Diese Schweizer Orte gibt es auch im Ausland 

Von Silvana Guanziroli

7.11.2019 - 16:58

Zurich im US-Bundesstaat Kansas. Hier befinden wir uns tatsächlich auf der Hauptstrasse des Ortes, der aktuell 99 Einwohner zählt.
Bild: Google Maps

Sie liegen Tausende Kilometer weit weg – und sind doch ein Stück Schweiz. Die Namen dieser Orte erinnern daran, dass sie einst von Migranten mit helvetischen Wurzeln gegründet wurden. 

Die Schweiz ist heute ein klassisches Einwanderungsland. Im Vergleich zur Bevölkerung hat sie europaweit den höchsten Anteil an ausländischen Personen. Schnell wird dabei vergessen, dass das nicht immer so war.

Im 19. Jahrhundert waren es nämlich die Eidgenossen, die in Scharen im Ausland ihr Glück suchten. Einer der Hauptgründe war die Armut. Die damals überwiegend agrarische Schweiz erlebte drei schwere Landwirtschaftskrisen. So zerstörten Massen-Importe von billigerem Getreide die Perspektiven vieler Bauern im Land.

Rund 400'000 Schweizer zogen zwischen 1816 bis 1913 aus – und siedelten sich rund um den Globus an. Die Spuren, die sie hinterlassen haben, sind heute noch deutlich spür- und sichtbar.

Zurich, US-Bundesstaat Kansas

Zurich inmitten von Feldern. Der Ort liegt 450 Kilometer von Kansas City entfernt.
Bild: Google Maps

Diese Stadt befindet sich wahrlich in «the middle of nowhere». 99 Menschen leben heute in Zurich, dem amerikanischen Pendant zur grössten Stadt der Schweiz. Nur die Hauptstrasse durch den Ort ist geteert, Seitenstrassen sind noch immer Schotterpisten. Mitten auf den Great Plains gelegen, gibt es rund um Zurich vor allem eines: viel Farm-Land. Die nächste grössere Stadt, Kansas City, liegt 450 Kilometer weiter östlich.

Als Ort eingetragen wurde Zurich 1880. Damals eröffneten John und Armenda Webb eine Poststelle und nannten diese nach ihrem Geburtsort. 

Das Gemeindezentrum aus dem Jahr 1930.
Bild: Wikipedia

Winterthur, US-Bundesstaat Delaware

Und auch die zweitgrösste Stadt im Kanton Zürich hat einen amerikanischen Namensvetter. Winterthur ist ein Weiler im US-Bundesstaat Delaware mit einem gleichnamigen Kunstmuseum. Dort befindet sich eine der bedeutendsten Americana-Sammlungen mit 85'000 Ausstellungsstücken. Americana gilt als Sammelbegriff für kulturelle Schöpfungen der US-Gesellschaft wie Jeans, Donuts oder Bücher wie Tom Sawyer von Marc Twain. 

Das Kunstmuseum Winterthur. Hier werden 85'000 Ausstellungsstücke gezeigt.
Bild: Wikipedia

Der Name Winterthur geht zurück auf den ersten Schweizer, der in der Gegend siedelte. Das war Jacques-Antoine Bidermann um 1790. 

Winterthur liegt 40 Kilometer von Philadelphia im US-Bundesstaat Delaware.
Bild: Google Maps

New Bern, US-Bundesstaat North Carolina

Der «Zytgloggeturm» in New Bern.  
Bild: Dukas
Berner Wappen

Die Schweizer Version mit (o.) und die amerikanische Version (u.) ohne Geschlechtsteil.

Und diese Stadt in North Carolina will gar ihren grossen Namensgeber kopieren. In New Bern steht ein Gebäude, das dem «Zytgloggenturm» in der Schweizer Hauptstadt deutlich nachempfunden ist. 

Praktisch identisch ist auch das Stadt-Wappen – mit einer kleinen aber entscheidenden Aussnahme. Auf der prüderen amerikanische Flagge fehlt der rote Bärenpenis.

Bekannt ist New Bern heute vor allem für diese Erfindung: Hier erfand der Apotheker Caleb Bradham 1898 das Getränk Pepsi Cola. Die Stadt zählt derzeit rund 30'000 Einwohner.

New Glarus, US-Bundesstaat Wisconsin

Etwas beschaulicher geht es weiter westlich in Wisconsin zu und her. Hier liegt New Glarus. Die Stadt zählt 2'172 Einwohner und wurde 1845 von 150 immigrierten Einwanderer gegründet. 

Der Ort lebt die Schweizer Folklore, in vielen Restaurants werden heute noch Schweizer Spezialitäten wie Rösti und Raclette angeboten. Mit diesem Angebot gilt New Glarus in den Staaten als Tourismusdestination.

Villa Berna, Argentinien

Villa Berna liegt im Zentrum Argentiniens. 
Bild: Google Maps

Inmitten von Argentinien gibt es ebenfalls ein Dorf, das nach der Schweizer Hauptstadt benannt ist. Villa Berna liegt in der Provinz Santa Fe und hat aktuell rund 1'000 Einwohner. 

Gegründet wurde der Ort vor 120 Jahren von einem Hans Liechti aus dem Kanton Bern. Heute gibt es vor Ort ein Museum, das an die Schweizer Gründerzeit erinnert.

Nova Friburgo, Brasilien

Die Stadt liegt 130 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro. Die ersten Schweizer Einwanderer in Brasilien gründeten den Ort 1819. Es war damit die erste nicht portugiesische Kolonie auf brasilianischem Boden. 

Aus den ursprünglich 1'682 Migranten hat sich eine Stadt mit über 190'000 Einwohnern entwickelt.

Nova Friburgo zählt heute über 190'000 Einwohner. Sie wurde 1819 von Schweizer Migranten gegründet.
Bild: Wikipedia

Locarno Springs, Australien

Blick auf die Mineralquelle von Locarno Springs.
Google Maps

Die Locarno Springs in Australien sind eine Mineralquelle, die von Tessiner Einwanderern in Down Under gegründet wurden. Armut und schlechte Perspektiven hatten sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus der Schweiz vertrieben.

Die Gegend in Australien haben die Tessiner Einwanderer deutlich mitgeprägt. Bis heute seien Überbleibsel der damals mitgebrachten Kultur vorhanden. So sagt Joan Hunt, Präsident der Ballarat Genealogical Society in Melbourne: «Sie hatten einen viel grösseren Einfluss als zum Beispiel Chinesen oder Deutsche, die ebenfalls zum Goldschürfen in die Gegend kamen.»

Einer der prominentesten Einwanderer war Severino Guscetti. Der Arzt war von 1849 bis 1851 Mitglied des Nationalrates, bevor es in nach Australien zog.-Er gründete einen Verein, der die Mineralquelle Locarno Springs schützen sollte. Heute, 150 Jahre später, gehört die Region zu einer Haupt-Touristenattraktion im Bundesstaat Victoria.

Wie sehr die Region noch mit dem Tessiner Ursprung verbunden ist, zeigen die Farben des lokalen Football Clubs. Die Trikots sind immer noch – wie die Tessiner Flagge – in Rot und Blau gehalten.

Der Football Club in der Region um Locarno Springs. Die Mannschaft trägt Trikots in den Farben Rot und Blau.
Bild: Wikipedia
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