Dermatologin ordnet ein Shay Mitchell verkauft Gesichtsmasken für Kinder – und erntet heftige Kritik

Lea Oetiker

13.11.2025

«Rini» bietet Hautpflege für Kinder ab drei Jahren an. Konkret handelt es sich bei den Produkten um Gesichtsmasken.
«Rini» bietet Hautpflege für Kinder ab drei Jahren an. Konkret handelt es sich bei den Produkten um Gesichtsmasken.
Bild: Screenshot Instagram

Die Schauspielerin Shay Mitchell hat am vergangenen Donnerstag eine «Skincare»-Linie für Kinder lanciert – Gesichtsmasken für Dreijährige. Das sorgt für Aufsehen und Kritik. Eine Dermatologin ordnet für blue News ein.

Lea Oetiker

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die Schauspielerin Shay Mitchell hat Gesichtsmasken für Kinder auf den Markt gebracht.
  • Dafür erntet sie in den sozialen Medien scharfe Kritik. Eine Nutzerin findet: «Bitte erklär mir, warum Kleinkinder Gesichtsmasken und Hautpflege benötigen.»
  • Für blue News ordnet eine Dermatologin ein, welche Hautpflege Kinder tatsächlich benötigen – und was überflüssig ist.

Die Schauspielerin Shay Mitchell wurde vor allem durch ihre Rolle in der Serie «Pretty Little Liars» bekannt. Doch lange war es ruhig um sie. Nun kommt die 38-Jährige jedoch mit einer neuen – und eher kontroversen – Business-Idee um die Ecke: Skincare für Kinder ab drei Jahren.

Konkret handelt es sich um Feuchtigkeitsmasken. Daran hat sie drei Jahre mit ihrem Team und Mitgründer*innen Esther Song und Matte Babbel gearbeitet. Letzten Donnerstag wurden die Produkte schliesslich lanciert.

Die Marke heisst «Rini». Der Name leitet sich vom koreanischen Wort für «Kind» ab und soll laut Pressemitteilung für eine innovative Verbindung von Hautpflege und Spass stehen.

Die Schauspielerin kam auf die Idee zu ihrer Marke, als sie nach einem Tanzcamp ihrer Tochter plötzlich vor einem unerwarteten Problem stand: «Ich hatte keine Ahnung, wie ich die hartnäckige Gesichtsbemalung von Atlas entfernen sollte», erzählt Mitchell im Interview mit dem Magazin «Elle».

Die Schauspielerin Shay Mitchell. Sie wurde vor allem durch die Serie «Pretty Little Liars» bekannt.
Die Schauspielerin Shay Mitchell. Sie wurde vor allem durch die Serie «Pretty Little Liars» bekannt.
Bild: IMAGO/AFF-USA

«Wir haben es mit Wasser und einem Papiertuch versucht, aber das Zeug war wie festgeklebt», erzählt die Schauspielerin weiter. Und so kam sie schliesslich auf die Idee, eine Hautpflegelinie speziell für Kinder ab drei Jahren zu entwickeln.

Ihre Tochter hat sie inspiriert

Auf Instagram erzählte Mitchell, dass ihre Tochter sie zu einem wichtigen Schritt inspiriert habe. Kinder wollten schliesslich immer dasselbe machen wie ihre Mütter, sagt sie. «Eines Tages fragte mich Atlas: ‹Wo ist meine Maske?›», erinnert sich Mitchell. Als sie daraufhin im Internet nach einer geeigneten Tuchmaske für Kinder suchte, habe sie die Inhaltsstoffe schockiert – viele seien gar nicht für empfindliche Kinderhaut geeignet.

Aktuell bietet Rin drei Tuchmasken an: Hydrogelmaske in zwei Varianten – feuchtigkeitsspendend und After-Sun – sowie Tuchmasken mit Motiven wie Welpen, Einhörnern und Pandas. Pro Maske zahlt man zwischen sechs bis sieben Franken.

Die Produkte sollen in Südkorea entwickelt, in den USA klinisch getestet und von Dermatolog*innen zugelassen werden. Die Masken enthalten Aloe Vera, Vitamin E, Rotalgen, Kamille, Vitamin B12 und bestehen zu 100 Prozent aus Baumwolle.

«Kinderhaut benötigt in der Regel keine aufwendige Pflege»

«Für Kinderhaut sind diese Inhaltsstoffe nicht notwendig und teilweise sogar ungeeignet», erklärt Dr. Marianne Meli, Dermatologin bei Dermanence, zu blue News. «Vitamin E, ein Antioxidans, ist zwar unbedenklich, im Kindesalter aber nicht notwendig. Kamille sollte bei allergieanfälligen Kindern gemieden werden, da sie Kontaktallergien auslösen kann – besonders bei sensibler Haut oder bestehender Pollenallergie», erklärt sie weiter.

«Die Kinderhaut im Kleinkindesalter benötigt in der Regel keine aufwendige Pflege», so Meli. «Eine milde Reinigung und ein konsequenter Sonnenschutz genügen. Wichtig ist, dass Reinigungsprodukte pH-neutral, seifenfrei und ohne Duftstoffe sind, damit die natürliche Schutzbarriere nicht gestört wird.»

