Hochhaus gegen Wohnungsnot?Geplanter Wolkenkratzer «Lina Peak» spaltet Zermatt
Oliver Kohlmaier
27.11.2025
So würde das Hochhaus «Lina Peak» in Zermatt VS laut einer Illustration aussehen.
Bild:Heinz Julen
Die Pläne eines Hoteliers sorgen für gemischte Gefühle in Zermatt VS. Dort soll ein 260 Meter hoher Wolkenkratzer mit 62 Stockwerken entstehen. Bleibt die Frage: Wie passt das zur Walliser Bergidylle?
Redaktion blue News
27.11.2025, 18:49
Oliver Kohlmaier
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Der Architekt und Hotelier Heinz Julen will in Zermatt VS einen Wolkenkratzer errichten.
Das Hochhaus soll «Lina Peak» heissen, 260 Meter hoch werden und 62 Stockwerke umfassen.
Julen versteht das Hochhaus als wichtigen Schritt im Kampf gegen die Wohnungsnot im Walliser Ferienort.
Tourismusbetriebe haben in Zermatt Schwierigkeiten, bezahlbare Unterkünfte für ihre Saisonarbeitskräfte zu finden.
Schritt in die Zukunft oder Störfaktor inmitten der Bergidylle? Seit der Hotelier Heinz Julen seine Pläne für einen Wolkenkratzer in Zermatt vorgestellt hat, ist das Projekt Gesprächsthema Nummer Eins im Touristenort.
Die Meinungen in der Bevölkerung im Walliser Ferienort sind geteilt.
Insgesamt soll das Hochhaus über 1200 Wohnung, gegen 1000 Parkplätze, einen Konzertsaal mit 2500 Plätzen, eine Kindertagesstätte sowie diverse Restaurants beherbergen. Hinzu kommen soll ein öffentliches Schwimmbad, ein Sportzentrum, Läden und eine Dachterrasse.
Julen ist bereits im Besitz des potenziellen Baugrundstücks. Es befindet sich auf 800 Meter Höhe im unteren Teil des Orts. Basis des Wolkenkratzers mit dem klingenden Namen «Lina Peak» soll ein 40 Meter 40 Meter hoher Sockel werden.
«Lina Peak» soll also günstigen Wohnraum schaffen
Für Heinz Julen könnte der Wolkenkratzer ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Zermatter Wohnungsnot sein, wie er zu Radio SRF sagte.
Aufgrund der hohen Grundstückspreise fänden Arbeitgeber im Tourismus in Zermatt kaum mehr erschwingliche Unterkünfte für ihre saisonalen Arbeitskräfte. «Lina Peak» soll also günstigen Wohnraum schaffen.
Im oberen Teil des Hochhauses jedoch sollen Luxuswohnungen entstehen – laut Julen vor allem interessant für Kundinnen und Kunden aus dem Ausland.
Weil Gesetze in Zermatt den Kauf von Immobilien durch Nichtansässige verbieten, müssten diese allerdings ihre Papiere in Zermatt hinterlegen.
Einheimische sind unterschiedlicher Meinung
Jene rund 5800 Menschen, die das ganze Jahr über in Zermatt leben, reagieren indessen mit gemischten Gefühlen auf das Mega-Projekt. Wie Swissinfo schreibt, schwanken die Menschen zwischen Empörung und Begeisterung.
Bei der Vorstellung des Projekts Mitte November jedenfalls war der Saal in Zermatt gut gefüllt, das Publikum «eher aufgeschlossen».
«Lina Peak» soll im Walliser Ferienort Zermatt gegen die akute Wohnungsnot helfen.
Bild:Heinz Julen
Die Furcht besteht vor allem darin, dass das Gebäude die Bergidylle verschandeln könnte. Die bisherigen Erfahrungen mit Hochhausbauten in den Alpen sind jedenfalls nicht die Besten. Dies zeigen unter anderem die Aminona-Türme in Crans-Montana VS.
Immobilienpreise steigen stark
Der Weg zu dem Hochhaus ist allerdings noch lang. «Zuerst müssen 600 Unterschriften gesammelt werden, um die Umzonung der Landwirtschaftszone in eine Bauzone zu fordern», erklärt Heinz Julen. Erst danach würde es zu einer Volksabstimmung kommen.
Die Stockwerke 2 bis 32 von Lina Peak wären der ortsansässigen Bevölkerung sowie Saisonkräften vorbehalten, die in der touristischen Infrastruktur des Ferienorts beschäftigt sind.
Doch die Pläne gehen noch weiter: Weil die Tausenden von neuen Bewohner*innen die Zufahrtstrasse möglicherweise noch mehr verstopfen würden, planen die Bauherren ein Besucherzentrum, um den Zustrom zu regulieren. Ausserdem soll eine neue Gondelbahn gebaut werden, damit die Skipisten erreicht werden können, ohne durch Zermatt fahren zu müssen.
Indessen leidet Zermatt ohnehin schon unter Massentourismus. Die Anzahl der Feriengäste steigt seit Jahren an, besonders seit Ende der Covid-Pandemie.
Normalverdiener können sich schon lange kein Eigentum leisten, der Leerstand ist praktisch null. Längst sind Immobilien aufgrund der unaufhörlich steigenden Preise auch zu Spekulationsobjekten geworden.
Ob «Lina Peak» Abhilfe schaffen oder das Problem noch verschärfen könnte, bleibt demnach abzuwarten.
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