Streitbare Journalistin «Washington Post» feuert Reporterin nach heftigem Online-Streit

AP

12.6.2022

Eine Reporterin der «Washington Post» wurde nach einem heftigem Online-Streit mit Kollegen entlassen. 
Eine Reporterin der «Washington Post» wurde nach einem heftigem Online-Streit mit Kollegen entlassen. 
Symbolbild: Pablo Martinez Monsivais/AP/dpa

Aus Wut über den Retweet eines Kollegen fordert Reporterin Felicia Sonmez ein Einschreiten der Zeitung - ebenfalls im Internet. Es folgt ein ausufernder Streit über den Umgang mit Fehlern von Mitarbeitern.

AP

12.6.2022

Die «Washington Post» hat nach einem heftigen Streit über Debattenkultur unter Kollegen in Sozialen Medien ihre politische Korrespondentin Felicia Sonmez entlassen. Sonmez habe Mitarbeiter verleumdet, sich nicht an Vorgaben gehalten und gegen Regeln der Zeitung zur Kollegialität verstoßen, hiess es in einem Kündigungsschreiben vom Donnerstag, das die Webseite Mediaite veröffentlichte. Sonmez, die sich als Opfer sexueller Übergriffe geoutet hat, äusserte sich zunächst nicht.

Die streitbare Journalistin hatte der Zeitung und Spitzenredakteuren im vergangen Jahr Diskriminierung vorgeworfen, weil sie von der Berichterstattung über sexuelle Übergriffe ausgeschlossen worden sei. Der aktuelle Streit entzündete sich an einem derben Scherz, den ihr Kollege Dave Weigel auf Twitter weiterverbreitet hatte. Sonmez kritisierte sarkastisch, dass die Zeitung solche Retweets zulasse, woraufhin Weigel für einen Monat freigestellt wurde. Das wiederum verärgerte andere Redakteure, die kritisierten, dass Sonmez die Debatte über Weigels Fehlverhalten ins Internet getragen habe.

«Bitte hör auf»

Die Debatte uferte so aus, dass Chefredakteurin Sally Buzbee zur Kollegialität mahnte. «Wir akzeptieren nicht, dass Kolleginnen Kollegen angreifen, weder von Angesicht zu Angesicht noch online», schrieb sie am Dienstag. Der Streit zog jedoch weitere Kreise, als mehrere Mitarbeiter das Arbeitsklima bei der «Washington Post» lobten. Sonmez verwies auf die gute Bezahlung dieser Kollegen und unterstellte, diese dürften sich in Sozialen Medien mehr herausnehmen als andere Mitarbeiter. Als sie sich schliesslich noch höhnisch darüber beschwerte, dass ein Kollege sie auf Twitter gesperrt habe, forderte die Redakteurin Lisa Rein von ihr: «Bitte hör auf.»

Die Personalstelle schrieb in der Kündigung, Sonmez habe die Arbeitseinstellung ihrer Kollegen infrage gestellt und damit auch den Ruf des Blattes untergraben. «Das Gleiche gilt für Ihren unbegründeten Spott über unsere Richtlinien und unsere Methoden sowie unser Engagement für ein sicheres und unterstützendes Arbeitsumfeld», schrieb sie.

Sonmez' Gewerkschaft wollte sich nicht zum Einzelfall äussern. Die Washington-Baltimore News Guild erklärte lediglich, sie setze sich dafür ein, dass Mitarbeiter nur aus triftigen Gründen gemassregelt werden.