Hauspersonal ausgebeutet Mehrjährige Haftstrafen für reiche indische Familie in Genf

mf, sda

21.6.2024 - 20:49

Eine reiche indische Familie in Genf hat ihre Hausangestellten ausgenutzt. Dafür wurden sie zu Haftstrafen verurteilt.
Eine reiche indische Familie in Genf hat ihre Hausangestellten ausgenutzt. Dafür wurden sie zu Haftstrafen verurteilt.
Bild: Christin Klose/dpa-tmn

Vier Mitglieder einer reichen indischen Familie wurden vom Genfer Strafgericht des gewerbsmässigen Wuchers schuldig gesprochen. Sie sollen in ihrer Villa in Cologny GE Hauspersonal ausgebeutet zu haben.

21.6.2024 - 20:49

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  • Vier Mitglieder einer reichen indischen Familie sind in Genf wegen Ausbeutung von Hausangestellten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.
  • Der Schuldspruch lautete auf gewerbsmässigen Wucher.
  • Vom Vorwurf des Menschenhandels wurden die vier Angeklagten vom Strafgericht freigesprochen.

Vier Mitglieder einer reichen indischen Familie wurden wegen gewerbsmässigen Wuchers verurteilt. Den Angeklagten wird vorgeworfen, in ihrer Villa in Cologny GE Hauspersonal ausgebeutet zu haben. Das Genfer Strafgericht hat sie am Freitag jedoch vom Vorwurf des Menschenhandels freigesprochen.

Das Gericht stellte fest, dass die indischen Hausangestellten nicht gezwungen wurden, in die Schweiz zu kommen, um hier zu arbeiten. Sie hätten gewusst, was sie am Genfersee erwarte.

Pässe der Angestellten wurden eingezogen

Sie erhielten allerdings selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sie Kost und Logis erhielten, Löhne von durchschnittlich 325 Franken pro Montag. Kost und Logis inbegriffen, entspricht das einem Salär von zwischen 1000 und 1400 Franken.

Zudem konnten sich die Hausangestellten nur beschränkt bewegen. Ihre Pässe wurde von der indischen Familie eingezogen. Die Angestellten schliefen in einem Zimmer im Untergeschoss des Hauses; einem Raum ohne Tageslicht und ohne Frischluftzufuhr.

Nach Ansicht der Richter hat die Familie Hinduja die schwache Position dieser indischen Angestellten, von denen einige Analphabeten waren, in charakteristischer Weise ausgenutzt.

Vier bis viereinhalb Jahre

Die Eltern, 75 und 79 Jahre alt, wurden zu viereinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Ihre Schwiegertochter und ihr Sohn im Alter von 50 und 56 Jahren erhielten vier Jahre Gefängnis. Die Angeklagten waren bei der Urteilsverkündung nicht anwesend.

Das Gericht befand, aus Schweizer Sicht sei ein solches Salär «extrem». Die indische Familie habe durch ihren Entscheid, nicht Schweizer Löhne auszuzahlen, zwischen Juni 2009 und April 2018 2,5 Millionen Franken eingespart.

850'000 Franken Ersatzforderung

Das Gericht wies auch darauf hin, dass die indische Familie unterdessen die Schweizer Staatsangehörigkeit besitzt. Insofern habe sie in voller Kenntnis der hiesigen Verhältnisse gehandelt. Sie könnten sich nicht auf die Situation in Indien berufen. «Ihr Verschulden wiegt sehr schwer», so das Gericht.

Die Familie Hinduja wurde auch zur Zahlung einer Ersatzforderung von 850'000 Franken verurteilt. Diese Summe soll die Hausangestellten entschädigen und kommt zur Vereinbarung dazu, welche die Angeschuldigten während des Prozesses mit den Klägern als Wiedergutmachung vereinbarten.

Festnahmebegehren abgelehnt

Die Eltern der Familie Hinduja machten für ihr Fernbleiben vom Prozess gesundheitliche Gründe geltend. Sohn und Schwiegertochter hingegen fehlten nur am Freitag – wegen eines Besuchs bei der hospitalisierten Mutter respektive Schwiegermutter in Monaco. Das sagten die Anwälte.

Der Genfer Staatsanwalt Yves Bertossa forderte die Festnahme von Sohn und Schwiegertochter. Das lehnte aber das Gericht ab – mit der Begründung, das Paar habe seinen Lebensmittelpunkt in der Schweiz. Das Fluchtrisiko sei gering.

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