Endlich der medizinische Durchbruch? Todgeweihter Krebspatient geheilt

jfk

30.8.2018

In dieser graphischen Darstellung nähert sich eine Krebszelle (links) einem DNA-Strang. Die Krebsimmuntherapie ist möglicherweise die bahnbrechende Neuentwicklung in der Onkologie. (Archiv)
Bild: Getty Images/iStock

Nach 13 Jahren vergeblichem Kampf gegen einen immer wiederkehrenden Tumor bereitete sich Michael English auf den Tod vor. Doch mit dem letzten Strohhalm, einer experimentellen Therapie, erfuhr der 72-Jährige Brite vollständige Heilung. Ist bei der Suche nach einer zielsicheren Waffe gegen den Krebs endlich der Durchbruch erreicht?

Der pensionierte Elektroingenieur aus dem südenglischen Surrey wurde 2005 mit fortgeschrittenen und aggressivem Prostatakrebs diagnostiziert, wie die Daily Mail berichtet. Mit Hormonen, Medikamenten, Strahlen- und Chemotherapie konnte der Tumor besiegt werden - scheinbar. Doch der Krebs kehrte zurück und wurde durch Mutation nach jeder Behandlung resistenter gegen die Medizin.

Die konventionelle Medizin musste die Waffen strecken. Der sterbenskranke Michael wurde an die Palliativ-Abteilung verwiesen, wo ihm nur noch der unvermeidliche Tod erleichtert werden sollte. Letztes Jahr konnte der Patient noch an einer klinischen Studie für eine neue Immuntherapie bei Professor Johann de Bono am Londoner Institut für Krebsforschung teilnehmen.

Doch die Verfassung seiner Verdauungsorgane war nach den vorausgegangenen Strahlenbehandlungen so schlecht, dass er nach zehn Dosen des Arzneimittels Pembrolizumab von dem Therapieprogramm abgezogen werden musste. Zum Abschluss wären weitere 29 Verabreichungen nötig gewesen.

Nichtsdestotrotz wurde der moribunde Patient nach dem Abbruch der Studie mittels Kernspintomographie auf den Zustand des tödlichen Tumors untersucht. Im April letzten Jahres war dieser komplett verschwunden! Auch nach einem kürzlich erfolgten Scan ist Michael krebsfrei. Professor de Bono bezeichnet das Resultat der Untersuchung gegenüber der «Daily Mail» als «aussagekräftig und spektakulär». 

Was ist das Geheimnis dieser «Wunderarznei» mit dem Handelsnamen Keytruda? Bei dem hier eingesetzten Präparat handelt es sich um einen sogenannten Immun-Checkpoint-Inhibitor, einen Antikörper, der auf die Kommunikation zwischen Tumorzellen und T-Lymphozyten einwirkt. Er «enttarnt» in gewissem Sinne die Krebszellen als feindliche Eindringlinge und ruft dadurch die körpereigene Abwehr auf den Plan und zum Kampf.

Problem der gewaltigen Behandlungskosten

Die Krebsimmuntherapie mittels Immun-Checkpoint-Inhibitoren ist eine der bedeutendsten, möglicherweise die bahnbrechende Neuentwicklung in der Onkologie. Es muss dabei jedoch nicht nur gelingen, den Wirkungskreis auf möglichst viele Tumorarten auszuweiten und die klinische Erprobung der Präparate zu forcieren. Ein weiterer gewichtiger Punkt sind die enormen Kosten.

Bei der 51-jährigen Judy Perkins aus Florida, die laut «Daily Mail» auch an einem vermeintlich nicht mehr heilbaren Krebs litt, schlug die erfolgreiche Immuntherapie mit horrenden 500'000 Franken zu Buche. Für eine standardmässige Anwendung bei der Menschheitsgeissel Krebs ist diese Summe um ein Vielfaches zu hoch.

Doch die Entwicklung wirksamer und schliesslich auch erschwinglicher Medikamente gegen HIV haben gezeigt, dass Medizin und Pharmaindustrie hier die entscheidenden Schritte weitergehen können. Dann sind in vielleicht schon naher Zukunft geheilte Patienten wie Michael und Judy, die schon die Schwingen des Todes rauschen hörten, keine wundersamen Ausnahmen mehr.

Der Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes. Eine regelmässige Früherkennungsuntersuchung, die auch durch digital-rektale Ertastung erfolgt, ist bei Männern ab dem 50. Lebensjahr dringend angeraten, denn wenn der Prostatakrebs erst Symtome zeigt, ist es oft zu spät. (Symbolbild)
Bild: Getty Images
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