Auschwitz-Befreiung vor 75 Jahren

Gedenken an «teuflischen Zenit alles Bösen»

SDA/uri

27.1.2020 - 12:39

In Anwesenheit von Holocaust-Überlebenden und Polens Präsident Andrzej Duda haben die Gedenkfeierlichkeiten zur Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren begonnen.

Mehr als 200 Überlebende nahmen am Vormittag an einer ersten Zeremonie auf dem ehemaligen Lagergelände teil. Begleitet von Duda legten sie an der Schwarzen Wand im ehemaligen Stammlager Auschwitz, an der Tausende Gefangene von deutschen SS-Offizieren erschossen wurden, Blumenkränze nieder.

Viele der Überlebenden trugen als Zeichen der Erinnerung an die Häftlingskleidung in den deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagern blau-weiss gestreifte Hüte und Schals. «Wir wollen, dass die nächste Generation weiss, was wir durchgemacht haben, und dass es niemals wieder geschehen darf», sagte der Auschwitz-Überlebende David Marks während eines Rundgangs durch das ehemalige Lager. Der 93-Jährige hatte im Holocaust 35 Mitglieder seiner rumänisch-jüdischen Familie verloren.

In Begleitung von drei Holocaust-Überlebenden reiste der Deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Polen, wo er an der Gedenkzeremonie teilnehmen will. Steinmeier hatte die drei Männer, die als Jugendliche das Lager überlebt hatten, am Morgen im Berliner Schloss Bellevue empfangen und nahm sie als Ehrengäste in seinem Flugzeug mit zu der Zeremonie.

Überlebende stehen im Mittelpunkt

Anders als beim Welt-Holocaust-Forum in Jerusalem vergangene Woche sollen bei der Gedenkfeier in Auschwitz nicht die Staats- und Regierungschefs im Mittelpunkt stehen, sondern die Überlebenden.

«Es geht hier um Überlebende, nicht um Politik», sagte der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, der Nachrichtenagentur AFP. «Wir beobachten einen Anstieg des Antisemitismus und wollen nicht, dass die Vergangenheit der Überlebenden die Zukunft ihrer Kinder oder Enkel sein wird», fügte er hinzu.

Lauder erklärte, Auschwitz sei «das Symbol für den Holocaust». Eine Million Menschen seien hier ermordet worden, weil sie Juden gewesen seien. «Auschwitz war der teuflische Zenit alles Bösen, zu dem Antisemitismus führen kann. Dagegen müssen wir unsere Stimme erheben. Denn Rassismus und Judenhass sind nicht ausgerottet. Im Gegenteil: Sie wachsen weiter, weltweit», appellierte Lauder.

Putin-Kritik an Polen

Von Polens Präsident Andrzej Duda war am Montag lediglich ein Grusswort geplant. Die mehrtägigen Gedenkfeiern zur Auschwitz-Befreiung in Israel und Polen waren von Dudas Boykott des Jerusalemer Holocaust-Forums überschattet worden. Duda hatte seine Absage damit begründet, weil er anders als Russlands Präsident Putin nicht als Redner vorgesehen war.

Der Kreml-Chef hatte Polen unlängst vorgeworfen, vor dem Zweiten Weltkrieg mit Hitler kooperiert zu haben und eine Mitschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu tragen.

Auschwitz-Birkenau wurde im Zweiten Weltkrieg zum Ort des grössten Massenmordes an europäischen Juden. Mehr als eine Million Männer, Frauen und Kinder wurden dort in Gaskammern getötet, erschossen oder durch Zwangsarbeit und Hunger in den Tod getrieben. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager. Seit 1947 befindet sich auf dem ehemaligen Gelände des Lagers ein Museum.

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