Nordkorea öffnet sich: Touristen zelten am «Revolutionsvulkan»

AP

21.8.2018

Bislang war das Programm für Besucher des Bergs Paektu in Nordkorea streng kontrolliert: Urlauber wurden von nahe gelegenen Hotels an den Krater chauffiert, durften den Führer bewundern und mussten zurück. Jetzt aber  dürfen ausländische Touristen erstmals dort zelten.

Für ausländische Urlauber erschliesst sich eine bislang unzugängliche Seite Nordkoreas. Erstmals dürfen Abenteurer den Paektu, den grössten Vulkan des Landes, nicht nur besuchen, sondern abseits der touristischen Wege ihr Zelt aufschlagen.

Die erste kleine Camper-Gruppe trat ihre sechstägige Wandertour am vergangenen Samstag an. Die Touristen erklommen unter Führung des Neuseeländers Roger Shepherd den Berg, wagten einen Blick hinab in den Kratersee und zogen weiter über ein Vulkan-Plateau, um ihre Zelte aufzuschlagen.

Shepherd, Gründer des Tour-Unternehmens «Hike Korea», wandert seit langem durch die Berglandschaften der koreanischen Halbinsel. Sitz von «Hike Korea» ist im Süden, doch auch im Norden kennt Shepherd sich aus. Jetzt konnte er die Regierung in Pjöngjang überzeugen, seine Gäste auch von den ausgetretenen Wegen weg führen zu dürfen.

«Wiege der koreanischen Revolution»

Die Gegend um den Paektu an der Grenze zu China gilt als eine der schönsten Nordkoreas. Der Paektu, von dem einer der heftigsten Ausbrüche der Geschichte im Jahr 946 überliefert ist, ist zwar noch aktiv. Grössere Eruptionen gab es aber in den letzten Jahren nicht.

Die Region ist beliebt für Ausflüge, sei es von Schulen, Betrieben oder anderen Gruppen, bei denen sich Erholung und staatliche Indoktrination die Hand geben. Der Berg wird in dem abgeschotteten Land wegen seiner Bezüge zur regierenden Kim-Familie verehrt und gilt als geistige Wiege der koreanischen Revolution.

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Auch chinesische Urlauber und kleinere Gruppen anderer Ausländer kommen an den Paektu. Sie werden in nahe gelegenen Hotels untergebracht und direkt an den Vulkan chauffiert, um das blaue Wasser des Kratersees zu bewundern. Um den Berg liegen mehrere rekonstruierte «geheime Lagerplätze», die Staatsgründer Kim Il Sung (1912-1994), der Grossvater des jetzigen Präsidenten Kim Jong Un, und seine Kämpfer im Widerstand gegen die japanischen Kolonialherren genutzt haben sollen.

Unter Kim Jong Un hat sich Nordkorea stärker für Urlauber geöffnet. Die Entwicklung der Tourismusbranche, die relativ gut kontrolliert und gelenkt werden kann, soll für dringend benötigte Devisen sorgen. Derzeit laufen grosse Infrastruktur-Projekte, unter anderem in Samjiyon, der grössten Stadt am Paektu, in der Hafenstadt Wonsan im Osten und in der angrenzenden Region um den Berg Kumgang.

Will das Land die Zahl der ausländischen Besucher deutlich steigern, muss es allerdings auch auf die Lockerung internationaler Sanktionen hoffen. Mit diesen soll Kim Jong Un zur Aufgabe seines Atomprogramms gebracht werden.

Shepherds erste Paektu-Camper, zwei Australierinnen und zwei Norweger, machten bislang nicht die typische Minibus- und Propaganda-Erfahrung, die sonst ausländischen Besuchern häufig zuteil wird. Der Reiseführer will sich und seine Gruppe von politischen Fallstricken fernhalten und setzt auf persönliche Kontakte zwischen den Ausländern und den einheimischen Führern.

«Ein guter Weg, um die Menschen kennenzulernen»

«Hier draussen ist es sehr unpolitisch», sagt er. «Wir ziehen alle am selben Strang. Arbeiten zusammen als ein Team, schlagen Zelte auf, essen zusammen, laufen zusammen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass dies ein guter Weg für die Leute ist, die Menschen des Landes kennenzulernen.»

US-Amerikanern bleibt es hingegen verwehrt, als Touristen nach Nordkorea zu reisen: Präsident Donald Trump verhängte ein solches Reiseverbot, nachdem der US-Student Otto Warmbier nach einer Inhaftierung in Korea gestorben war. Warmbier war vorgeworfen worden, versucht zu haben, ein Propagandabanner zu stehlen. Als er im vergangenen Jahr in die USA entlassen wurde, lag er im Wachkoma und starb kurz darauf.

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