Firma im Kanton Zug Deutscher Maskenlieferant soll 12 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben

Gabriela Beck

16.1.2026

Ein Maskenlieferant für Deutschland soll zwölf Millionen Euro Steuern hinterzogen haben.
Ein Maskenlieferant für Deutschland soll zwölf Millionen Euro Steuern hinterzogen haben.
IMAGO/Depositphotos

Diplomatenausweis, Revolver im Handschuhfach und Millionen aus einem Maskendeal: Der Fall S. liest sich wie ein Thriller, ist aber ein Steuerprozess. Im Zentrum steht ein schillernder Geschäftsmann – und eine kleine Firma im Kanton Zug.

Redaktion blue News

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  • Ein Münchner Geschäftsmann gab sich als Diplomat aus und landete statt in Brüssel in Untersuchungshaft.
  • Im Zentrum des Prozesses stehen Millionenerlöse aus Maskengeschäften, die über eine Firma im Kanton Zug liefen.
  • Nun klärt das Gericht, ob aus der Schweizer Adresse ein deutsches Steuerproblem wurde.

Bei einer Polizeikontrolle im Allgäu flog im Mai 2025 ein 44-jähriger Münchner auf, der sich den Beamten als Diplomat auf Dienstfahrt nach Brüssel vorstellte. Nach seinen Personalien befragt, zückte er einen Diplomatenausweis des westafrikanischen Inselstaats São Tomé und Príncipe und stellte sich als Herr S. vor. So beschreibt es der «Spiegel».

Beim Durchsuchen seiner Limousine mit belgischem Diplomatenkennzeichen fanden die Beamten demnach Ungewöhnliches: einen gefälschten slowenischen Pass – und im verschlossenen Handschuhfach einen Revolver.

Einen Waffenschein hatte Herr S. nicht, dafür stiessen die Einsatzkräfte – misstrauisch geworden – auf etwas noch Belastenderes: einen Haftbefehl der Münchner Steuerfahndung. Gesucht wurde der Mann wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Die geplante Reise nach Brüssel endete daher nicht im EU-Viertel, sondern in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim.

Nun beginnt vor dem Landgericht München II der Prozess gegen Herrn S. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Umsatz-, Körperschafts-, Einkommen- und Gewerbesteuer in Höhe von rund zwölf Millionen Euro (rund 11,2 Millionen Franken) hinterzogen zu haben. Im Zentrum steht ein Maskengeschäft aus den Anfangstagen der Corona-Pandemie.

Steuerfahndung wird nach Überweisung aktiv

Im Frühjahr 2020 schloss Herr S. über eine kleine Firma im Kanton Zug einen Vertrag mit dem Bundesgesundheitsministerium unter Jens Spahn. Fünf Millionen FFP2-Masken sollten geliefert werden – zu Zeiten, als der Staat mit Steuergeld Masken kaufte, als gäbe es kein Morgen. Es herrschten chaotische Zustände, Lager quollen über, Händler blieben auf ihren Masken sitzen. Einige verklagten das Bundesgesundheitsministerium nachträglich auf Erfüllung der Lieferverträge.

Mit Herrn S. schloss das Ministerium einen Vergleich: Rund 20 Millionen Euro (rund 18,7 Millionen Franken) flossen auf ein Schweizer Konto der Zuger Firma, über die das Maskengeschäft lief, ergaben die Recherchen des «Spiegel».

Bei der Überweisung eines grösseren Betrags nach Deutschland wurde demnach die Steuerfahndung hellhörig. Der Verdacht: Die Schweizer AG könnte lediglich eine Briefkastenfirma gewesen sein, während die eigentlichen Geschäfte von München aus geführt wurden.

Wäre das so, hätte der Millionenerlös in Deutschland versteuert werden müssen. Hausdurchsuchungen folgten, dann eine Anklage. Die Frage nach dem «Ort der Geschäftsleitung» dürfte zur Schlüsselfrage des Prozesses werden.

Viel Talent für alles – ausser Seriosität

Genauso aufschlussreich wie die steuerlichen Vorwürfe dürfte die Frage sein, wie es Herrn S. überhaupt gelang, sich einen Maskenauftrag in Millionenhöhe zu sichern – und auf welchem Weg es schliesslich zu dem grosszügigen Vergleich mit dem Bundesgesundheitsministerium kam. Fragen dazu könnten auf den Wirtschaftsprüfungskonzern EY zukommen, der das Ministerium bei der Abwicklung der Geschäfte beratend begleitet hatte.

Mit medizinischer Schutzausrüstung jedenfalls hatte Herr S. wenig Erfahrung. Stattdessen betätigte er sich als Berater eines Kölner Schwergewichtsboxers und später als Kunstinvestor – allerdings mit überschaubarem Erfolg. 2022 kaufte er für 1,5 Millionen Euro angebliche Abzüge berühmter Fotografen, die sich als einfache Digitaldrucke entpuppten. Vermittelt hatte den Deal der mehrfach vorbestrafte Betrüger Stephan Welk, der ebenfalls ein Faible für dubiose Diplomatenausweise afrikanischer Kleinstaaten hatte. Herr S. kommentierte sein Investment trocken mit: «Gier frisst Hirn.»

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09.07.2025