Suche hält an

Schicksal von Vermissten im Amazonasgebiet ist ungewiss

dpa

14.6.2022 - 05:37

Indigenous people march to protest against the disappearance of Indigenous expert Bruno Pereira and freelance British journalist Dom Phillips, in Atalaia do Norte, Vale do Javari, Amazonas state, Brazil, Monday, June 13, 2022. Brazilian police are still searching for Pereira and Phillips, who went missing in a remote area of Brazil's Amazon a week ago. (AP Photo/Edmar Barros)
Ureinwohner demonstrieren am Montag in Atalaia do Norte im indigenen Gebiet Vale do Javari, gegen das Verschwinden eines britischen Journalisten und eines Indigenen-Experten.
Bild: Keystone/AP Photo/Edmar Barros

Was ist mit dem britischen Journalisten und seinem Begleiter passiert, die im Amazonas verschollen sind? Die Hoffnungen sinken, sie noch zu finden – aber die Indigenen vor Ort geben noch nicht auf.

dpa

14.6.2022 - 05:37

Das Schicksal des im tiefsten Amazonasgebiet vermissten britischen Journalisten und eines Indigenen-Experten ist weiter ungewiss. Die Suche nach Dom Phillips und Bruno Pereira werde zwar fortgesetzt, berichtete die brasilianische Nachrichtenagentur «Agência Brasil» unter Berufung auf die Bundespolizei am Montagabend (Ortszeit). Doch die ohnehin geringen Hoffnungen, die beiden noch zu finden, schwinden immer weiter.

Der Anführer der Indigenen-Vereinigung des Javari-Tals, Beto Marubo, sagte in einer Pressekonferenz: «Unser Team ist weiter in dem Gebiet, in dem gesucht wird. Unsere Arbeit ist unermüdlich. Unser oberstes Ziel ist es, unseren Freund Bruno Pereira und Dom Phillips, der auch unser Freund ist, zu finden.»

Gut eine Woche nach ihrem Verschwinden waren laut Medien persönliche Gegenstände der beiden gefunden worden. In der Umgebung des Fundorts an der Grenze zu Peru und Kolumbien war den Angaben zufolge ein Boot eines bereits festgenommenen Verdächtigen entdeckt worden. Widersprüchliche Berichte gab es dazu, dass angeblich die Leichen der Vermissten gefunden wurden.

Das Ergebnis der Untersuchung des «offenbar menschlichen organischen Materials», das in der Nähe des Hafens von Atalaia do Norte gefunden wurde, und des Bluts auf dem sichergestellten Boot ist offen. Es solle diese Woche veröffentlicht werden, berichtete die Nachrichtenagentur «Agência Brasil» am Montagabend unter Berufung auf die Bundespolizei.

Meldungen über mehrfache Bedrohungen

Phillips und Pereira waren nach Angaben einer regionalen Ureinwohner-Organisation nicht wie geplant am 5. Juni mit dem Boot in der Stadt Atalaia do Norte im äussersten Westen Brasiliens angekommen. Zuvor hatte Pereira bei der Polizei gemeldet, mehrmals bedroht worden zu sein. Daher spekulieren regionale Medien, dass er und sein Begleiter in einen Hinterhalt geraten sein könnten. Konkrete Anhaltspunkte dazu, was genau ihnen zugestossen sein könnte, wurden bislang nicht bekannt.

Phillips war vor 15 Jahren nach Brasilien gezogen und hat unter anderem für die britische Zeitung «The Guardian» gearbeitet. Mit Pereira, der auch für die Indigenen-Behörde in der Region tätig war, war er schon früher im schwer zugänglichen Javari-Tal unterwegs gewesen, in dem nun nach ihnen gesucht wurde. Zuletzt recherchierte der 57-Jährige für ein Buch über den Schutz des Amazonasgebiets, die starken wirtschaftlichen Interessen an dessen Ausbeutung und verschiedene Entwicklungsmodelle.

Das brasilianische Nachrichtenportal «G1» und andere Medien berichteten zwar unter Berufung auf die Ehefrau des Reporters, die Leichen der beiden Männer seien gefunden worden. Doch die Bundespolizei und der Dachverband der Indigenen dementierten dies. Ein Mitarbeiter des brasilianischen Botschafters in London wiederum teilte Phillips' Familie dem «Guardian» zufolge am Montag mit, dass zwei Leichen gefunden worden seien, bei denen es sich um die der Vermissten handeln könnte.

Viele Konflikte im Grenzgebiet zu Peru und Kolumbien

Das Javari-Tal ist grösser als Österreich und eines der weitläufigsten indigenen Gebiete Brasiliens. Viele Indigene leben dort völlig isoliert von der modernen Zivilisation. Im Grenzgebiet zu Peru und Kolumbien kommt es durch illegale Goldsuche, Abholzung und Drogenschmuggel zu besonders vielen Konflikten.

dpa