Fliegen ohne Ziel – Airlines überlegen sich neue Geschäftsmodelle 

tgab

16.9.2020 - 23:55

Airlines entwickeln neue Angebote, damit Fluggäste die Welt endlichen wieder von oben sehen können. Hier ein Blick aus dem Fenster des Luftschiffs Typ Skycruise 600. (Symbolbild)
Bild: Keystone

Ständig wechselnde Risikogebiete, Quarantäne-Massnahmen und annullierte Flüge haben vielen das Reisen per Flugzeug verleidet. Um die Nachfrage wenigstens ein bisschen anzukurbeln, haben die notleidenden Airlines teils skurrile Angebote entwickelt: Vom Rundflug im Mittelstreckenjet bis zum Flugzeug-Restaurant.

Wie kann man Piloten und Crew beschäftigen und wenigstens ein wenig Geld verdienen, wenn es kaum Nachfrage nach Flugreisen gibt und die meisten Flugzeuge am Boden geparkt sind? Man überträgt ihnen einfach neue Aufgaben. Zum Beispiel als Tourguide on Air oder als Service-Personal im Flugzeug-Restaurant. Manche Airlines legen bei der Umsetzung innovativer Geschäftsideen in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten überraschende Kreativität an den Tag, wie «20 minuten» berichtet.

Rundflüge nach nirgends mit Brunch oder in die Antarktis

So bietet Singapore Airlines ab nächsten Monat «Flüge nach nirgends» an: Start- und Zielflughafen sind identisch, dazwischen geniessen die Passagiere drei Stunden in der Luft. Bei Royal Brunei Airlines gibt es seit August mit «Dine & Fly» einen Flugzeug-Brunch mit dem Piloten als Tourguide. In Australien nutzt Qantas neuerdings den Boeing 787 Dreamliner für Flüge in die Antarktis – ebenfalls ohne Landung.

Thai Airways wiederum hat in Bangkok ein Flugzeug-Restaurant eröffnet: Man nimmt Platz auf Flugzeugsitzen, geniesst Flugzeugmahlzeiten und als Andenken gibt's einen Boarding Pass. Air Asia machte schon letztes Jahr ein Restaurant in Kuala Lumpur auf.

Die Alternativ-Angebote zu regulären Flugreisen richten sich an Flugbegeisterte, die es wegen der Pandemie vermissen, an Bord eines Flugzeugs zu sein. Andere möchten Flugmeilen sammeln, ohne in Quarantäne gehen zu müssen. Denn wer seinen Vielfliegerstatus behalten will, muss weiterhin regelmässig fliegen.

Ein Geschäftsmodell auch für die Swiss?

Anklang finden diese Alternativ-Angebote vor allem in Asien. Dort ist das Umweltbewusstsein noch nicht so ausgeprägt wie in Europa. Auch Priska Seiler Graf, SP-Nationalrätin und Co-Präsidentin der Koalition Luftverkehr, Umwelt und Gesundheit, kann sich solche Angebote, die viel CO₂-Ausstoss verursachen, ohne einen Mobilitätsbedarf zu decken, für die Schweiz nicht vorstellen: «Diese Rundflüge mit Grossraumflugzeugen sind blanker Unsinn.»

Swiss-Sprecherin Meike Fuhlrott bestätigt «20 minuten» gegenüber, die Swiss konzentriere sich derzeit darauf, einen nachfragegerechten und stabilen Flugplan anzubieten. «Auch aus ökologischen Gesichtspunkten kommt es in keinster Weise infrage.»

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