Inferno in HongkongMindestens 128 Tote – Löscharbeiten laufen weiter
dpa
28.11.2025 - 05:30
Brandkatastrophe wird zum Lackmustest für Hongkongs Führung
STORY: Dutzende Tote und weiterhin viele Vermisste: Der Hochhausbrand in Hongkong ist eine Katastrophe und zugleich weit mehr als nur ein tragisches Unglück: Es ist der erste grosse Lackmus-Test für die von Peking eingesetzte Regierung, seit diese die Stadt nach den Massenprotesten von 2019 mit eiserner Hand umgestaltet hat. Die Flammen, die aus dem Wohnkomplex schlagen, legen schonungslos die tiefen sozialen und politischen Spannungen offen, die unter der Oberfläche der scheinbar befriedeten Metropole schwelen. Die Reaktion der Behörden auf das Feuer in einem Komplex aus acht Hochhäusern mit 4600 Bewohnern war bemerkenswert schnell. Noch während die Rettungsarbeiten liefen, meldete sich Hongkongs Regierungschef John Lee. Und nur wenige Stunden später, noch bevor der Brand vollständig gelöscht war, präsentierte die Polizei bereits die Schuldigen: Drei Verantwortliche einer Baufirma wurden unter dem Vorwurf der groben Fahrlässigkeit festgenommen. Diese Geschwindigkeit dient vor allem einem Ziel: die Kontrolle über die Erzählung zu behalten und die aufkeimende Wut der Bevölkerung auf einen privaten Sündenbock zu lenken, bevor sie sich gegen die Regierung selbst richten kann. Denn der Zorn hat einen Nährboden. Seit Jahrzehnten sind die explodierenden Immobilienpreise und die katastrophalen Wohnbedingungen der soziale Brandherd der Stadt. Die Bilder von defekten Feuermeldern, leicht entzündlichen Bambusgerüsten und Berichte über Kosteneinsparungen bei der Sicherheit treffen einen wunden Punkt. In Notunterkünften und Online-Foren macht sich der Verdacht breit, dass Profitgier und staatliche Nachlässigkeit die Katastrophe erst ermöglicht haben. Für viele Bürger ist dies der Beweis, dass die Regierung zwar Kritiker mundtot machen, aber ihre grundlegendsten Schutzpflichten nicht erfüllen kann.
27.11.2025
Dichte Rauchschwaden, brennende Gerüste und eine Todesfalle: In einer Hochhaus-Wohnanlage in Hongkong wütet ein Grossbrand. Die Zahl der Todesopfer steigt weiter.
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DPA, Redaktion blue News
28.11.2025, 05:30
28.11.2025, 08:47
dpa
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Bei einem Grossbrand in einer Hochhaussiedlung in Hongkong sind dutzende Menschen ums Leben gekommen, die Opferzahlen müssen wiederholt nach oben korrigiert werden.
Auch Stunden nach Ausbruch des Feuers waren noch hunderte Menschen in den brennenden Gebäuden eingeschlossen
Dieser Artikel wurde zuletzt am Freitag, 28. November 2025, um 8.20 Uhr aktualisiert.
Die Zahl der Todesopfer bei einem Brand in einer Wohnanlage in Hongkong steigt unaufhörlich weiter. Wie die Behörden in der chinesischen Stadt und Sonderverwaltungszone am Freitag mitteilten, wurden nach der Bergung weiterer Leichen aus dem Hochhauskomplex Wang Fuk Court im nördlichen Bezirk Tai Po insgesamt 128 Todesopfer gezählt. Sicherheitsminister Chris Tang sagte am Unglücksort zu Journalisten, die Suche nach Opfern dauere an, die Zahlen könnten weiter steigen.
Das Feuer brach am Mittwochnachmittag (Ortszeit) im Hochhauskomplex Wang Fuk Court aus, der aus acht Blöcken mit je mehr als 30 Stockwerken und über 1900 Wohnungen besteht. Die Flammen griffen rasch auf weitere Türme der Hochhaussiedlung über, die wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten vollständig in Bambusgerüste und Schutznetze gehüllt waren. Am frühen Mittwochabend rief die Feuerwehr schliesslich die höchste Alarmstufe fünf aus.