Doch es gibt Ausnahmen: Beispielsweise bei Kindern mit empfindlicher oder erkrankter Haut – etwa bei atopischen Ekzemen wie Neurodermitis.  «Ihre Haut verliert schneller Feuchtigkeit und neigt zu Trockenheit, Rötungen und Juckreiz», so die Hautärztin zu blue News. «In diesen Fällen ist eine regelmässige, feuchtigkeitsspendende und rückfettende Pflege entscheidend, um die Hautbarriere zu stärken und Ekzemschüben vorzubeugen.»

Aber: «Unabhängig vom Hauttyp gilt: Sonnenschutz ist Pflicht. Kinderhaut ist besonders empfindlich gegenüber UV-Strahlen, weshalb diese besonders schutzbedürftig ist.»

Eltern, die ihre Kinder früh an Hautpflege heranführen möchten, sollten auf sanfte Produkte achten – und Zurückhaltung üben. «Für die Kinderhaut empfohlen sind milde, pH-neutrale, parfümfreie Produkte, die speziell für Kinder entwickelt wurden. Dabei gilt bei gesunder Haut: So wenig wie möglich, so viel wie nötig», erklärt Meli.

Wann eine gezielte Hautpflege sinnvoll ist, könne nicht generell gesagt werden: «Das kommt individuell auf den Hautzustand des Kindes ab», erklärt die Dermatologin. «Ab der Pubertät, wenn sich die Haut durch hormonelle Veränderungen wandelt, kann eine gezielte Pflege bei den meisten Kindern sinnvoll sein – etwa zur Regulation von Talg oder zur Behandlung von Unreinheiten.»

Jede Pflege sollte zum Ziel haben, die Haut gesund zu erhalten. «Grenzen sind dort zu ziehen, wo Pflege die Kinderhaut überfordert oder die natürliche Balance stört», so die Dermatologin.

Heftige Kritik in den sozialen Medien

In den sozialen Medien wird Mitchell für ihre Tuchmasken heftig kritisiert. Auf Instagram kommentiert eine Nutzerin unter dem Beitrag der Schauspielerin: «Ich finde kaum Worte, um auszudrücken, wie enttäuschend und dystopisch das ist.»

Oder: «Bitte erklär mir, warum Kleinkinder Gesichtsmasken und Hautpflege benötigen und vor einem Schminkspiegel sitzen und sich selbst betrachten müssen. In diesem Alter sollten sie spielen, sich schmutzig machen und sich nicht darum kümmern, wie ihre Haut aussieht. Das erscheint mir einfach so unnötig», kommentiert eine weitere Nutzerin.

Auch Leon, einer der bekanntesten Haut-Influencer, äussert sich kritisch zu den neuen Produkten. Er findet die Produkte schwachsinnig und äussert vor allem Kritik an den hohen Preisen und dafür, dass junge Mädchen zu früh von verschiedenen Produkten überzeugt werden sollen, damit ihr Hautbild möglichst einem Ideal entspricht.

@sanabanaanaa

Her team obviously saw the articles about children buying drunk elephant and thought how can we take advantage of this? It's really sad. I can't believe we are at this level of cash grab, as if money comes above all. #skincare #children

♬ original sound - Sana 📚📘✍️

Doch es gibt auch Nutzer*innen, die die Tuchmasken gelassener sehen, beispielsweise Erica: «Es ist nur eine verdammte Gesichtsmaske, und wir tun so, als wäre sie mit Retinol oder so etwas angereichert.» Als Kind hätte sie eine solche Tuchmaske geliebt.

@ericanic0le

Y’all just aren’t getting it!!!! It’s not skincare for daily use, or for treatment purposes. It’s for fun!!! Little girls love to copy their moms, to play dress up, to play with makeup/skincare, etc. so I think it’s genius to have a brand that allows little girls to safely play around with skincare products that cause zero harm @Shay Mitchell #rini #riniskincare #skincareforkids #shaymitchell #controversial

♬ original sound - ERICA NICOLE

Phänomen «Sephora Kids»

Die Hautpflege für Kinder sorgt seit einigen Jahren immer wieder für Diskussionen – zuletzt durch das Phänomen der «Sephora Kids». Damit sind Mädchen gemeint, die ihr Taschengeld in Cremes, Masken oder Rouge investieren – Produkte, die ursprünglich für Erwachsene gedacht sind.

Auf sozialen Medien zeigen viele dieser Mädchen ihre Einkäufe, teilen Videos und führen ihr Publikum durch ihre morgendlichen und abendlichen Pflegeroutinen. 

Dabei kam es in den Sephora-Läden auch immer wieder zu unhöflichem Verhalten gegenüber anderen Kund*innen und Angestellten, die Tester wurden komplett auseinandergenommen und teils wurden die Produkte auch aus den Händen anderer gezogen. 

Ob Tuchmasken oder der Trend rund um «Sephora Kids» – beide Phänomene zeigen ein ähnliches Muster: Schon sehr junge Mädchen werden dazu angeregt, Kosmetik zu verwenden, um ihr Aussehen an gängige Schönheitsideale anzupassen, wie sie vor allem in westlichen Gesellschaften vermittelt und vermarktet werden.