Goodbye, Captain Tom Britischer Rekord-Spendensammler stirbt nach Covid-Erkrankung

SDA/tpfi

3.2.2021 - 00:00

Der 100 Jahre alte britische Rekordspendensammler Tom Moore (Captain Tom) ist gestorben. (Archivbild)
Der 100 Jahre alte britische Rekordspendensammler Tom Moore (Captain Tom) ist gestorben. (Archivbild)
Bild: Keystone

Er war ein Symbol der Hoffnung für Grossbritannien in düsteren Corona-Zeiten, ein «Held im wahrsten Sinne des Wortes». Mit 100 Runden an seinem Rollator in seinem Hinterhof hatte der 100 Jahre alte Weltkriegsveteran Tom Moore gewaltige Mengen an Spendengelder für den Gesundheitsdienst NHS gesammelt.

Eigentlich hatte sich «Captain Tom», wie ihn das Land bald nannte, nur 1000 Pfund als Ziel gesetzt – es wurden knapp 32,8 Millionen (etwa 37 Mio Euro). Dafür schlug Königin Elizabeth II. persönlich den 100-Jährigen zum Ritter - einer ihrer seltenen Vor-Ort-Termine in der Pandemie. Nun ist Tom Moore gestorben, wie seine Töchter Hannah und Lucy am Dienstag mitteilten.

Weltrekord mit Spendenlauf

Zuvor hatte sich Moore mit dem Coronavirus infiziert und wurde in einem Krankenhaus in Bedford rund 90 Kilometer nördlich von London behandelt. Kinder und Enkel hätten die letzten Stunden an seiner Seite verbracht, persönlich oder über einen Videochat, berichteten die Töchter. «Wir haben stundenlang mit ihm geplaudert und uns an unsere Kindheit und unsere wundervolle Mutter erinnert. Wir teilten Lachen und Tränen miteinander.»

Schlagartig war Captain Tom weltweit berühmt geworden, als er im Sommer an einem Spendenlauf teilnahm. Unter grosser Begeisterung marschierte der Senior die Strecke ab – und stellte einen Guinness-Weltrekord auf für die höchste Summe, die bei einem Spendenlauf je zusammenkam. Seine Töchter fassen es so zusammen: «Das letzte Lebensjahr unseres Vaters war geradezu bemerkenswert. Er war verjüngt und erlebte Dinge, von denen er nur geträumt hatte.»

In der Tat war die Begeisterung für Sir Tom, wie er sich seit dem Ritterschlag nennen durfte, enorm. Ehrenhalber zum Colonel befördert, stürmte er sogar mit seiner eigenen Version der Fussball-Hymne «You'll Never Walk Alone» an die Spitze der Charts in Grossbritannien. Den Song nahm er gemeinsam mit dem britischen Sänger und Schauspieler Michael Ball und einem NHS-Chor auf. Zu seinem 100. Geburtstag im April 2020 erhielt er etwa 125’000 Glückwunschkarten aus aller Welt. Über sein Haus in dem beschaulichen Örtchen Marston Moretaine in der Grafschaft Bedfordshire donnerten damals zu seinen Ehren Kampfflugzeuge aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Ehrung durch die Queen

Der Höhepunkt war der Ritterschlag der Queen. Die Königin möge sich hoffentlich mit dem Schwert nicht ungeschickt anstellen, witzelte er bei der Zeremonie in Schloss Windsor.

Umso grösser war das Entsetzen, als Moores Krankenhausaufenthalt am Sonntagabend bekannt geworden war. «Er steht auf bemerkenswerte Weise für uns alle. Er ist so ein Geschenk, und deshalb beten wir weiter für ihn», sagte der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, noch am Dienstagmorgen dem Sender ITV. Wegen Medikamenten, die er zur Behandlung einer Lungenentzündung erhalten hatte, war Moore nicht gegen Covid-19 geimpft worden.

Die Nachricht sorgte landesweit, über politische Grenzen hinweg und sogar im Königshaus für Bestürzung. Die Queen brauchte nur wenige Minuten, bis sie ihre Trauer ausdrückte. Sie habe eine private Nachricht an Moores Familie geschrieben und es sehr genossen, Moore im vergangenen Jahr in Windsor kennenzulernen, hiess es auf Twitter vom Königshaus. «Captain Sir Tom Moore war im wahrsten Sinne des Wortes ein Held», twittere Premierminister Boris Johnson. Schon im Zweiten Weltkrieg habe Moore für die Freiheit gekämpft und in der dunkelsten Krise der Nachkriegszeit alle vereint und aufgemuntert. Am Regierungssitz in der Downing Street wehte der Union Jack in Gedenken an Moore auf Halbmast.

Aussenminister Dominic Raab schrieb, der 100-Jährige habe «die Moral der ganzen Nation» gestärkt. Auch Oppositionsführer Keir Starmer sowie Schottlands und Nordirlands Regierungschefinnen Nicola Sturgeon und Arlene Foster gedachten Moore und seinen Verdiensten.

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