Mexikos und Kolumbiens sowie Venezuela. Auch der Nahe Osten mit Syrien, Irak, Iran, Afghanistan und Teilen Pakistans gilt als «sehr risikoreich». 

Die zentralasiatischen- und südostasiatischen Staaten sind mehrheitlich gelb eingefärbt – bis auf Myanmar, wo es ein «grosses Risiko» gibt.

Gewalt, Protest und Streiks aufgrund sozialer Spannungen

Die Coronapandemie sei zwar vorbei und damit die einhergehenden Reiseeinschränkungen, doch aktuelle Probleme wie Inflation und hohe Energiepreise Gesellschaften verunsicherten Touristen weltweit. Laut A3M kam es insgesamt zu mehr sozialen Spannungen und mehr Demonstrationen – häufig in Zusammenhang mit Wahlen. 

Den Hafen der dänischen Hauptstadt zu besuchen, dürfte laut Risikoanalysten keine Gefahr sein.
Den Hafen der dänischen Hauptstadt zu besuchen, dürfte laut Risikoanalysten keine Gefahr sein.
Keystone

Die grössten Veränderungen zum Vorjahr habe es insbesondere durch den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine gegeben, sagt Conrad. Russland ist neu in der Kategorie «erhöhtes Risiko», die Ukraine ist auf Stufe «rot». Belarus bleibt unverändert «gelb».

Innerhalb Europas sei dagegen die Zahl der Demonstrationen über die vergangenen vier Jahre insgesamt annähernd gleich geblieben, sagt Conrad und macht einen Vergleich zu 2012: «Wir hatten damals eindeutig weniger gewaltsame Demonstrationen in den Gebieten, die bereist wurden.» Zwar habe es die auch gegeben, aber nicht in der Intensität, wie sie im Moment geführt würden.

Wohin denn nun?

Wer verreisen will, wird von den grossen Reiseveranstaltern wie TUI Schweiz, Globetrotter, Hotelplan oder FTI auf die Reisehinweise des Bundesamts für Ausswärtige Angelegenheiten (EDA) verwiesen. Das EDA schreibt auf Anfrage von blue News, mit den Reisehinweisen weise man auf mögliche Gefahren, Risiken und Schwierigkeiten im Zielland hin und empfehle Vorsichtsmassnahmen.

Weite Strände erwarten die Touristen im zentralamerikanischen Nicaragua. Jedoch sei der persönlichen Sicherheit grosse Aufmerksamkeit zu schenken, schätzt das EDA die aktuelle Situation ein.
Weite Strände erwarten die Touristen im zentralamerikanischen Nicaragua. Jedoch sei der persönlichen Sicherheit grosse Aufmerksamkeit zu schenken, schätzt das EDA die aktuelle Situation ein.
Imago 

Sie seien eine Entscheidungshilfe für Reisende und fordern dazu auf, auch andere Informationsquellen wie Reiseliteratur und Medien zu konsultieren. Ob und wohin die Reise gehe, sei alleine in der Verantwortung der Reisenden.

Die Reisehinweise stützen sich auf eigene, als vertrauenswürdig eingeschätzte Informationsquellen, schreibt das EDA. In erster Linie seien dies die Schweizer Botschaften und Konsulate im Ausland, die über ein breites Kontakt- und Informationsnetz verfügen. Wenn es ums Terror-Risiko gehe, fliessen demnach auch Informationen der Nachrichtendienste ein. Man prüfe die Hinweise laufend und passe diese an, sofern nötig. Das bedeute aber auch, dass die jederzeit kurzfristig geändert werden könnten.