Rätsel um eine Schrift, die niemand kennt

jfk

26.5.2019

Michel Paugam, Stadtrat im bretonischen Plougastel-Daoulas, präsentiert den Stein mit den rätselhaften Schriftzeichen.
Bild: Fred Tanneau/AFP/Getty Images

Im bretonischen Plougastel-Daoulas befindet sich ein Stein mit Schriftzeichen, die bis anhin niemand einer Sprache zuordnen kann. Die Gemeinde hat nun für den Fall der Entschlüsselung eine Prämie ausgelobt.

Der Felsbrocken mit den merkwürdigen Schriftzeichen befindet sich an einer schwer zugänglichen Stelle an der steinigen Atlantikküste, die nur bei Ebbe erreichbar ist, wie das französische Nachrichtenportal France berichtet. In der 13'349-Seelen-Gemeinde Plougastel-Daoulas weiss man zwar um die Existenz dieses Rätsels, doch bis jetzt hat sich anscheinend noch kein Experte aufgerufen gefühlt, der Sache auf den Grund zu gehen.

Erwähnt seit 1979

Die Stadt hat nun für denjenigen, der die Aufgabe löst, eine Belohnung von 2'000 Euro ausgelobt. Véronique Martin, die seitens der Gemeinde das Projekt leitet, erklärt gegenüber Travelbook, man erachte den Betrag angemessen für die Arbeit, die man zur Entzifferung erbringen müsste. Konkret geht es um eine Gruppierung von eingravierten Grossbuchstaben auf einer glatten Seite des Felsens, durchsetzt von Piktogrammen wie einem Segelboot.

Im Fliesstext, wenn es denn einer ist, seien die Jahreszahlen 1786 und 1787 eingefügt, wobei sich daraus nicht automatisch der Zeitpunkt der Entstehung ableiten lasse. Schriftliche Erwähnung fand der Felsen laut Martin erst im Jahr 1979, doch sei seine Existenz vorher bekannt gewesen. Die – augescheinlich zumindest zum Grossteil – lateinischen Buchstaben konnten bisher keiner Sprache zugeordnet, geschweige denn übersetzt werden.

Baskisch? Bretonisch?

Dominique Cap, der Bürgermeister von Plougastel-Daoulas, äusserte bei der französischen Nachrichtenagentur AFP, dass die Schriftzeichen aus dem Baskischen stammen könnten – einer lebenden Sprache, die mit keiner anderen eine nachweisbare Verwandtschaft aufweist. Andere gingen davon aus, dass es sich um eine ältere Form des Bretonischen handle, jener keltischen Sprache, die in der Bretagne bis heute lebendig, aber in ihrer Existenz stark gefährdet ist.

Der Fels lässt sich nur bei Ebbe besichtigen.
Bild: Fred Tanneau/AFP/Getty Images

Laut Projektleiterin Martin seien bereits sechs Zuschriften im Rathaus der Stadt eingetroffen. Deren Begutachtung wird einer Jury anvertraut, der auch Sprachwissenschaftler von der nahegelegenen Universität Brest angehören. Bis zum 30. November haben Laien und Experten Zeit, ihre Übertragungen einzureichen – gestützt auf fundierte Recherche und seriöse Quellen.

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