Tief in Bevölkerung verankert Unesco kürt Schweizer Tradition zum «immateriellen Weltkulturerbe»

SDA

11.12.2025 - 05:45

Schweizer Jodeln als Kulturerbe – Unesco entscheidet über Aufnahme

Schweizer Jodeln als Kulturerbe – Unesco entscheidet über Aufnahme

Genf, 08.12.2025: Jodeln als Weltkulturerbe: Die Schweizer Tradition soll nun von der Unesco geadelt werden, mit einer Anerkennung als Kulturerbe der Menschheit. Darüber berät ein Ausschuss der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur bei einer Sitzung in Neu-Delhi. Die Entscheidung fällt bis zum 13. Dezember. Der Eintrag in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes soll die Wertschätzung für das Jodeln stärken, heisst es vom Zentrum für Appenzeller und Toggenburger Volksmusik, des Roothuus Gonten. Dabei gibt es auch keine Nachwuchsprobleme. Allein im Eidgenössischen Jodlerverband sind rund 12.000 Aktive und es gibt viele freie Jodlergruppen. Jodeln soll auf Hirten zurückgehen, die sich einst zwischen weit entfernten Bergweiden so verständigt haben sollen.

11.12.2025

Jodeln gehört zu den akustischen Vorstellungen über die Schweizer Bergwelt wie Kuhglocken in den Alpen. Heute hat die Unesco entschieden, dass der Urgesang der Berge in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wird.

Keystone-SDA

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  • Am frühen Donnerstagmorgen mitteleuropäischer Zeit ist das Jodeln von der Unesco in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen worden.
  • Der Beschluss wurde in Neu-Dehli vom Zwischenstaatlichen Komitee der Unesco für die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes gefasst, wie das Bundesamt für Kultur mitteilte.

Vom Schweizer Brauchtum zum Weltkulturerbe: Am frühen Donnerstagmorgen mitteleuropäischer Zeit ist das Jodeln von der Unesco in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen worden.

Der Beschluss wurde in Neu-Dehli vom Zwischenstaatlichen Komitee der Unesco für die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes gefasst, wie das Bundesamt für Kultur (BAK) mitteilte.

Sie betreiben seit Donnerstag Weltkultur: Die Stadtjodler Heimelig Frauenfeld bei einem Auftritt in der katholischen Kirche in Lommis.
Sie betreiben seit Donnerstag Weltkultur: Die Stadtjodler Heimelig Frauenfeld bei einem Auftritt in der katholischen Kirche in Lommis.
Bild: Keystone

In ihrer Entscheidung hob die Unesco gemäss BAK die Qualität des eingereichten Dossiers und den soliden partizipativen Prozess hervor, der zur Kandidatur geführt hat. Das Bewerbungsdossier war unter Beizug von Fachleuten sowie Vertreterinnen und Vertretern von Jodelorganisationen zusammengestellt worden.

Verbundenheit und Leidenschaft gewürdigt

Als «emblematischer Gesang der Schweiz» umfasse der Jodel eine grosse Vielfalt an künstlerischen Ausdrucksformen und sei tief in der Bevölkerung verankert, heisst es. Über 12'000 Jodlerinnen und Jodler seien Mitglied einer der 711 Gruppen des Eidgenössischen Jodlerverbands.

Die Praxis werde auch ausserhalb von traditionellen Vereinen und Chören gepflegt, so das BAK weiter. Auch zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler liessen sich auf das Jodeln ein, «was die Lebendigkeit einer sich ständig weiterentwickelnden Tradition bestätigt».

Als «wunderschönes Zeichen der Anerkennung» wertet Hector Herzig, Zentralsekretär des Jodlerverbands, die Aufnahme ins Register gegenüber Keystone-SDA. "Sie würdigt die Verbundenheit, die Leidenschaft und die kulturelle Identität, die das Jodeln seit Generationen in der Schweiz prägt.“

Auf der ganzen Welt wird gejodelt

Das Jodeln beschränkt sich aber nicht auf die Schweiz. Das auch in Bayern und in Österreich beheimatete alpenländische Jodeln wurde Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst von Tiroler Sängergruppen verbreitet, wie es im Bewerbungsdossier der Schweiz heisst. Auch in Zentralafrika, Nordeuropa und Georgien wird gejodelt. Der polyfone Gesang aus Georgien schaffte es bereits 2008 auf die Liste des immateriellen Kulturerbes.

Über den Ursprung des alpenländischen Jodelns gibt es verschiedene Theorien. «Es gibt etwa sieben verschiedene Hypothesen, woher das Jodeln kommt» teilt Nadja Räss Professorin und Fachverantwortliche für Volksmusik und Jodeln an der Hochschule Luzern auf Anfrage von Keystone-SDA mit. «Meine Lieblingshypothese ist die ‹Affekt-Hypothese›. Diese besagt, dass das Jodeln ein Ausdruck von Gefühlen ist.»

Auf der Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes befinden sich bereits einige Traditionen. Bisher aufgenommen wurden 2016 das Winzerfest in Vevey, 2017 die Basler Fasnacht, 2018 der Umgang mit der Lawinengefahr (gemeinsam mit Österreich), 2019 die Prozessionen der Karwoche in Mendrisio, 2020 das Uhrmacherhandwerk und die Kunstmechanik (gemeinsam mit Frankreich) und seit 2023 die Alpsaison.