Moskau

Wie in der Schweizer Botschaft jahrelang Geld veruntreut wurde

tmxh

1.11.2019

In der Schweizer Botschaft in Moskau veruntreute eine Mitarbeiterin jahrelang Gelder.
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Kriminelle Energie in der Schweizer Botschaft: In Moskau sackte eine Mitarbeiterin über Jahre hinweg Gelder ein. Wie Recherchen zeigen, hatte sie Brautpaare betrogen und Arztrechnungen gefälscht.

Es ist ein Fall, der an den Kontrollen in Schweizer Behörden zweifeln lässt: Jahrelang veruntreute eine Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft in Moskau Gelder. Wie Recherchen von SRF Radio belegen, habe die Russin Natalia P. in den letzten 17 Jahren immer wieder Geld in die eigene Tasche fliessen lassen. 

Aufgeflogen war die Frau, die als Assistentin des Generalkonsuls gearbeitet hatte, infolge einer kleinen Beschwerde: Ein Schweizer Bürger, der seine russische Freundin heiraten wollte und dafür in der Botschaft gegen Gebühr Dokumente ausfüllen musste, hatte sich wegen des Fehlens einer Quittung gemeldet. Bei der Nachprüfung fanden die Botschaft und das Aussendepartement in Bern heraus: Der Betrug lief im grossen Stil ab. Mithilfe dreier Maschen soll Natalia P. die Gelder veruntreut haben.

Gefälschte Rechnungen und Krankheiten

Nicht nur prellte sie Heiratswillige und stellte ihnen falsche Rechnungen für fiktive Dienstleistungen aus, deren angebliche Kosten sie persönlich an sich nahm. Auch gefälschte Arztrechnungen fanden sich im Repertoire der gelernten Übersetzerin. Weil sie angab, krebskrank zu sein, erhielt sie von der Botschaft als ihrem Arbeitgeber insgesamt 80'000 Franken zurück. Zudem erhielt sie aufgrund des gefälschten Invaliditätsausweises vollen Lohn bei einer 80-Prozent-Stelle.

Zum dritten soll die Frau im Namen der Schweizer Botschaft dem Arbeitgeber ihres Mannes falsche Rechnungen gesendet haben. Es ist die Rede von Hunderten gefälschten Dokumenten, auf deren Basis Spesen ausgezahlt wurden.

Natalia P. bestreitet die Vorwürfe und sieht sich als Opfer einer Verschwörung. Wie SRF berichtet, wirft sie dem Botschafter sogar sexuelle Belästigung und Mobbing vor. Auch habe er mit der russischen Mafia zusammengearbeitet, behauptet sie.

Vom Aussendepartement wurden diese Vorwürfe inzwischen zurückgewiesen – die Veruntreuung der Gelder hingegen bestätigt. Wie der Betrug dem Controlling über Jahre nicht auffallen konnte, muss indes noch geklärt werden.

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