Deutschland

Ermittlungen nach Schüssen auf Polizisten – viele Fragen sind noch offen

dpa

1.2.2022 - 05:41

Polizei fasst Tatverdächtige

Polizei fasst Tatverdächtige

Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten in der Pfalz hat die Polizei im saarländischen Sulzbach einen Tatverdächtigen festgenommen. Dort wurden am späten Nachmittag ein Fahrzeug aufgespürt und zwei Wohnungen durchsucht.

31.01.2022

Einen Tag nach dem Tod zweier Polizisten sitzt der Schock in Deutschland tief. Zwar wurden zwei Männer festgenommen – doch gibt es Mittäter? Und was waren die genauen Hintergründe der Tat, bei der zwei Menschen ums Leben kamen?

dpa

1.2.2022 - 05:41

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren: Im Fall der tödlichen Schüsse auf zwei Polizisten in Deutschland sind trotz zweier Festnahmen noch viele Fragen offen. Die Fahndungsmassnahmen werden fortgesetzt, weil nach Polizeiangaben nicht ausgeschlossen werden kann, dass es weitere Mittäter gibt.

Am Dienstag wollen sich die Ermittler in Kaiserslautern zum aktuellen Stand äussern. Parallel entspinnt sich eine Debatte über Sicherheit und Risiken des Polizeiberufs.

Am frühen Montagmorgen waren eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin und ein 29 Jahre alter Oberkommissar bei einer Verkehrskontrolle an einer Kreisstrasse in der Pfalz in der Nähe der Kreisstadt Kusel erschossen worden. Die Beamten hatten nach Angaben aus Sicherheitskreisen zuvor per Funk gemeldet, in einem Fahrzeug sei totes Wild gefunden worden. Später meldeten sie «Die schiessen».

Zwei Festnahmen am Abend

Der Polizist soll am Tatort noch mehrere Schüsse abgegeben haben – ob es Warnschüsse waren oder der Beamte einen Tatverdächtigen verletzte, war noch unklar. Die Waffe seiner Kollegin kam offensichtlich nicht zum Einsatz. Während die junge Frau, die noch an der Hochschule der Polizei studierte, nach Polizeiangaben sofort tot war, habe ihr Kollege zunächst noch gelebt. Er sei aber gestorben, als die Rettungskräfte eintrafen.

Am Montagabend folgten die Festnahmen zweier Deutscher. Zunächst stellte sich ein 38-Jähriger – ein Wildhändler aus dem saarländischen Kreis Neunkirchen – der Polizei, nachdem sie öffentlich nach ihm gefahndet hatte. Der Verdächtige habe sich über seine Anwältin bei der Polizei gemeldet und sei vor einem Haus im saarländischen Sulzbach festgenommen worden, berichtete ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Die Polizei hatte nach dpa-Informationen am Tatort Papiere des Verdächtigen gefunden. Der Mann war der Polizei nach Angaben aus Sicherheitskreisen in der Vergangenheit wegen Unfallflucht aufgefallen und soll eine Waffenerlaubnis haben. Am Dienstag soll der Mann dem Haftrichter vorgeführt werden, Aussagen machte er laut Polizei zunächst nicht. In dem Haus in Sulzbach wurde kurze Zeit später auch ein 32 Jahre alter Verdächtiger festgenommen. In welchem Zusammenhang er zu den Schüssen stehe, müssten die Ermittlungen ergeben. Auch er habe sich zunächst nicht zur Sache geäussert. Bei einer Durchsuchung seien unter anderem Waffen sichergestellt worden.

Die Landesfahne vor dem Polizeipräsidium Westpfalz und der Polizeiinspektion Kusel weht auf Halbmast.
Bild: dpa

Münch: «Es ist unbegreiflich»

Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, seine Behörde werde bei der Aufklärung der Tat «seine volle Unterstützung» leisten. «Es ist unbegreiflich, wenn Polizistinnen oder Polizisten bei der Erfüllung ihrer Aufgabe, die Bevölkerung vor Gefahren zu schützen, zum Angriffsziel werden und ihr Leben verlieren.»

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprach den Angehörigen der erschossenen Polizisten sein Beileid aus. Was in Kusel passiert sei, bedrücke ihn sehr, schrieb Scholz auf Twitter. Er denke an die vielen Polizistinnen und Polizisten, die jeden Tag ihr Leben riskieren, um Bürger zu schützen, betonte der Kanzler.

Auch Innenpolitiker mehrerer Parteien auf Bundesebene rückten die Risiken des Polizeiberufs in den Fokus. So sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Hartmann, der «Bild»-Zeitung: «Brutal zeigt sich die Gefährlichkeit des Polizeiberufs. Die Tat ist restlos aufzuklären, auch mit Blick auf den besten Schutz von Polizeibeamten.»

Ein Polizeisprecher aus Trier berichtete am Montagabend, bei Protestveranstaltungen gegen die Corona-Massnahmen hätten einige Teilnehmer den Polizisten kondoliert. Kerzen seien zum Gedenken an die beiden toten Beamten entzündet worden. Auch ein Sprecher des Polizeipräsidiums Kaiserslautern sagte, es habe bei einigen der Veranstaltungen Solidaritätsbekundungen für die Polizei gegeben.

dpa