Nach Implosion von Tauchboot «Titan» «Titanic»-Tauchfahrt nach Tod des Expeditionsleiters abgesagt

dpa

13.10.2023 - 05:30

«Titan»-Tragödie: Sterbliche Überreste in der Tiefsee entdeckt

«Titan»-Tragödie: Sterbliche Überreste in der Tiefsee entdeckt

«Titan»-Tragödie: Sterbliche Überreste in der Tiefsee entdeckt

29.06.2023

Ein Bergungsunternehmen wollte das legendenumwobene Funkgerät aus dem «Titanic»-Wrack ausstellen und legte sich deswegen mit der US-Regierung an. Doch daraus wird nichts: Der Expeditionsleiter starb im Juni – bei einer anderen Tauchfahrt.

13.10.2023 - 05:30

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Das Bergungsunternehmen RMS Titanic Inc. hat eine für 2024 geplante Tauchexpedition zum Wrack des 1912 gesunkenen legendären Passagierschiffs abgesagt.
  • Man plane nicht mehr, Artefakte aus dem Trümmerfeld oder dem Inneren des «Titanic»-Rumpfs zu bergen, teilte RMST mit.
  • Eine für den heutigen Freitag geplante Gerichtsanhörung zu dem Fall findet daher nicht statt.
  • Grund für die geänderten Pläne sei der Tod des RMST-Direktors für Unterwasserforschung, Paul-Henri Nargeolet, der die Expedition im kommenden Jahr hätte leiten sollen, wie das Unternehmen bekannt gab.
  • Nargeolet war im Juni bei der Implosion des Tauchboots «Titan» in der Nähe des gesunkenen Schiffs zusammen mit vier weiteren Insassen ums Leben gekommen.

Das Bergungsunternehmen RMS Titanic Inc. hat eine für 2024 geplante Tauchexpedition zum Wrack des 1912 gesunkenen legendären Passagierschiffs abgesagt. Man plane nicht mehr, Artefakte aus dem Trümmerfeld oder dem Inneren des «Titanic»-Rumpfs zu bergen, teilte RMST mit. Eine für den heutigen Freitag geplante Gerichtsanhörung zu dem Fall findet daher nicht statt.

Grund für die geänderten Pläne sei der Tod des RMST-Direktors für Unterwasserforschung, Paul-Henri Nargeolet, der die Expedition im kommenden Jahr hätte leiten sollen, wie das Unternehmen bekannt gab. Nargeolet war im Juni bei der Implosion des Tauchboots «Titan» in der Nähe des gesunkenen Schiffs zusammen mit vier weiteren Insassen ums Leben gekommen. Er war an Bord, weil er den Angaben zufolge in beratender Funktion mit der «Titan»-Betreiberfirma OceanGate verbunden war.

RMS Titanic Inc. verfügt seit 1994 über Bergungsrechte und stellt Gegenstände von der «Titanic» aus, darunter Besteck und ein Stück des Schiffskörpers. Die RMST-Sammlung umfasst Tausende Gegenstände, die im Rahmen mehrerer Tauchgänge geborgen wurden, zuletzt 2010. Gegen die ursprünglich für Mai 2024 geplante nächste Tauchfahrt war die US-Regierung gerichtlich vorgegangen. Washington verwies im Rahmen einer Klage auf ein Bundesgesetz aus dem Jahr 2017 und eine Vereinbarung mit Grossbritannien, wonach das 1985 entdeckte Wrack auf dem Boden des Atlantischen Ozeans als Denkmal für die mehr als 1500 Todesopfer der Tragödie betrachtet wird.

USA warnten vor Auswirkungen für menschliche Überreste

RMST hatte bislang erklärt, man wolle bei der geplanten Expedition Aufnahmen des gesamten Wracks machen, auch von innerhalb. Durch die Zersetzung der Hülle seien Lücken entstanden, die gross genug seien, um ein ferngesteuertes Fahrzeug ins Innere zu manövrieren, ohne das Wrack zu gefährden. Man wolle zudem «möglicherweise freistehende Objekte im Inneren des Wracks» bergen. Dazu könnten «Objekte aus dem Marconi-Raum gehören». Damit ist der Funkraum gemeint. Dank eines per Morsecode übermittelten Notrufs mit der Marconi-Telegrafenmaschine konnten nach dem Untergang der «Titanic» mehr als 700 Menschen von herbeigerufenen Schiffen gerettet werden.

Die Anwälte beider Seiten wollten die Angelegenheit am Freitag vor einem US-Bezirksgericht in Norfolk (Bundesstaat Virginia) erörtern, das für die «Titanic» zuständig ist. Die USA hatten vor Auswirkungen der Expedition für Artefakte und mögliche menschliche Überreste gewarnt.

Bereits im Jahr 2020 hatten sich die US-Regierung und RMST einen fast identischen Rechtsstreit über eine geplante Expedition geliefert. Das Verfahren wurde aufgrund der Corona-Pandemie jedoch nie abgeschlossen, da die Firma ihre Pläne später verschob. Damals hatte das Unternehmen vor, das Marconi-Funkgerät zu bergen und zusammen mit den Geschichten der Männer auszustellen, die Notrufe abgesetzt hätten, «bis das Meerwasser buchstäblich an ihre Füsse schwappte».

dpa