«Wir gehen von Stunden bis Tagen aus»Geologen erwarten grossen Felssturz in Brienz GR
SDA
25.11.2025 - 04:30
Immer wieder staubt es am Berg oberhalb von Brienz. Mehrere kleine Felsstürze kündigen ein grosses Ereignis an. (Archivbild)
Bild:Keystone
In den vergangenen Tagen haben sich in Brienz erneut mehrere kleinere Felsstürze ereignet. Geologen erwarten nun einen grossen Bergsturz mit bis zu 300'000 Kubikmetern Volumen.
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Keystone-SDA, Redaktion blue News
25.11.2025, 04:30
25.11.2025, 05:05
SDA
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Oberhalb des Bündner Bergdorfs Brienz haben sich mehrere kleine Felsstürze ereignet.
Für das Dorf bestand keine Gefahr.
Geologen erwarten nun binnen Stunden oder Tagen einen grossen Felssturz mit einem Volumen von bis zu 300'000 Kubikmetern.
Am Montag haben sich oberhalb des Bündner Bergdorfs Brienz mehrere kleine Felsstürze ereignet. Inzwischen bildete sich eine Rinne, aus der vermehrt Gestein abgeht. In den nächsten Stunden bis Tagen erwarten die Geologen den Abbruch des darüber liegenden Plateaus.
«Wir gehen von Stunden bis Tagen aus, nicht mehr von Tagen bis Wochen, bis das östliche Plateau abgeht», sagte Christian Gartmann, Kommunikationsverantwortlicher der zuständigen Gemeinde Albula, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die Felsstürze vom Montag seien noch klein gewesen, für das Dorf bestand keine Gefahr.
«Vor einem grossen Abbruch erwarten wir eine Häufung von Felsstürzen», erklärte Gartmann weiter. Danach könnte sich ein Felsabbruch mit einem Volumen von bis zu 300'000 Kubikmetern ereignen. Das entspricht einem Volumen von etwa 300 Einfamilienhäusern.
Selbst Geologen über Zeitpunkt überrascht
Selbst Geologen sind laut Gartmann über den Zeitpunkt der Bewegung am Berg überrascht. Sehr kurzfristig hätten die Bewegungen zugenommen, und es könne jetzt «jederzeit etwas passieren», sagte er in der «Südostschweiz».
Die Linie der Rhätischen Bahn und die Kantonsstrasse seien nicht im Gefahrenbereich, weil wenig Flüssigkeit im Material vorhanden sei. «Darum wird es wahrscheinlich auch keine Phase Blau geben», sagte Gartmann der Zeitung. Die evakuierten Brienzer*innen hätten nach wie vor Hoffnung, dass der Berg nach einem Felssturz ruhiger werde und sie zurück in die Heimat könnten.
«Ich schaue mit gemischten Gefühlen auf die Situation»
Die grösste Gefahr für das Dorf besteht darin, dass diese Gesteinsmassen auf die darunterliegende Schutthalde fallen können. Zusammen mit dem Gestein dort könnte sich insgesamt eine Million Kubikmeter Schutt in Richtung Brienz in Bewegung setzen – entweder als sogenannter Schuttstrom oder gar als Steinlawine.
«Ich schaue mit gemischten Gefühlen auf die Situation», erklärte die Vorsteherin des Departements für Infrastruktur, Energie und Mobilität, Carmelia Maissen (Mitte) am Montag im Gespräch mit Keystone-SDA. Einerseits bestehe die Hoffnung, dass nach einem Fels- oder Bergsturz mehr Klarheit über die künftige Entwicklung am Berg bestehe und so die Brienzer und Brienzerinnen, die bereits seit über einem Jahr evakuiert sind, verlässlichere Perspektiven hätten.
Andererseits bestehe auch die Möglichkeit, dass danach immer noch vieles unklar bleibe. «Es bleibt uns nichts anderes übrig, als den Takt der Natur zu respektieren», sagte die Regierungsrätin.