Einbürgerungen vertrödelt – Boswiler Gemeindeschreiber fristlos entlassen

gusi

18.1.2019

Der Gemeindeschreiber von Boswil AG muss jetzt wegen seiner Hasskommentare im Netz seinen Stuhl räumen. Die Gemeinde hat ihn fristlos entlassen.
Twitter

Seine fremdenfeindlichen Facebook-Kommentare sorgten für Schlagzeilen. Da durfte der Aargauer Gemeindeschreiber Daniel Wicki aber noch im Amt bleiben. Jetzt muss er trotzdem fristlos gehen. Das sind die Gründe.

Erst Anfang Woche war Wicki an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Er war mehrere Tage freigestellt worden, nachem die SP Boswil gegen ihn eine Strafanzeige eingereicht hatte. Wicki hatte auf Facebook mehrfach gegen Flüchtlinge gehetzt und damit für negative Schlagzeilen gesorgt. Weil die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen will, durfte Wicki zunächst zurück an seinen Arbeitsplatz. 

Doch jetzt muss der Gemeindeschreiber definitiv sein Pult räumen, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt. Der Grund: Wicki soll Einbürgerungen vertrödelt haben. Denn stimmt eine Gemeindeversammlung einer Einbürgerung zu, erhalten die Eingebürgerten in der Regel nach rund einem Jahr den Schweizer Pass. In Boswil dauert das aber viel länger. Wie der «Blick» berichtet, geht es um Einbürgerungen aus dem Jahr 2015. Diese soll Wicki bewusst vertrödelt oder gar verschlampt haben. In mindestens fünf Fällen sind die betroffenen Personen bis heute nicht im Besitz eines Schweizer Passes.

Gemeindeschreiber Wicki in Erklärungsnot

Wicki bestreitet gegenüber dem «Blick» jegliche Schuld. Seine Erklärung: Häufig seien die Unterlagen nicht vollständig. Was aber wenig plausibel scheint, da Einbürgerungswillige bereits für den ersten Antrag alle Unterlagen einreichen müssen.

Doch damit nicht genug: Gemäss Wicki scheint jetzt auch noch die Post schuld an der Verzögerung zu sein. Die soll Gesuche verloren haben. Und bei den übrigen Betroffenen spricht der Gemeindeschreiber von einem Systemfehler im digitalen Tool. Andreas Bamert, Leiter Amt für Register- und Personenstand (ARP), dementiert das entschieden: «Uns sind keine Übermittlungsprobleme im System bekannt.»

Boswil greift jetzt durch, die Gemeinde habe festgestellt, dass die Gesuche tatsächlich wegen falscher Prioritätensetzung nicht weitergegeben worden seien. Der Gemeinderat entschuldigte sich dafür.

Zurück zur Startseite