Italiener in New York entführt, gefoltert In der Schweiz lebender US-Unternehmer in Bitcoin-Erpressungsfall festgenommen

Helene Laube

28.5.2025

William Duplessie (r.) stellte sich am Dienstag der New Yorker Polizei: Er und ein Geschäftspartner sollen einen italienischen Touristen entführt und gefoltert haben um an dessen Bitcoin-Vermögen zu kommen. 
William Duplessie (r.) stellte sich am Dienstag der New Yorker Polizei: Er und ein Geschäftspartner sollen einen italienischen Touristen entführt und gefoltert haben um an dessen Bitcoin-Vermögen zu kommen. 
Bild: Keystone/AP Photo/Yuki Iwamura

Ein italienischer Millionär wird entführt und brutal gefoltert – angeblich von seinen Geschäftspartnern. Jetzt hat sich ein zweiter Verdächtiger der Polizei gestellt – der Mann lebt offenbar in der Schweiz.

Helene Laube

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Eine dritte Person, die beschuldigt wird, einen italienischen Touristen entführt und ihn fast drei Wochen lang gefoltert zu haben, hat sich am Dienstag der Polizei in New York gestellt.
  • Am Freitag waren bereits zwei Verdächtige festgenommen worden.
  • Die mutmasslichen Täter wollten das Opfer mit Gewalt dazu bringen, den Zugang zu seiner Krypto-Wallet zu verraten, um so sein Bitcoin-Vermögen zu stehlen.
  • Die Polizei identifizierte den am Dienstag festgenommenen Mann als William Duplessie (33), einen US-Kryptounternehmer mit Wohnsitz in der Schweiz.
  • Dem 28-jährigen Opfer aus Italien war es kurz davor gelungen, aus dem 17-Zimmer-Haus im gehobenen New Yorker Stadtteil Nolita zu fliehen und einen Verkehrspolizisten auf sich aufmerksam zu machen.

Eine dritte Person, die beschuldigt wird, einen italienischen Touristen entführt und ihn fast drei Wochen lang gefoltert zu haben, um sein Bitcoin-Vermögen zu stehlen, hat sich am Dienstag der Polizei in New York gestellt, wie die Polizei mitteilte.

Die Polizei identifizierte den Mann als William Duplessie (33), einen US-Kryptounternehmer mit Wohnsitz in der Schweiz. Wie teils gelöschten, aber im Internet Archive archivierten Webseiten zu entnehmen ist, ist Duplessie Mitbegründer und CEO der in Lugano ansässigen Krypto-Gesellschaft Pangea Digital Asset Group, die unter anderem einen Fonds namens Pangea Blockchain Fund auflegte. Duplessies Bruder Stephen und ihr Vater James Duplessie waren ebenfalls in das Unternehmen involviert. Gemäss der Website der Firma liquidiert sie seit vergangenem Jahr ihre Positionen.

Duplessie soll mehrere Tage lang mit der Polizei über seine Festnahme verhandelt haben, nachdem am Freitag zwei weitere Verdächtige festgenommen worden waren, berichtete die «New York Times» unter Berufung auf zwei mit dem Fall vertraute Strafverfolgungsbeamte.

Fotos von den Folterhandlungen

Der zweite Hauptverdächtige, der Krypto-Millionär John Woeltz (37), und eine mutmassliche Komplizin wurden am vergangenen Freitag festgenommen, nachdem es dem 28-jährigen Mann aus Italien gelungen war, aus dem 17-Zimmer-Haus im gehobenen New Yorker Stadtteil Nolita zu fliehen und einen Verkehrspolizisten auf sich aufmerksam zu machen. In dem Haus wurden unter anderem eine Pistole sowie Fotos von den Folterhandlungen gefunden. Der italienische Staatsbürger soll über ein geschätztes Vermögen von etwa 30 Millionen Dollar verfügen.

Laut Strafanzeige war der Italiener Anfang Mai nach New York gereist und freiwillig mit dem Investor in das luxuriöse Stadthaus (Monatsmiete: 30'000 bis 40'000 Dollar) gegangen. Dort sollen ihm Woeltz und Duplessie elektronische Geräte sowie den Pass abgenommen und die Herausgabe des Bitcoin-Passworts gefordert haben.

Als sich das Opfer weigerte, sei er gefesselt und über Wochen hinweg mit Schlägen, Elektroschocks und Morddrohungen gefoltert worden. Unter anderem wurde ihm mit einer Kettensäge in Arme und Beine geschnitten. Man zwang ihn Kokain zu rauchen. Ihm wurde «eine Schusswaffe an den Kopf gehalten und er wurde kopfüber an der Treppe im obersten Stockwerk aufgehängt», so berichtete die «New York Times» unter Bezugnahme auf die Anklage. Seine Peiniger drohten dem Italiener und seiner Familie mit dem Tod.

Assistentin festgenommen

Die Assistentin von Woeltz wurde ebenfalls festgenommen, allerdings will die Staatsanwaltschaft laut der «New York Post» erst weitere Ermittlungen abschliessen, bevor möglicherweise Anklage gegen die 24-Jährige erhoben wird.

Duplessie ist laut Medienberichten ein langjähriger Bitcoin-Befürworter. 2017 soll er in einem YouTube-Krypto-Video prophezeit haben, dass die erste und weltweit am Markt stärkste Kryptowährung einen Wert von 1 Million Dollar erreichen würde. Der aktuelle Kurs liegt bei rund 110'000 Dollar.

Vor Festnahme in den Hamptons Party gemacht

Am Montag hatte die «New York Post» berichtet, dass ein «Schweizer Krypto-Händler» – offenbar Duplessie – den Montag feiernd in den Hamptons verbracht habe, bevor er sich am Dienstag der Polizei stellen wollte. Montag war Memorial Day in den USA, der Tag, an dem gefallenen US-Soldaten gedacht wird. Die Hamptons nahe New York sind das exklusive Wochenendreiseziel und die Sommer-Residenz der Reichen und Schönen.

Das Opfer soll mit den beiden mutmasslichen Folterern Partner in einem Krypto-Projekt gewesen sein. Die Polizei versucht nun zu klären, welche Rollen die Verdächtigen bei der Tat übernahmen und in welcher Beziehung die mutmasslichen Täter und das Opfer zueinander standen.

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