Die Brand-Katastrophe ist die verheerendste seit Jahrzehnten in der chinesischen Sonderverwaltungsregion.
Baugerüst aus Bambus
An den Wohnblöcken stand wegen einer laufender Renovierung der Anlage aus den 1980er Jahren ein Baugerüst aus Bambus. Zudem sollen nach Angaben der Behörden bei den Arbeiten Materialien verwendet worden sein, die möglicherweise nicht den Brandschutzvorschriften entsprachen.
Drei Männer einer Baufirma – zwei Direktoren und ein technischer Berater – wurden mit Verdacht auf fahrlässige Tötung festgenommen. Hongkongs Regierung kündigte an, nach Kritik am Brandschutz von Bambusgerüsten so bald wie möglich auf Stahlgerüste umstellen zu wollen. Die genaue Brandursache steht noch nicht fest.
Mindestens 44 Tote: Hongkong trauert um Grossbrand-Opfer - Gallery
Auch fast 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers kämpften die Einsatzkräfte noch gegen Flammen.
Bild: Keystone
Hunderte Menschen musste in Notunterkünften Unterschlupf suchen.
Bild: Keystone
Die dramatischen Aufnahmen des Großbrandes gingen um die Welt.
Bild: Keystone
Die Flammen hatten sich über das Bambusgerüst rasant ausgebreitet.
Bild: Keystone
Mindestens 44 Tote: Hongkong trauert um Grossbrand-Opfer - Gallery
Auch fast 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers kämpften die Einsatzkräfte noch gegen Flammen.
Bild: Keystone
Hunderte Menschen musste in Notunterkünften Unterschlupf suchen.
Bild: Keystone
Die dramatischen Aufnahmen des Großbrandes gingen um die Welt.
Bild: Keystone
Die Flammen hatten sich über das Bambusgerüst rasant ausgebreitet.
Bild: Keystone
Zweithöchste Alarmstufe
Fotos und Videos vom Einsatzort zeigten grosse Rauchschwaden, die aus den eingerüsteten Wohnhochhäusern aufstiegen. An den Gebäuden wurden Renovierungsarbeiten durchgeführt. Auch war zu sehen, wie die Fassadengerüste über mehrere Stockwerke hinweg in Flammen standen und brennende Teile zu Boden stürzten. Zudem waren im Inneren einzelner Wohnungen Feuerherde zu erkennen.
Schwierige Rettungs- und Löscharbeiten
Eine Tragödie ist der Grossbrand vor allem für die Angehörigen. In Videos sind völlig verzweifelte Menschen zu sehen, die mit selbst gebastelten Namensschildern durch die Strassen laufen, in der Hoffnung, dass jemand die Namen kennt und Entwarnung geben kann, weil er ihre Angehörigen gesehen hat. Ein Mann berichtet, er stehe noch über das Handy mit seiner eingeschlossenen Frau in Kontakt. Sie habe versucht, über das Treppenhaus zu fliehen, sei jedoch in einem völlig verqualmten, stockdunklen Gang zum Rückzug gezwungen gewesen.
Die Bedingungen im Inneren der Türme seien äusserst schwierig, teilte die Feuerwehr mit. Die Einsatzkräfte mussten sich Stockwerk für Stockwerk nach oben arbeiten, während weiterhin Hilferufe aus Wohnungen eingingen, die sie noch nicht erreicht hatten. Ein Feuerwehrmann kam im Einsatz ums Leben.
Löscharbeiten in dem Hochhauskomplex in Hongkong.
Bild:Keystone/AP/Chan Long Hei
Mitarbeiter von Baufirma festgenommen
Demnach könnten die bei den Renovierungsarbeiten verwendeten Abdeck- und Dämmmaterialien möglicherweise nicht den geltenden Brandschutzstandards entsprochen haben. Die Feuerwehr hatte zudem Styropor im Inneren der Gebäude entdeckt, das die Ausbreitung der Flammen innerhalb der Blöcke beschleunigt und weitere Wohnungen über die Flure hinweg entzündet haben könnte.