Schweiz

Jede vierte Frau erlebt bei Geburt informellen Zwang 

SDA/jka

26.10.2020

Frauen mit Migrationshintergrund erleben bei ihrer Geburt besonders häufig informellen Zwang, so eine neue Studie.
Bild: Keystone

In der Schweiz erlebt jede vierte Frau bei der Geburt informellen Zwang. Das heisst: Sie wird beispielsweise einseitig informiert oder eingeschüchtert.

Eine Online-Befragung der Berner Fachhochschule (BFH) hat ergeben, dass jede vierte Frau bei der Geburt informellen Zwang erlebt. Wie die BFH am Montag weiter mitteilte, sind Frauen mit Migrationshintergrund häufiger betroffen. Auch erleben Frauen aus urbanen Regionen eher informellen Zwang bei einer Geburt als Frauen auf dem Land.

Informeller Zwang kann laut BFH auch bedeuten, dass eine Frau mit einer Behandlungsentscheidung nicht einverstanden ist. Befragt wurden rund 6'000 Frauen, welche in den Jahren 2018 und 2019 ein Kind zur Welt brachten.

Frauen hätten das Recht, Entscheidungen unter der Geburt selbstbestimmt zu treffen, heisst es in der BFH-Mitteilung weiter. Fachleute bedürften einer Sensibilisierung für die Wünsche und Vorstellungen von Gebärenden und für die Folgen von Behandlungen unter der Geburt.

Mehrheit empfand Geburtserlebnis als positiv

Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) definiert Zwang in der Medizin als jede Massnahme, die gegen den selbstbestimmten Willen oder den Widerstand von Patientinnen und Patienten durchgeführt wird. Im Gegensatz zu formellem Zwang gibt es bei informellem Zwang keine rechtliche Grundlage für die Einschränkung der Selbstbestimmung.

Die noch nicht von anderen Fachleuten begutachtete Studie zeigte auch, dass mehr als zwei Drittel der Frauen ihr Geburtserlebnis als insgesamt positiv empfanden. Beteiligt waren an der Studie nebst Forscherinnen und Forschern der BFH auch Wissenschaftler der Universität Zürich und des Berner Universitätsspitals Insel.

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