«Wirklich seltsam»Tragödie gibt Rätsel auf – 39 Tote bei Zugunglück in Spanien
SDA
19.1.2026 - 04:11
Viele Tote bei Zugunglück in Spanien
Bei einem Zugunglück in Spanien sind über 30 Menschen gestorben. Videos zeigen das Ausmass der Tragödie.
19.01.2026
Das moderne Hochgeschwindigkeitsnetz Spaniens steht für Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Es ist auch bei Touristen beliebt. Ein Bahnunglück erschüttert nun das Land – und wirft Fragen auf.
Keystone-SDA
19.01.2026, 04:11
19.01.2026, 10:36
SDA
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
in Hochgeschwindigkeitszug ist am Sonntagabend in Südspanien entgleist und mit einem entgegenkommenden Zug zusammengestossen.
Mehr als 30 Menschen kamen ums Leben, Dutzende wurden verletzt.
Hunderte Überlebende mussten von Rettungskräften im Dunkeln geborgen werden.
Bei einem schweren Eisenbahnunglück in Andalusien im Süden Spaniens sind mindestens 39 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 15 seien schwer verletzt worden, sagte Regionalpräsident Juanma Moreno in den frühen Morgenstunden sichtlich mitgenommen. Er schloss nicht aus, dass in den «Trümmerhaufen aus Metall» weitere Leichen liegen könnten. Die Rettungs- und Räumungsarbeiten würden die ganze Nacht fortgesetzt.
ACTUALIZACIÓN afectados | #AccidenteFerroviarioAdamuz ✅ 73 heridos trasladados (62 Hospital Reina Sofía y 11 Hospital de Andújar), 24 de ellos graves (entre ellos 4 menores). ✅ Al menos 21 fallecidos. El operativo sigue trabajando intensamente sobre el terreno. pic.twitter.com/YTUkbAMEDs
Die Tragödie hatte sich Stunden zuvor ereignet. Gegen 19.40 Uhr war am Sonntag ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug der italienischen Gesellschaft Trenitalia nahe der Gemeinde Adamuz in der Provinz Córdoba mutmasslich mit Tempo 300 entgleist und in das benachbarte Gleis geraten, wie die Bahngesellschaft Renfe mitteilte. Der tragische Zufall wollte es, dass just zu dem Zeitpunkt ein entgegenkommender Hochgeschwindigkeitszug von Renfe dort vorbeifuhr und vom anderen Fahrzeug aus den Schienen geworfen wurde.
«Schreie, weinende Kinder, Blut»
«Der Aufprall war so heftig, dass die beiden vorderen Wagen des Renfe-Zuges infolgedessen aus den Gleisen geschleudert wurden», meinte Verkehrsminister Óscar Puente. Diese Waggons stürzten eine vier Meter hohe Böschung hinunter und wurden weitgehend zerstört.
Der Iryo-Zug war mit mehr als 300 Menschen an Bord von Málaga nach Madrid unterwegs, der in Madrid gestartete Renfe-Zug fuhr mit rund 200 Passagieren nach Huelva. Der Verkehr auf der wichtigen Strecke zwischen Madrid und Andalusien sollte mindestens bis einschliesslich diesen Montag unterbrochen werden. Viele Menschen, die in verschiedenen Städten von Zugausfällen aufgrund des Unfalls betroffen waren, verbrachten die Nacht in Bahnhöfen.
Mindestens 21 Tote bei Zugunglück in Spanien - Gallery
Rettungskräfte untersuchen den entgleisten Zug.
Bild: EPA/Eleanorinthesky/X
In einem auf X geposteten Bild ist der entgleiste Zug zu sehen. (18. Januar 2026)
Bild: EPA/Eleanorinthesky/X
Ministerpräsident Pedro Sánchez sicherte schnelle Hilfe zu.
Bild: dpa
Unter den Todesopfern ist einer der Lokführer.
Bild: dpa
Mindestens 21 Tote bei Zugunglück in Spanien - Gallery
Rettungskräfte untersuchen den entgleisten Zug.
Bild: EPA/Eleanorinthesky/X
In einem auf X geposteten Bild ist der entgleiste Zug zu sehen. (18. Januar 2026)
Bild: EPA/Eleanorinthesky/X
Ministerpräsident Pedro Sánchez sicherte schnelle Hilfe zu.
Bild: dpa
Unter den Todesopfern ist einer der Lokführer.
Bild: dpa
Eine junge Frau kämpfte im Interview des TV-Senders RTVE mit den Tränen, als sie den Alptraum beschrieb, den sie im Iryo-Unglückszug erlebte. «Es gab eine Vollbremsung, es wurde stockdunkel. Ich fiel kopfüber aus dem Sitz. Menschen und Gepäck flogen durch die Luft, es gab Schreie, weinende Kinder, Blut. Ich fühle mich, als wäre ich neu geboren.» Ein anderer Passagier, der Journalist Salvador Jiménez, sagte: «Es war wie ein Erdbeben.»
Parmelin, Königshaus und von der Leyen sprechen Beileid aus
Unter den Todesopfern ist den amtlichen Angaben zufolge einer der Lokführer. Zahlreiche Fahrgäste waren noch Stunden nach dem Unfall in den Zügen eingeschlossen. Feuerwehrleiter Paco Carmona sprach von einem sehr schwierigen Einsatz: «Es ist ein schwer zugängliches Gebiet. Das Ausmass der Zerstörung war zudem gross. Chaos, offene Brüche. Alles andere als schön.»
