Kritische Situation – so kommt man konfliktfrei durch

uri

1.10.2020 - 13:20

Mit der kalten Jahreszeit wird man nicht nur in der Metro wieder mit mehreren Menschen auf relativ kleinen Raum aushalten müssen. Was tut man am besten, wenn sich das Gegenüber nicht an Coronaregeln halten will? (Symbolbild)
Bild: Keystone

Die Coronazahlen steigen, gleichzeitig trifft man in der kalten Jahreszeit auf mehr Menschen in geschlossenen Räumen – das kann zu unangenehmen Situationen führen. Experten geben Tipps, wie man kritische Begegnungen am besten entschärft.

Die Coronapandemie hat einen grossen Einfluss auf unser soziales Verhalten: Küsschen zur Begrüssung sind ebenso verpönt, wie Hände zu schütteln, nahe beieinander zu stehen oder das Husten in die Hand. Allerdings halten sich längst nicht alle Menschen an die Empfehlungen, mit denen das Coronavirus eingedämmt werden soll.

Das kann zu konfliktträchtigen Situationen führen. Stil- und Knigge-Experten haben verschiedene Ratschläge, wie man sich einigermassen elegant aus der Affäre ziehen kann.

Der Stilexperte Jeroen van Rooijen aus Frauenfeld plädierte gegenüber «blue News» bereits dafür, vor allem gelassen zu bleiben, wenn man auf Coronaignoranten trifft, die etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln keine Maske tragen oder diese falsch unter der Nase angebracht haben.

Besser keine Zurechtweisungen

Man solle diese Personen idealerweise nonverbal auf ihr Versäumnis hinweisen, etwa durch einen dezidierten Blick. Zurechtweisungen oder Aufforderungen hingegen könnten leicht zu einer Eskalation führen, denn es sei gut möglich, dass man es mit Querulanten zu tun habe, so van Rooijen.

Käme man mit entsprechenden Hinweisen nicht weiter, dann müsse man selbst «vielleicht das zu leben versuchen, was das Leben überhaupt erst lebenswert macht: Gelassenheit, Grosszügigkeit und Nachsicht», so der Stilexperte, denn tatsächlich sei nicht alles per se «schlimm und böse» gemeint. Auch müsse man «die Hoffnung aufrechterhalten, dass es alle schon richtig meinen».

Deeskalation sei obendrein «wohl das Gescheiteste», wenn man selbst angegangen werde, obwohl man sich im Recht fühle: «Sie geben einfach nach und entschuldigen sich.»

Nähe kann man auch durch ein Lächeln schaffen

Auch der Knigge-Experte Christoph Stokar plädiert gegenüber SRF für einen Mittelweg zwischen klarer Haltung und Nachsicht, wenn es nun in der kalten Jahreszeit vermehrt zu kritischen Begegnungen kommen dürfte.

Für den Knigge-Experten ist es wenig problematisch, wenn man Freunden die Grenzen aufzeigt und sich verweigert, wenn diese einem auf einmal wieder drei Küsschen auf die Wangen drücken oder die Hand schütteln wollen. Man solle seine Bedenken dann einfach freundlich formulieren und Nähe etwa durch ein Lächeln schaffen.

Ebenfalls könne man die Hochzeitseinladung eines Freundes ausschlagen, wenn man hier ein erhöhtes Infektionsrisiko befürchte. Die Absage teile man auf dem gleichen Weg mit, wie die Einladung gekommen sei, also etwa schriftlich. «Dann schreiben Sie zurück, dass Sie aus Respekt vor Ihrem Umfeld, in welchem sich Risikopatienten befinden, grössere Versammlungen meiden möchten», so Stokar zu SRF. Mann solle dabei auch um Verständnis bitten und die Absage mit freundlichen und verbindlichen Worten beenden. Und dabei natürlich nicht vergessen, dem Paar alles Gute zu wünschen.

Toleranz in Zeiten der Gereiztheit

Den defensiven Rückzug sieht Stokar offenbar hingegen eher dort angezeigt, wo man sich nicht im eigenen Umfeld bewegt. So hält er es für keine gute Idee, in einem Restaurant den Wirt zu bitten, die geschlossenen Fenster zu öffnen, um die Aerosol-Konzentration niedrig zu halten. Damit werde die «Atmosphäre auf alle Fälle nicht wärmer», meint der Experte. Wenn man zu einer Risikogruppe gehöre oder Angst habe, solle man solche Orte einfach besser meiden.

Auch wenn sich beim Yoga jemand direkt neben einen setze, obwohl noch genügend Platz sei, sieht Stokar eine Diskussion oder tadelnde Blicke fehl am Platz, weil dieses Verhalten wohl eher aus Unachtsamkeit erfolgt sei. Man solle dann einfach seine Matte nehmen und sich mit genügend Abstand an einen anderen Platz setzen.

Generell sei in Zeiten der Gereiztheit Toleranz angebracht, meint Stokar. Das gelte etwa, wenn der eigene Chef die ganze Zeit huste. Man brauche nicht die Gesundheitspolizei zu spielen und könne sich den Hinweis sparen, dass ein Arztbesuch angesagt sei. Der Chef werde an der Reaktion seines Umfelds «hoffentlich bald merken, dass sein Verhalten irritierend» sei.

Stehe man mit seinem schniefenden Kind im Tram und ernte von anderen Passagieren böse Blicke, müsse man diese wohl aushalten, meint Stokar. In jedem Fall solle man den Kinderwagen aber so abstellen, dass die Abstandsregeln eingehalten würden.

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