Ärgernis für KMUKunden tauchen einfach nicht auf – jetzt sprechen Schweizer Unternehmer Klartext
Carlotta Henggeler
3.6.2026
«Letztes Jahr hatten wir 18 Fälle, in denen die Kunden nicht aufgetaucht sind»: Beauty-Unternehmerin Rocio Furgler über das Problem der No-Shows. (Symbolbild)
Bild:IMAGO/imagebroker
Ob Beauty-Behandlung in Luzern, Massanzug in St. Gallen oder Massage in Kloten: Immer wieder erscheinen Kunden trotz Reservation nicht zum Termin. Für die betroffenen Unternehmen ist das mehr als ein Ärgernis – sie spüren finanzielle Folgen.
No-Shows sind für Gastronomie, Kosmetikstudios und andere Kleinbetriebe in der Schweiz ein wachsendes Problem. Gebuchte Kunden erscheinen nicht, wodurch Zeit und Umsatz verloren gehen.
Viele Unternehmen verzichten trotz finanzieller Schäden auf strenge Sanktionen. Sie fürchten negative Reaktionen und schlechte Online-Bewertungen.
Betroffene Betriebe aus verschiedenen Branchen berichten von regelmässigen Ausfällen. Die Folgen reichen von leer geblockten Terminen bis zu spürbaren Einnahmeverlusten.
Sie buchen Termine, reservieren Dienstleistungen – und tauchen dann einfach nicht auf. No-Shows sind in der Gastronomie längst ein bekanntes Ärgernis.
Doch inzwischen kämpfen auch andere Branchen zunehmend mit Kunden, die vereinbarte Termine ohne Absage verstreichen lassen.
Gegenüber blue News berichten Unternehmer von einem Problem, das Zeit, Geld und Nerven kostet. Wie stark Betriebe unter kurzfristigen Absagen und Kunden leiden, die ohne jede Nachricht fernbleiben, zeigen ihre Erfahrungen.
Beauty-Unternehmerin aus Luzern
Seit 20 Jahren führt die Kosmetikexpertin und Unternehmerin Racio Furger ihr Studio an der Zürcherstrasse 69 in Luzern. In ihrem Kleinbetrieb mit einer Angestellten bietet sie Beauty-Behandlungen an und gibt ihr Know-how in Kursen weiter.
Auch Furger kennt das Problem. Allein 2026 blieben bisher rund 18 Termine unentschuldigt ungenutzt – meist von Neukunden, die weder absagen noch erscheinen.
Furger sucht zunächst das Gespräch. Nach einem No-Show kontaktiert sie die betroffenen Kunden und erkundigt sich nach dem Grund für ihr Fernbleiben. «Ich frage nach, ob alles in Ordnung ist», sagt sie.
Zu Sanktionen greift die Luzernerin nur ungern und ist damit zurückhaltend. Bei grösseren Behandlungen von rund eineinhalb Stunden stellt sie 50 Franken in Rechnung, bei kürzeren Terminen eine Pauschale von 20 Franken. Bezahlt werden diese Ausfallgebühren allerdings nur selten.
«Wir sind ein kleines Unternehmen, für uns ist das ein finanzielles Problem»
Rocio Furger
Gründerin Beauty Rocio in Luzern
Hinzu kommt die Sorge vor negativen Folgen. Die Beauty-Unternehmerin befürchtet, mit konsequenteren Massnahmen Kunden zu verärgern und dadurch zu verlieren. Auch schlechte Google-Bewertungen schrecken sie ab.
Trotz der Herausforderungen blickt Furger optimistisch nach vorn. Die gebürtige Spanierin möchte ihren Betrieb weiterentwickeln und freut sich besonders auf das bevorstehende 20-Jahr-Jubiläum ihres Studios in Luzern.
