Automatische Durchfahrtskontrolle Hässige Autolenker belagern Birsfelder Gemeindeschalter 

Oliver Kohlmaier

25.11.2025

Die Gemeinde Birsfelden BL hat seit Einführung der automatischen Durchfahrtskontrolle über 20'000 Bussen ausgestellt. 
Die Gemeinde Birsfelden BL hat seit Einführung der automatischen Durchfahrtskontrolle über 20'000 Bussen ausgestellt. 
sda (Archivbild)

Die automatische Durchfahrtskontrolle in Birsfelden BL sorgt nicht nur für schweizweite Diskussionen, sondern auch für einen Ansturm empörter Autolenker in der Schalterhalle der Gemeinde.

Redaktion blue News

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die automatische Durchfahrtskontrolle in Birsfelden BL sorgt für zahlreiche Beschwerden gebüsster Autolenker.
  • Auch am Gemeindeschalter in Birsfelden werden viele persönlich vorstellig, um sich wegen der Busse zu beschweren.
  • Die Gemeinde installierte einen Securitas-Mitarbeiter, der die hässigen Autolenker auf das Kontaktformular auf der Gemeinde-Webseite verweist.

Das neue Durchfahrtsregime in Birsfelden BL sorgt weit über die Gemeindegrenzen hinaus für Kontroversen – und regen Betrieb in der Schalterhalle. Denn die Gemeinde büsst seit September mithilfe von Kameras Autolenker, die unbewilligt durch das Dorf fahren, sich dort aber weniger als 15 Minuten aufhalten.

Durch das neue System wurden bereits tausende Bussen verhängt – sehr zum Ärger der Autofahrer. Einige fechten die Bussen an, oder gehen gleich direkt zur Gemeinde. So glich die Schalterhalle in Birsfelden zuletzt einem «mittelalterlichen Gerichtshof», wie die «Basler Zeitung» schreibt.

Demnach tauchen dort spontan wütende Autolenker auf, um sich zu beschweren. Am Eingang der Halle stehe nunmehr ein Securitas-Mitarbeiter, um hässige Autofahrer abzuwimmeln, verweist für Beschwerden auf das Kontaktformular auf der Webseite.

«Überschwemmt mit Nachrichten»

Der Leiter der Gemeindeverwaltung, Martin Schürmann, bestätigt der Zeitung die zuletzt längeren Wartezeiten: «Eine Zeit lang wurden wir überschwemmt mit Nachrichten. Da waren die Reaktionszeiten sicher unbefriedigend.» Seit Anfang November sei man jedoch wieder im «grünen Bereich». Nachrichten würden «in der Regel» innerhalb von zehn Tagen beantwortet.

Der Grund, warum man überhaupt einen Securitas-Mitarbeiter installiert habe, sei «die schiere Menge an Leuten». Als Mitte September die erste Bussenwelle verschickt wurde, «standen die Autofahrer bis ins Treppenhaus Schlange», sagt Schürmann. Zuletzt habe man gar die Polizei einschalten müssen, als sich ein gebüsster Franzose nicht beruhigen wollte. 

Massnahme ist umstritten

Die automatische Durchfahrtskontrolle sorgt weit über Birsfelden hinaus für Kontroversen.  Täglich wurden teils über 1000 Autofahrende erwischt, was der Gemeinde bereits Hunderttausende Franken eingebracht hat. Mittlerweile werden laut Schürmann nur noch rund 100 Autolenker am Tag gebüsst.

Ob die automatische Durchfahrtskontrolle rechtlich überhaupt Bestand hat, muss sich indessen noch zeigen. Wie blue News berichtete, wehren sich mehrere Autolenker gegen die Bussen – und ziehen vor Gericht.

Auch das Das Bundesamt für Strassen (Astra) äussert Bedenken. Als kommunale Verkehrsanordnung falle die Massnahme grundsätzlich in die Zuständigkeit der Gemeinde- oder gegebenenfalls der Kantonsbehörden. Es sei aber nicht klar, ob die Massnahme verhältnismässig sei und im öffentlichen Interesse liege.


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