Wegen Verwahrlosung Familie lebt im Wald – jetzt werden Kinder ins Heim geschickt

Dominik Müller

25.11.2025

Dürfen Kinder isoliert im Wald aufwachsen? Diese Frage wird in Italien heiss diskutiert.
Dürfen Kinder isoliert im Wald aufwachsen? Diese Frage wird in Italien heiss diskutiert.
Bild: Sebastian Willnow/dpa

Eine britisch-australische Familie lebt abgeschieden in den Hügeln Italiens – ohne Strom, Schule oder ärztliche Versorgung. Dann greift das Jugendgericht ein und entfacht eine nationale Debatte.

Sara Matasci

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  • Drei Kinder einer britisch-australischen Familie wurden nach einer Pilzvergiftung hospitalisiert, was Ermittlungen zu ihrem isolierten Lebensumfeld in der italienischen Provinz Chieti auslöste.
  • Ein Jugendgericht entschied am 13. November 2025, die Kinder in ein Heim zu überführen, da die Eltern Gesundheitschecks und Zusammenarbeit mit Sozialdiensten verweigerten.
  • Der Fall sorgt in Italien für kontroverse Debatten über elterliche Freiheit versus staatlichen Kinderschutz und alternative Lebensweisen.

Alles begann im September 2024, als in der Toskana mehrere Minderjährige wegen einer Vergiftung durch Pilze ins Krankenhaus eingeliefert wurden, berichtet das Portal «Virgilio.it».

Die Notaufnahme informierte das Sozialamt, das wiederum die Jugendstaatsanwaltschaft einschaltete und damit ein Gerichtsverfahren einleitete.

Warum die Aufregung?

Es hatte sich herausgestellt, dass die drei Kinder mit ihren Eltern in einem sehr abgelegenen Haus nahe Palmoli, einem Dorf mit rund 800 Einwohnern in der Provinz Chieti, lebten – ohne Anschluss an Strom, Wasser oder Gas. Die britisch-australische Familie hatte sich 2019 dort niedergelassen.

Die Ermittlungen ergaben, dass das Haus der Familie in einem «unhygienischen» Zustand war und es Mängel bei der Schulbildung der Kinder und ihrer Gesundheitsversorgung gab.

Diese Erkenntnisse veranlassten das Jugendgericht zum Eingreifen – mit dem Ziel, die Sicherheit und das Wohlergehen der Kinder zu gewährleisten.

Gerichtsbeschluss: Kinder müssen ins Heim

Am 13. November 2025 beschloss das Jugendgericht von L'Aquila, die Kinder in einem Kinderheim unterzubringen. Dies, nachdem die Eltern Treffen mit Sozialarbeitern verhindert und medizinische Untersuchungen abgelehnt hatten.

Das Gericht nannte drei Hauptgründe für den Entscheid: 1. Die Verweigerung der Gesundheitsuntersuchungen. 2. Die fehlenden Unterlagen zur Sicherheit der Wohnung. 3. Das Fehlen von Nachweisen für eine angemessene Bildung zu Hause.

Das Gericht argumentierte, dass die Isolation der Familie das Wachstum und die Sozialisierung der Kinder gefährdete, ihr Recht auf ein Leben in Gemeinschaft verletzte und ihre körperliche Unversehrtheit gefährdete.

Grosser Wirbel in Italien

Doch der Entscheid führte in Italien zu hitzigen Diskussionen und spaltet die Bevölkerung: Die einen finden es richtig, dass die Sozialdienste eingegriffen und die Kinder vorübergehend von ihren Eltern getrennt haben. Die anderen finden, dass es in der Entscheidungsfreiheit der Eltern liegen sollte, wie ihre eigenen Kinder aufwachsen. 

Die Instagram-Seite «Giovani magistrati» (Junge Richter) erklärte, dass die Entscheidung, die Kinder aus der Familie zu nehmen, nicht leichtfertig getroffen wurde, sondern das Ergebnis einer einjährigen Beobachtung und mehreren Meldungen der Vernachlässigung war.

Zudem wird festgehalten, dass die Situation heikel sei und nicht instrumentalisiert werden sollte, da ein alternativer Lebensstil nicht per se falsch sei, aber überwacht werden müsse, um das Wohlergehen von Kindern zu gewährleisten.


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