Lawinengefahr – auch in der Schweiz spitzt sich die Lage zu

Silvana Guanziroli

8.1.2019

Experten rechnen, dass die Lawinengefahr in den Schweizer Alpen bis Donnerstag deutlich ansteigt. Es wird mit der zweithöchsten Gefahrenstufe gerechnet.
Keystone

Experten rechnen bis Donnerstag mit bis zu 80 Zentimeter Neuschnee in den Schweizer Alpen – das lässt die Lawinengefahr massiv ansteigen. Einige Dörfer in Österreich sind bereits von der Umwelt abgeschnitten.

Für die Überwachung in der Schweiz ist das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos zuständig. «Durch den Neuschnee steigt die Lawinengefahr deutlich an», erklärt Frank Techel, Lawinenprognostiker beim SLF «Bluewin» am Dienstag. Die Experten rechnen in den nächsten Tagen mit der Lawinenwarnstufe vier, der zweithöchsten auf der Bewertungsskala. Kleinste Erschütterungen würden dann schon ausreichen, um eine Katastrophe am Hang auszulösen.

Vor den erneuten Schneefällen ist die Lawinengefahr in den Glarner Alpen und dem Prättigau (orange) bereits erheblich. Das dürfte sich bis Donnerstag noch verschärfen.
WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF

Da es überall entlang des Alpennordhangs erheblich schneie, sei es schwierig abzuschätzen, wo sich die Lage effektiv verschärft. Die Experten sind derzeit daran, die Daten auszuwerten. «Wir erstellen jeden Tag die Lawinenprognose für den folgenden Tag. Diese wird um 17 Uhr veröffentlicht», so Techel. Das Lawinenbulletin veröffentlicht das SLF auf seiner Homepage.

Im Fokus stehen die Glarner Alpen und das Prättigau. Dort gab es mit dem letzten Niederschlag bereits viel Neuschnee. Techel: «Und hier ist die Gefahr jetzt schon erheblich.»

Wer derzeit in den Skiferien weilt, sollte sich genau an die Angaben der Skigebietbetreiber halten. «Besonders in den neuschneereichen Gebieten ist am Mittwoch grösste Vorsicht abseits der Pisten nötig», warnt Techel. 

Österreich fürchtet ein zweites Galtür

In Österreich ist die Situation bereits jetzt dramatisch. So sind in Hohentauern in der Steiermark rund 550 Menschen seit vier Tagen eingeschneit. «Die Lawinensituation ist nach wie vor angespannt. Es sind weitere massive Schneefälle angesagt. Wir richten uns darauf ein, mehrere Tage festzusitzen», sagte Bürgermeister Heinz Wilding der Nachrichtenseite «wetter.at».

Am Montag musste das Skigebiet am Berg Hochkar in 1770 Meter Höhe evakuiert werden. Die Behörden äusserten mehrfach die Angst vor einem zweiten Galtür. In dem Tiroler Dorf starben am 23. Februar 1999 31 Menschen, als eine gewaltige Lawine bis zu den Häusern niederging.

Lawinenschutz in der Schweiz

Die Überwachung der Lawinensituation ist in den Schweizer Alpen auf mehrere Stellen verteilt. «Neben unseren Prognosen gibt es in vielen Gemeinden in den Alpen, oder auch für Strassen, lokale Lawinendienste. Diese entscheiden vor Ort, wie gefährlich die Lawinensituation ist und ob Massnahmen getroffen werden müssen», sagt der Experte Techel. 

Der Bund verfolgt seit Jahren einen ausgeprägten Lawinenschutz. «Es gibt sogenannte Lawinengefahrenkarten», erklärt Techel weiter. «In diesen werden Zonen definiert, in denen entweder nicht gebaut werden darf, oder wo Gebäude entsprechend geschützt werden müssen.»

In einem aussergewöhnlichen Winter, wie in diesem Jahr, kann dieser Schutz aber nicht aussreichend sein. Techel: «Steht ein Haus in einer Gefahrenzone eines möglichen Lawinenniederganges, dann bleibt im akuten Fall nur die Evakuierung.»

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