Tierquälerei-Prozess: Halterin lässt Bulldogge bei Geburt sterben

Von Silvana Guanziroli

3.12.2019 - 00:00

Bei Lisi handelte es sich um eine Französische Bulldogge. Das Bild zeigt ein Tier der gleichen Rasse an einer Hundeshow in New York.
Bild: Getty Images

Die Französische Bulldogge Lisi ist mit zwei Welpen schwanger. Bei der Geburt kommt es zu Komplikationen. Trotzdem unternimmt die Halterin nichts und lässt das Tier leiden. Dafür steht sie heute vor Gericht. 

Es war ein langer Todeskampf für die erst eineinhalb Jahre alte Hündin. Rund 30 Stunden liegt sie im Januar 2018 in den Wehen, und schafft es trotzdem nicht, ihre Welpen auf die Welt zu bringen. Nach qualvollen Schmerzen stirbt das Tier schliesslich an einer obstruktiven Dystokie, einer sogenannten verschleppten schweren Geburt. 

So steht es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland. Die Anklagebehörde hat die 33-jährige Halterin wegen des Verdachts der Tierquälerei angeklagt. Die Serbin, die zum Tatzeitpunkt im Zürcher Unterland lebte, habe die Hündin vorsätzlich vernachlässigt sowie jegliche Hilfeleistung unterlassen, wie die Behörde weiter schreibt.

Tierärztin weist auf Komplikationen hin

Dabei wusste die Frau genau, dass es zu Problemen kommen könnte. Im Dezember 2017 stellt die Tierärztin nach einer Ultraschalluntersuchung fest, dass Lisi trächtig ist. Mit mindestens zwei Welpen, wie sie der Halterin mitteilt.

Die Tierärztin errechnet den Geburtstermin auf den 8. Januar und informiert die Frau über das weitere Vorgehen. In diesem Gespräch weist sie darauf hin, dass es bei Französischen Bulldoggen rassebedingt zu Geburtsstörungen kommen kann und sie deshalb sehr aufmerksam die weitere Entwicklung beobachten solle.

Zunächst verläuft die Schwangerschaft nach Plan. Am 6. Januar allerdings spitz sich die Lage plötzlich zu. Mitten in der Nacht verliert Lisi Fruchtwasser und bekommt leichte Presswehen. Die Hündin hat sichtlich schmerzen und erbricht sich.

Doch erst zehn Stunden später meldet sich die Halterin in der Tierarztpraxis. Diese weist die Frau sofort und erneut auf die kritische und lebensbedrohliche Situation für das Tier hin. Sie rät der Halterin, das Tier sofort ins Tierspital Zürich zu bringen, wo die Welpen per Kaiserschnitt geholt werden müssten.

Bei einem tierischen Notfall ist das Tierspital Zürich die richtige Anlaufstelle.
Bild: Tierspital Zürich

Lisi war unterernährt

Ist es die Angst vor hohen Kosten oder schlicht fehlende Empathie? Wie die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift schreibt, lässt die Halterin ihr Tier weiter leiden, ohne etwas zu unternehmen. Sie wartet einfach ab, lässt gemäss Staatsanwaltschaft die Hündin «während Stunden unter den qualvollen Schmerzen im Geburtsvorgang verharren».

Gegen 8 Uhr am Morgen des 7. Januar schliesslich ist Lisi am Ende ihrer Kräfte und stirbt. Eine spätere Untersuchung des Hundekörpers zeigt zudem: Das Tier war zum Todeszeitpunkt unterernährt. Statt eines Body Condition Score von neun Punkten, was einem ideal genährten Tier entspricht, hatte Lisi lediglich einen Wert von drei Punkten.

Für die Staatsanwaltschaft ist der Vorwurf der Tierquälerei erwiesen. Die Behörde verlangt eine Bestrafung der Hundehalterin mit einer bedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten sowie einer Busse von 2'000 Franken.


«Bluewin»-Redaktorin Silvana Guanziroli ist als Gerichtsberichterstatterin an den Zürcher Gerichten akkreditiert. In ihrer Serie «Guanziroli am Gericht» schreibt sie über die spannendsten Strafprozesse, ordnet ausgefallene Kriminalfälle ein und spricht mit Experten über die Rolle der Justiz. Guanziroli ist seit über 20 Jahren als Nachrichtenjournalistin tätig und hat die Polizeischule der Kantonspolizei Zürich absolviert. silvana.guanziroli@swisscom.com.
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