Puh, der Trumpy Bear 

tsch

15.11.2018

Trump als Teddybär? Ja, auch das gibt es – Haarpracht inklusive. Wer das schon skurril findet, kennt noch nicht den extrem patriotischen Werbespot zum Kuschel-Prädenten.

Da fehlen einem die Worte. Wirklich. Es fällt schwer zu akzeptieren, dass dieser Werbespot kein Fake ist und ein echtes Produkt anpreist: den Trumpy Bear.

Breit und bräsig sitzt er da. Er könnte ein vollkommen harmloses Kuscheltier sein – wäre da nicht diese übertrieben gewollte Ähnlichkeit mit dem amtierenden US-Präsidenten. Gestatten: Trumpy Bear.

Trumpy Bear ist derart bizarr, dass sich Interessierte fragen, ob dieses Produkt nun wirklich wie in einem grotesken Werbespot angepriesen ein «Stück amerikanischer Geschichte» ist oder vielleicht doch so etwas wie Fake News. Wer sich jetzt schon in den pelzigen Präsidenten verguckt hat, kann jedoch aufatmen: Die Faktenchecker-Website Snopes hat die Herkunft des Stoffwesens geprüft und bestätigt.

Snopes hat sogar ein Statement des Erfinders von der Herstellerfirma bekommen: «Als Donald Trump als erster Nicht-Politiker in sein Amt gewählt wurde, war es an der Zeit, einen furchtlosen amerikanischen Grizzly-Bären nach unserem neuen Oberbefehlshaber zu benennen. (...) Dieser ikonische Bär sollte als ein Symbol angesehen werden, das es jeder schaffen kann, Präsident unseres grossartigen Landes zu werden.»

Das hat der Bär nicht verdient. Genausowenig wie den unfassbaren Blödsinn, mit dem dieses «Stück amerikanischer Geschichte» beworben wird. «Ich bin der Sturm», mit diesen Worten beginnt ein zweiminütiger Werbeclip, der an Absurdität nicht zu überbieten ist und zunächst einmal von einer Kuscheldecke berichtet, die man in Form einer US-Flagge in einem «Geheimversteck» im Rücken des Kuscheltieres findet. So weit so gaga: Das war aber erst der Anfang.

«Echte Amerikaner» erzählen dann nämlich, was sie an Trumpy Bear unwiderstehlich finden: ein Harley-Fahrer, Typ Rockergang, macht mit dem Bären Ausflüge, ein Veteran wird vom Plüschknäuel daran erinnert, immer ein stolzer Amerikaner zu sein, ein Golfer nimmt das Ding mit auf den Platz – weil Trumpy Bear sein Spiel «great again» macht. Ausserdem kann man seine Frisur vortrefflich stylen, und manchmal sitzt Trumpy Bear auch staatsmännisch auf einem Familienaltar für gefallene Helden.



Dass Trumpy Bear gerade jetzt wieder für Aufsehen sorgt, mag daran liegen, dass der Werbespot kürzlich auf einer Lokalstation von Donald Trumps Lieblingssender Fox News lief. Denn Trumpy Bear gibt schon seit mehr als einem Jahr, wie «The Washington Post»klarstellt.

Die Auferstehung aus der Versenkung ist dennoch ein gefundenes Fressen für Komiker und Social-Media-User, die entweder unläubig den Kopf schütteln oder, wie Jimmy Kimmel, die Werbesaga vom Trumpy Bear weiterspinnen: mit «Trumpy Bear-Fans», die von der Politik seines Vorbildes direkt betroffen sind. Ein kleines mexikanisches Mädchen etwa, das an der Grenze zur USA jetzt keine Angst mehr hat, weil sie von ihrer Mutter getrennt wurde.

Übrigens: Der Trumpy Bear wird in China hergestellt. Wahrscheinlich ist er ausgenommen von Importzöllen. Aber das steht vielleicht im Echtheitszertifikat, das jeder Trumpy Bear mitbringt, wenn man 39,90 US-Dollar plus Verandkosten bezahlt.

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