Fataler Irrtum Stein am Rhein: Vor 75 Jahren fielen die Bomben

tafu

22.2.2020

Auf einmal fielen die Bomben der Alliierten auch auf die Schweiz: Vor 75 Jahren ereignete sich der Angriff auf Stein am Rhein. Nicht das einzige Mal, dass fehlgeleitete Bomben Schweizer das Leben kosteten.

Die Menschen sassen am Mittagstisch, als am 22. Februar 1945 die Bomben der Alliierten auf Stein am Rhein niedergingen. Irrtümlicherweise – die Piloten sollen Stein für deutsches Gebiet gehalten haben. Der Schrecken des Krieges hatte seinen Weg nun auch hierhin gefunden, auf Schweizer Gebiet.

Vier Frauen und fünf Kinder verloren ihr Leben bei dem Angriff. 15 Personen wurden schwer verletzt, sechs Häuser zerstört. Auch wenn der Fliegeralarm die Menschen, die ihrem Kriegsalltag nachgingen, mehrfach warnte –, gerechnet hatte niemand damit, dass wirklich Bomben fallen würden.

An die Angriffe auf die deutschen Nachbarn hatte man sich gewöhnt. Aber hier in der Schweiz? Zu oft schon hatte man die Sirenen gehört, zu oft schon hatte man die amerikanischen Bomber die Stadt überfliegen sehen. Passiert war nie etwas in Stein. Bis zum 22. Februar 1945. Bis der Alarm um 12:18 Uhr das Unheil verkündete.

Die Bombardierung Schaffhausens

Dabei war den Amerikanern bereits am 1. April 1944 ein folgenschwerer Irrtum unterlaufen: Das Ziel war das deutsche Ludwigshafen, doch die Piloten verirrten sich. Und so liessen sie 371 Bomben auf Schaffhausen fallen. Es war nicht der erste Angriff auf Schweizer Gebiet, aber der folgenschwerste.

Sorglose Zaungäste

Auch in Schaffhausen waren die Menschen daran gewöhnt, den Alarm zu hören und die Flieger zu sehen. So begaben sie sich auch diesmal nicht in die Luftschutzkeller, sondern traten hinaus auf die Strasse und richteten ihren Blick gen Himmel. Die «NZZ» schrieb nach der Bombardierung von einer «sorglosen Zaungastmentalität». Schätzungsweise 60 Personen verloren an diesem Tag ihr Leben, Hunderte wurden verletzt, etwa 500 Menschen verloren ihr Obdach.



Um in Zukunft solch fatale Versehen zu vermeiden, malte die Bevölkerung riesige Schweizer Kreuze auf ihre Dächer und signalisierte so den Piloten: Wir sind die Schweiz, nicht Deutschland. Eine sinnvolle Massnahme, doch leider wussten viele amerikanische Piloten nicht, wie die Schweizer Flagge aussieht.

So schrieb ein Kommandant des Bombers, der Stein angriff, in einem Bericht, er habe bei der Bombardierung der deutschen Stadt Ebingen (in Wahrheit Stein am Rhein) auf den Dächern rote Quadrate mit grossen weissen Kreuzen gesehen. «What are they?», fragte er im Rapport.



Der Bomber flog in etwa 5'000 Metern Höhe und steuerte aus Richtung  Klingenberg auf die Stadt zu. Zwölf 250-Kilo-Sprengbomben liess er auf Stein niedergehen. Als die Bomben die Stadt erreichten, blieb bei einem Volltreffer auch die Uhr des Untertors stehen: 12:35 Uhr. Was als freundlicher Wintertag begonnen hatte, wurde zum schwärzesten Tag in der Geschichte von Stein am Rhein.

Der Angriff  blieb nicht der letzte: Bereits am 4. März 1945 bombardierten amerikanische Flieger Zürich. Am selben Tag wurde auch Basel ein Opfer der Bomben. Beide Angriffe haben ebenfalls deutschen Städten gegolten. Es waren die letzten Fehlabwürfe während des Zweiten Weltkriegs auf die Schweiz.

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