Drei Schicksale im Fokus Warum töten Männer ihre Frauen?

Lisa Stutz

25.11.2025

Oft geht einem Femizid kontrollierendes Verhalten voraus.
Oft geht einem Femizid kontrollierendes Verhalten voraus.
sda

Was sind die ersten Warnsignale? Wie kann das Umfeld eingreifen? Eine neue ZDF-Doku widmet sich dem Thema Femizide – und beleuchtet drei erschütternde Fälle. Die wichtigsten Erkenntnisse.

Lisa Stutz

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • In Deutschland werden jährlich mehr als 100 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. In der Schweiz kam es im ersten Halbjahr 2025 bereits zu 18 Morden an Frauen und Mädchen.
  • In der ZDF-Dokumentation «Weil du mir gehörst! Wenn Männer ihre Frauen töten» wird das Thema Femizide umfassend beleuchtet – anhand von drei exemplarischen Fällen.
  • Betroffene sollen sich frühstmöglich jemandem anvertrauen. Femizide kündigen sich oft durch kontrollierendes Verhalten an.

Eine Mutter, die mehrere Jahre nach der Trennung von ihrem Ex-Mann erschossen wird – trotz gerichtlich verfügtem Annäherungsverbot, mit einer legalen Waffe.

Eine Frau, die sich von ihrem Partner trennen will und stattdessen von ihm getötet wird. Vor der Tat hatte es nie körperliche Gewalt in der Beziehung gegeben.

Eine Frau, deren Mann versuchte, sie zu töten, und die weiterhin Angst hat – denn der Täter ist im Gefängnis, aber bei guter Führung in wenigen Jahren wieder draussen.

Diese drei Fälle werden in der Dokumentation «Weil du mir gehörst! Wenn Männer ihre Frauen töten», die heute Abend auf ZDF läuft, aufgearbeitet.

Eine der Frauen, die getötet und deren Fall in der Doku nacherzählt wird.
Eine der Frauen, die getötet und deren Fall in der Doku nacherzählt wird.
ZDF und Sebastian Klatt

Es sind Fälle, die typische Probleme in Zusammenhang mit Femiziden aufzeigen.

Im ersten Fall: Behörden, die nicht miteinander kommunizieren. Der Mann war wegen Gewalt und Drohungen polizeibekannt und durfte dennoch eine legale Waffe führen.

Im zweiten Fall: Es war noch nie zu körperlicher Gewalt in der Beziehung gekommen, doch es hatte typische Warnsignale in Form von kontrollierendem Verhalten gegeben.

Im dritten Fall: Bei versuchten Taten ohne tödlichen Ausgang sind milde Strafen üblich, was für die betroffenen Frauen oft eine jahrelange Einschränkung ihrer Lebensqualität bedeutet.

«Die Situation ist alarmierend»

In Deutschland, wo sich die Fälle zutrugen, werden jährlich mehr als hundert Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. In der Schweiz waren es von Januar bis Juni 2025 insgesamt 18 Frauen und Mädchen. «Diese Situation ist alarmierend», befand das Eidgenössische Büro für Gleichstellung von Mann und Frau Mitte Jahr.

Vor ein paar Tagen wurde von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider darum die erste nationale Kampagne gegen häusliche, sexualisierte und geschlechtsbezogene Gewalt lanciert. Sie soll präventiv wirken.

Die Kampagne «Ohne Gewalt» ist auf mehrere Jahre ausgelegt.
Die Kampagne «Ohne Gewalt» ist auf mehrere Jahre ausgelegt.
ohne-gewalt.ch

Auch das Ziel der ZDF-Dokumentation ist, Frauen zu schützen. Indem man als Zuschauerin und Zuschauer erfährt, welches die grössten Warnsignale sind und was das Umfeld tun kann, wenn man einen Verdacht hat.

Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst:

Bei diesem Verhalten sollten die Alarmglocken läuten

Wenn ein Mann Kontrollverhalten zeigt: Seine Frau überwacht, ihr folgt, sie immer wieder anruft, um herauszufinden, wo sie ist. Wenn er sie von ihrer Familie und von Freunden isoliert, ihre Finanzen kontrolliert, ihre Briefe, ihr Aussehen, wohin sie geht und mit wem sie sich trifft. 

Das können Freunde und Familie tun

Stellt das Umfeld ein solches Verhalten fest, sollte man sich einmischen. Man darf die Frau nicht sich selbst überlassen, sondern die Sorgen ansprechen und ihr praktische Hilfe anbieten. Beispielsweise in Form von Übernachtungsmöglichkeiten, Kinderbetreuung oder beim Melden bei der Polizei. Zudem sollte man dem Mann signalisieren, dass er unter Beobachtung steht und sein Verhalten nicht einfach so hingenommen wird. 

So können sich Frauen schützen

Der beste Schutz für eine Frau ist finanzielle Unabhängigkeit. Damit hat sie die Möglichkeit, einen Mann zu verlassen, wenn er ihr schadet. Wichtig ist zudem, dass man sich jemandem anvertraut, sobald man Angst vor dem (Ex-)Partner hat. Auch Anlaufstellen wie die Opferhilfe Schweiz sind wirkungsvoll, dort werden einem mögliche nächste Schritte aufgezeigt.

Wichtig zu wissen: Die Trennungszeit ist eine besonders gefährliche Zeit – vor allem, wenn es schon früher zu Gewalt gekommen ist. Frauen sollten nicht zögern, die Polizei zu rufen, wenn sie sich bedroht fühlen. 

«Weil du mir gehörst! Wenn Männer ihre Frauen töten», Dienstag, 25. November 2025, 20.15 Uhr, auf ZDF.