Ein realer Skandinavien-Krimi – Frau Hagen ist verschwunden

Von Steffen Trumpf, dpa

3.5.2019

Dieses von der norwegischen Polizei zur Verfügung gestellte Foto zeigt Anne-Elisabeth Falkevik Hagen. Seit einem halben Jahr wird die Millionärsfrau vermisst.
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Seit einem halben Jahr wird in Norwegen eine Millionärsfrau vermisst. Die Polizei geht von einer Entführung aus, hat aber bisher kein Lebenszeichen erhalten. Frau Hagen bleibt verschwunden.

Eine Frau wird zu Halloween aus ihrem Familienhaus entführt. Ihr Ehemann: einer der reichsten Menschen Norwegens. Es gibt eine Lösegeldforderung in umgerechnet siebenstelliger Höhe, aber auch ein halbes Jahr später kein Lebenszeichen von der Millionärsgattin.

Was wie ein Skandinavien-Krimi von Jo Nesbø klingt, ist in Wirklichkeit ein echter Fall für die norwegische Polizei. Und ein ganzes Land fragt sich: Wo steckt Anne-Elisabeth Falkevik Hagen?

Die Polizei spricht von der «Angelegenheit Lørenskog», wenn es um den wohl dramatischsten Vermisstenfall der norwegischen Geschichte geht. Lørenskog ist die Kommune östlich von Oslo, in der das Haus der Familie Hagen steht. Dort ist die damals 68-jährige Frau am 31. Oktober 2018 plötzlich verschwunden. Seither hat die Polizei laut Ermittler Tommy Brøske keinen Beweis bekommen, dass sie noch lebt. «Wir haben immer mehr Zweifel, dass sie noch am Leben ist», sagte er schon Ende Februar. Die mutmassliche Entführung, die in Norwegen als einzigartig gilt, ist am 30. April sechs Monate her.

Blick auf das abgesperrte Haus des norwegischen Multimillionärs Tom Hagen. Aus diesem Gebäude wurde die Ehefrau entführt.
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Lösegeld in Kryptowährung gefordert

Öffentlich machte die Polizei den Fall erst zehn Wochen nach dem Verschwinden. Von Anfang an ging sie von einer Entführung aus, unter anderem, weil Lösegeld in einer Kryptowährung gefordert worden war – nach Angaben der norwegischen Zeitung «Verdens Gang» in Höhe von umgerechnet 10,2 Millionen Franken. Mutmasslich ist die Frau im Badezimmer überwältigt worden. Schriftliche Nachrichten sind gefunden worden. Der Kontakt mit den mutmasslichen Entführern ist zäh und findet nur über eine digitale Plattform statt, zuletzt am 11. Februar.

Der Ehemann der Entführten ist steinreich und. Tom Hagen ist Investor, mit Stromverkauf und Immobilien soll er im Laufe von elf Jahren eine Milliarde norwegische Kronen (rund 119 Millionen Franken) verdient haben. Damit zählt er zu den 200 wohlhabendsten Menschen eines ohnehin sehr reichen Landes.

Doch was ist Geld, wenn die eigene Frau verschwunden ist? «Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Familie die Entführung als eine grausame und unmenschliche Tat erlebt», sagte Familienanwalt Svein Holden vor Monaten auf einer Pressekonferenz. «Für die Familie war und ist das unglaublich fordernd und ermüdend, sich über längere Zeit in solch einer Situation zu befinden.»

Polizei braucht finanzielle Unterstützung

Holden ist neben Ermittler Brøske das öffentliche Sprachrohr in dem Fall. Wenn es Neuigkeiten gibt, dann stets von diesen beiden. Und Holden ist nicht irgendwer: Er zählt zu den bekanntesten Juristen Norwegens. Im Prozess gegen den Rechtsterroristen Anders Behring Breivik vertrat er die Staatsanwaltschaft. Informationen gibt er im Fall Hagen wie die Polizei äusserst vorsichtig heraus – zu besorgt ist man um das Wohlergehen der Frau. Die Kidnapper hatten gedroht, sie zu töten, wenn die Polizei eingeschaltet würde. Auf dpa-Anfrage äussert sich Holden ebenso wenig wie die Polizei. Selbst der norwegischen Polizeihochschule ist der Fall zu heikel für eine Einschätzung.

Anwalt Svein Holden auf einer Pressekonferenz. Familienanwalt im Fall der seit einem halben Jahr in Norwegen vermissten Millionärsfrau Anne-Elisabeth Falkevik Hagen.
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Der Fall Hagen zieht sich mittlerweile so lange hin, dass es auch der Polizei um Geld geht. Sie beantragte zuletzt zusätzliche Mittel, um die Kosten der Ermittlung zu decken. Mehr als 1500 Hinweise und 6000 Stunden Videomaterial mussten bislang ausgewertet werden. Als sei das nicht genug, haben sich mehrere Betrüger aus dem Ausland als vermeintliche Entführer ausgegeben, um Geld von der Familie zu erpressen. Doch die mittlerweile 69-jährige Frau Hagen bleibt weiter verschwunden.

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