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sicherte schnelle Hilfe zu. «Heute ist eine Nacht tiefen Schmerzes für unser Land», schrieb er auf der Plattform X. Neben dem Königshaus in Madrid und vielen anderen sprach auch die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, den Familien und Angehörigen der Opfer sowie dem spanischen Volk ihr Beileid aus. «In dieser Nacht seid ihr in meinen Gedanken», schrieb sie auf X auf Spanisch.
Recibo las terribles noticias desde Córdoba.
Mi más sentido pésame a las familias y seres queridos de las víctimas del accidente ferroviario y al pueblo español.
Deseo una rápida y completa recuperación a los heridos.
Auch der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin hat sich am Montag betroffen gezeigt. Die Schweiz sei in Gedanken bei den Opfern, ihren Familien und dem gesamten spanischen Volk, teilte er auf der Plattform X mit.
Informationen über Schweizer Opfer liegen noch keine vor. Es seien entsprechende Abklärungen im Gange, teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Die Schweizer Vertretung in Madrid stehe in Kontakt mit den zuständigen Behörden vor Ort.
Tragödie wirft Fragen auf
Die Ursache des Unfalls blieb zunächst unklar – die Tragödie gibt Rätsel auf. «Das ist schon ein extrem ungewöhnlicher Unfall», sagte Minister Puente. «Gerade Strecke, ein ziemlich neuer Zug, ein erst jüngst mit einer Investition von 700 Millionen Euro renovierter Streckenteil.» Man müsse nun das Ergebnis der Ermittlungen abwarten.
Mehrere von Medien befragte Experten zeigten sich genauso erstaunt. Das Sicherheitssystem hätte einen solchen Unfall eigentlich verhindern müssen, ohne dass der Lokführer eingreift, meinte etwa Ingenieur Jorge Trigueros.
Am frühen Morgen lagen nach amtlichen Angaben noch mehr als 70 Verletzte in insgesamt sechs Krankenhäusern. Einige würden noch in der Nacht einer Notoperation unterzogen, sagte Regionalpräsident Moreno. Zur Identität und Herkunft der Opfer wurden zunächst keine Angaben gemacht. Die Identifizierung der Leichen solle bald aufgenommen werden, sagte Moreno.
Sanitäter sind im Einsatz an der Unglücksstelle nahe Adamuz. (18. Januar 2026)
Bild:Keystone/EPA/Salas
Psychologische Betreuung
Das Rote Kreuz half nicht nur den betroffenen Passagieren und Bahn-Mitarbeitern mit psychologischer Betreuung, sondern auch traumatisierten Angehörigen und Freunden der Opfer, die etwa im Madrider Bahnhof Atocha oder in Huelva vergeblich auf ihre Lieben warteten.
In ganz Spanien, vor allem aber in Galicien wurden Erinnerungen an ein schlimmes Unglück vom 24. Juli 2013 wach. Ein Zug entgleiste damals in Angrois wenige Kilometer vor Santiago de Compostela mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit an einer Kurve. 80 Menschen kamen ums Leben.
Muy pendiente del accidente entre dos trenes de alta velocidad que han descarrilado en Adamuz (Córdoba).
El Gobierno está trabajando con el resto de autoridades competentes y los servicios de emergencia para auxiliar a los pasajeros. https://t.co/7q7p9Pdn3K
Angesichts der Tragödie, der Trauer und des Chaos zeigten sich viele Menschen in der 4000-Einwohner-Gemeinde Adamuz solidarisch. Trotz später Stunde brachten freiwillige Helfer Decken, Arznei- und Lebensmittel ins Gemeindezentrum. Supermarktbesitzerin Rafaela machte umgehend ihren Laden auf und sagte im Gespräch mit RTVE: «Heute schläft hier niemand!»
Puente erklärte, die Ursachen des Unfalls seien noch unbekannt. Er bezeichnete den Vorfall als «wirklich seltsam», da er sich auf einem ebenen Streckenabschnitt ereignet habe, der erst im Mai instand gesetzt worden war. Laut Puente war der entgleiste Zug weniger als vier Jahre alt.
Rettung im Dunkeln
Salvador Jiménez, Journalist des spanischen Senders RTVE, der in einem der Züge unterwegs war, sagte der AP am Telefon: «Es fühlte sich wie ein Erdbeben an, und der Zug war tatsächlich entgleist.»Er erklärte, dass Fahrgäste Notfallhämmer genutzt hätten, um Fenster einzuschlagen, und dass einige unverletzt entkommen konnten. Videos von der Unglücksstelle zeigen Menschen, die aus Fenstern kletterten, während die Waggons schräg lagen. Der Vorfall ereignete sich am frühen Abend, und Hunderte Überlebende mussten im Dunkeln gerettet werden.
«Die Regierung arbeitet gemeinsam mit den zuständigen Behörden und den Rettungsdiensten daran, den Fahrgästen zu helfen», schrieb der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez auf der Plattform X.
Die regionale Leiterin des Zivilschutzes, María Belén Moya Rojas, sagte dem Sender Canal Sur, der Unfall habe sich in einem schwer zugänglichen Gebiet ereignet. Anwohner hätten Decken und Wasser zur Unglücksstelle gebracht, um den Betroffenen zu helfen.
Kein Zugverkehr zwischen Madrid und Andalusien
Adif teilte mit, dass der Zugverkehr zwischen Madrid und Städten in Andalusien am Montag nicht verkehren werde.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte in einem Beitrag auf X, sie verfolge «die schrecklichen Nachrichten» aus Córdoba. «Heute Abend seid ihr in meinen Gedanken», schrieb sie auf Spanisch.