Handicap der Cannabis-Kleinbauern im Kampf gegen die Konzerne 

AP

12.1.2020 - 00:00

Seit der Legalisierung von Marihuana gibt es in Südafrika einen lukrativen Cannabis-Markt. Doch ausgerechnet die schwarzen Bauern, die zum Teil die Pflanzen schon seit Jahrzehnten anbauen, profitieren davon nicht.

Auf dem Labortisch stapeln sich hellgrüne Cannabispflanzen, frisch geerntet aus den umliegenden Treibhäusern. Arbeiter mit Hygienehandschuhen und -hauben trennen gekonnt Blätter und Knospen ab und verstauen sie zur Weiterverarbeitung in Behältern.

Die zertifizierte Farm Druid's Garden in Hennops, gut 30 Kilometer nördlich von Johannesburg, produziert legal Cannabis und andere traditionelle Medizinprodukte für den Verkauf in Südafrika und auf internationalen Märkten. Zudem wird hier Forschung betrieben.

Ein Ziel des Gründers Cian McClelland ist es, Kleinbauern den Zugang zum potenziell lukrativen Marihuana-Markt des Landes zu ermöglichen, wie er erklärt: «Für uns ist es einer der wichtigsten Aspekte dieser Industrie, Kleinbauern Auftrieb zu geben, vor allem schwarzen Landwirten.» Diese bauen schon lange Marihuana an, allerdings bislang illegal.

Geht Boom an schwarzen Bauern vorbei?

McClelland will nun erreichen, dass die Kleinbauern von der Lockerung der südafrikanischen Cannabisgesetze profitieren. Das Verfassungsgericht hatte 2018 entschieden, den persönlichen Konsum und Anbau von Cannabis zu entkriminalisieren. Nach Schätzung von Experten könnte die südafrikanische Cannabisindustrie bis zum Jahr 2023 ein Volumen von mehr als 22,4 Milliarden Franken erreichen.

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Vor Ort wird allerdings befürchtet, dass der mögliche Boom an schwarzen Bauern vorbeigehen könnte, die seit Jahrzehnten in der bislang illegalen Branche arbeiten. Viele kleine Züchter können sich den Erwerb der Lizenzen nicht leisten, die für den Anbau von Marihuana zu medizinischen und Forschungszwecken notwendig sind.

Die strengen Vorgaben verlangen unter anderem die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses, die Anmeldung einer bestimmten Anbaufläche und die Errichtung von Hochsicherheitszäunen. Auch die Anschaffung von Bewässerungsanlagen und die Schliessung von Verträgen mit Käufern im Ausland sind vorgeschrieben.

Zaunpflicht «ziemlich praxisfern»

Die Kosten für den Aufbau einer legalen Marihuana-Farm werden dem Landwirtschaftsfachmagazin «Landbouweekblad» zufolge auf 200'000 bis 350'000 Franken geschätzt. Die neue Marihuana-Industrie könnte nach Ansicht von Agrarexperten rasch von grossen Pharmakonzernen kontrolliert werden, die langjährige Erzeuger verdrängen.

Erfolgreiche schwarze Bauern wie Itumeleng Tau engagieren sich vor diesem Hintergrund für die Ausbildung von Nachwuchsfarmern. Sie bringen den jungen Kollegen bei, Cannabis gemäss der erforderlichen Standards für eine Lizenz anzupflanzen und zu verarbeiten. «Wenn von gewöhnlichen Bauern auf dem Land verlangt wird, einen oder zwei Hektar Land komplett einzuzäunen, obwohl dort vorher ohne Zaun nie etwas gestohlen wurde, ist das ziemlich praxisfern», erklärt er.

Die Cannabis-Aktivistin Moleboheng Semela gehört zu den denjenigen, die sich für eine Lizenzierung der erfahrenen Bauern einsetzt. Ihre Organisation Cannabis Development Council unterstützt die Züchter dabei, Zulassungen für den Anbau von Cannabis und medizinischen Produkten zu erhalten. Die Regierung konzentriere sich stärker auf die Produzenten von Arzneimitteln statt auf die Bauern, die schon vor der Gerichtsentscheidung Cannabis angepflanzt hätten, kritisiert Semela.

«Wichtig bei der Stärkung der ärmsten Regionen»

Schon jetzt wächst die südafrikanische Cannabisindustrie rasant. Im ganzen Land werden Veranstaltungen zum Thema Marihuana abgehalten. Eine Cannabis-Messe im noblen Johannesburger Kongresszentrum Sandton zog kürzlich mehrere Hundert Marihuana-Aktivisten, Bauern, Züchter und Aussteller aus der ganzen Welt an. Nach Angaben von Messeleiter Silas Howard stieg die Zahl der Ausstellungsstände von 58 im vergangenen Jahr auf mehr als 200 in diesem Jahr.

Der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa lobte die Cannabisindustrie des Landes vor kurzem als bedeutsamen Sektor im Kampf gegen Arbeitslosigkeit. «Wir stellen fest, dass der Anbau von Cannabis eine wichtige Rolle spielen kann bei der Stärkung der ärmsten Regionen des Landes», sagte er im September 2019 vor einer Gemeindeversammlung in der ländlichen Ortschaft Lusikisiki in der Provinz Ostkap.

Erzeuger ohne Lizenz im Visier

Die Provinz gehört zu den Regionen des Landes, in denen viele einfache Bauern über Generationen hinweg illegal Cannabis angepflanzt hatten. Die Provinzregierung von Ostkap schickte im vergangenen Jahr eine Delegation nach Kanada, um sich über Cannabis-Zucht und Produktentwicklung zu informieren.

Gegen Erzeuger ohne Lizenz gehen die südafrikanischen Strafverfolger allerdings rigoros vor. Im November nahm die Polizei in Brits nahe der Hauptstadt Pretoria drei Züchter fest und beschlagnahmte Cannabis im Wert von mehr als 200'000 Franken.

McClelland von Druid's Garden hält die Marktbarrieren für neue Anbieter für zu hoch. «Eine vollständige pharmazeutische Lizenz zu bekommen, ist sehr teuer und für den Grossteil der ländlichen Bevölkerung unerreichbar», erklärt er. «Deshalb werben wir dafür, unser Zentrum als Ausbildungseinrichtung zu nutzen, um Menschen aus ländlichen Gemeinden technisch einfache Modelle beizubringen, die sie sich leisten können und die sie in ihren Gemeinden relativ einfach umsetzen können.» 

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