Massanzug-Firma in St. Gallen und Zürich: «Wir hinterlegen Nummer»
Auch die Bekleidungsbranche kennt diese Herausforderung. Johannes «Jojo» Ucan, Gründer und Inhaber von Jucan, wagte 2015 den Schritt in die Selbstständigkeit. Mit seinen Standorten in St. Gallen und Zürich hat er sich auf Massanzüge spezialisiert. Seine Vision: Männer in der Schweiz mit perfekt sitzenden Anzügen nach Mass auszustatten.
«Es kann tausend Gründe geben, warum jemand nicht zu einem Termin erscheint. Ich versuche, mit Fingerspitzengefühl heranzugehen»
Johannes «Jojo» Ucan
Massanzug-Unternehmer
«No-Shows kommen bei uns selten vor. Letztes Jahr hatten wir vielleicht fünf bis zehn Fälle», sagt Johannes «Jo Jo» Ucan gegenüber blue News. Wer unentschuldigt nicht zu seinem Termin erscheint, müsste eigentlich 150 Franken bezahlen. Auf die Gebühr verzichtet Ucan meist jedoch. Er möchte seine Kundschaft nicht verärgern und keine negativen Google-Bewertungen riskieren.
«Es kann tausend Gründe geben, warum jemand nicht zu einem Termin erscheint. Deshalb versuche ich, mit Fingerspitzengefühl und Verständnis an solche Situationen heranzugehen», sagt Ucan. Um Ausfälle möglichst zu vermeiden, lässt er sich Termine jeweils im Voraus bestätigen.
Kommt es dennoch zu einem No-Show, sucht Ucan das Gespräch. Je nach Begründung vermerkt er den Vorfall im Kundendossier und vergibt künftig keinen weiteren Termin. Denn ein Ausfall kostet Zeit: Während eine Beratung rund 30 Minuten dauert, nimmt die Anprobe und Vermessung für einen Massanzug bis zu zwei Stunden in Anspruch.
Gross aufregen will sich Ucan über das Problem nicht. Die frei gewordene Zeit nutzt er oft für spontane Kundenberatungen oder andere Arbeiten. Mehr Kopfzerbrechen bereiten ihm falsch gebuchte Termine, die seinen Zeitplan durcheinanderbringen können.
Für andere Betriebe hat Ucan Verständnis. «Gerade für kleinere Unternehmen können No-Shows ein deutlich grösseres Problem sein», sagt er.
Massage-Wohlfühloase in Kloten ZH
«Im Durchschnitt habe ich jeden zweiten Tag ein bis zwei sehr kurzfristige Terminabsagen. Manchmal erfolgen diese erst 30 Minuten vor dem Termin – dann kann ich den Platz nicht mehr neu vergeben», sagt Phan-On Hablützel von der Thaimassage-Praxis Simuang in Kloten ZH gegenüber blue News.
Die selbstständige Massagetherapeutin bietet klassische Thai-Massagen und weitere Wellnessbehandlungen an. «Durch kurzfristige Absagen und No-Shows entgehen mir pro Woche mehrere hundert Franken Umsatz», sagt sie.
«Durch Absagen entgehen mir mehrere hundert Franken Umsatz pro Woche»
Eine Ausfallgebühr für kurzfristige Absagen will Hablützel dennoch nicht einführen. Sie fürchtet, Kundinnen und Kunden zu vergraulen.
Zudem wäre der administrative Aufwand für ihren kleinen Betrieb beträchtlich – von der Rechnungsstellung über die Zahlungskontrolle bis hin zu Mahnungen und möglichen Betreibungen.
Im Kampf gegen No-Shows hat Hablützel ihre eigenen Regeln aufgestellt: Wer Termine wiederholt kurzfristig verschiebt oder nicht erscheint, wird gesperrt. «Es gab Kunden, die ihren ersten Termin drei- oder viermal in letzter Minute verschoben haben», sagt sie.
Den Frust über solche Fälle lässt sie sich jedoch nicht anmerken. Die Freude an ihrer Arbeit überwiegt. Es erfülle sie, Menschen bei Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen oder innerer Unruhe zu helfen.
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