Fotoschatz aus einer vergangenen Welt: Leben hinter dem Eisernen Vorhang

15.4.2018 - 00:00, uri

Die Russin Masha Ivashintsova im Alter von 34 Jahren (Selbstporträt von 1976, Leningrad, UdSSR). Die Künstlerin dokumentierte ihr Privatleben und den Alltag in der Sowjetunion in zahllosen Bildern.
Bild: Masha Ivashintsova/Dukas/Caters
Masha Ivashintsovas einziges Kind Asya mit ihrem Vater Melvar Melkumyan, einem in Armenien geborenen Sprachwissenschaftler, im Jahr 1976 in Leningrad.
Bild: Masha Ivashintsova/Dukas/Caters
Eine zerstörte Stalin-Statue in Leningrad, 1978.
Bild: Masha Ivashintsova/Dukas/Caters
Umzug mit Musikanten auf dem Nevski-Prospekt in Leningrad, 1975.
Bild: Masha Ivashintsova/Dukas/Caters
Innenansicht eines Gebäudes in Moskau, 1987.
Bild: Masha Ivashintsova/Dukas/Caters
Marta, der Hund der Familie (links), mit einem Artgenossen in Leningrad, 1978.
Bild: Masha Ivashintsova/Dukas/Caters
Spielplatz in Leningrad mit Spielzeug im Kosmonauten-Stil (undatiert).
Bild: Masha Ivashintsova/Dukas/Caters
Strassenszene in Leningrad (Undatiert).
Bild: Masha Ivashintsova/Dukas/Caters
Passanten können sich 1988 in Moskau von Künstlern malen lassen.
Bild: Masha Ivashintsova/Dukas/Caters
Parkszene in Leningrad, 1975.
Bild: Masha Ivanshintsova/Dukas/Caters
Tochter Asya Ivashintsova-Melkumyan mit Hund Marta und Katze Pusya. Leningrad, 1978.
Bild: Masha Ivashintsova/Dukas/Caters
Das Ufer der Neva Leningrad, 1979.
Bild: Masha Ivashintsova/Dukas/Caters
Spielendes Kind in Leningrad, 1976.
Bild: Masha Ivashintsova/Dukas/Caters
Selbstporträt von Masha Ivashintsova, Leningrad, UdSSR, 1977.
Bild: Masha Ivashintsova/Dukas/Caters

30'000 Fotos vom Leben hinter dem «Eisernen Vorhang»: Auf dem Dachboden ihres Hauses in Sankt Petersburg entdeckte Asya Ivashintsova-Melkumyan das geheim gehaltene Werk ihrer toten Mutter – einer talentierten Fotografin.

Aus einer Adelsfamilie stammend, war die Künstlerin Masha Ivashintsova nicht Teil der offiziellen sowjetischen Kulturszene. Dafür war sie, als sie im Jahr 2000 mit nur 58 Jahren an Krebs starb, über Jahrzehnte lang Chronistin des Alltags in Russlands zweitgrösster Stadt Sankt Petersburg und deren künstlerischem Untergrund.

Schätzungsweise 100'000-Schwarz-Weiss-Aufnahmen machte Masha von den 1950er Jahren an bis in die 1990er Jahre mit ihrer Leica IIIc und einer Rolleiflex auf sowjetischen Svema-Filmen. Darunter auch Bilder von ihren bekannten Lebenspartnern, dem Fotografen Boris Smelov, dem Poeten und Essayisten Viktor Krivulin und dem Linguisten Melvar Melkumyan, der auch der Vater von Ivashintsovas Tochter Asya ist.

Masha Ivashintsova präsentierte ihre Fotos indes nicht einmal ihrer eigenen Familie – wahrscheinlich, weil ihr das Selbstbewusstsein fehlte und sie meinte, dass sie mit ihrer Arbeit nicht neben ihren berühmten Liebhabern bestehen könne. «Sie glaubte ernsthaft, neben ihnen zu verblassen und zeigte in der Konsequenz ihr ganzes Leben lang niemandem ihre Fotografien, Tagebücher oder Gedichte», schreibt ihre Tochter Asya auf ihrer Website.

Die letzten Jahre der Sowjetunion erlebte Masha Ivashintsovas seelisch gebrochen und unglücklich. Gegen ihren Willen wurde sie in eine Nervenheilanstalt eingewiesen, in der das Regime Abweichler auf Linie bringen wollte, wie ihre Tochter meint. Sie starb, nachdem sie den Kampf gegen den Krebs verloren hatte, in Asyas Armen.

Erst im letzten Jahr fand diese die 30'000 Fotos ihrer Mutter bei Renovierungsarbeiten auf dem Dachboden des alten Zuhauses der Familie. Noch diesen Sommer will sie einen Teil des Werks in einer Ausstellung in Wien präsentieren. Bis dahin können Interessierte einige Fotos der «russischen Vivian Maier», wie Masha Ivashintsova teils auch genannt wird, hier betrachten - oder auf der Website, die Asya ihrer Mutter gewidmet hat.

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