Rätsel verblüfft Behörden Wer klebt QR-Codes an Gräber in München?

Samuel Walder

20.2.2025

Ein QR-Code ist an der Rückseite eines Grabsteines zu sehen. An etwa 1000 Gräbern in München tauchten schwer abzulösende Aufkleber auf, die zu digitalen Daten über das Grab führen. Die Polizei ermittelt. 
Ein QR-Code ist an der Rückseite eines Grabsteines zu sehen. An etwa 1000 Gräbern in München tauchten schwer abzulösende Aufkleber auf, die zu digitalen Daten über das Grab führen. Die Polizei ermittelt. 
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Hunderte QR-Codes auf Münchner Friedhöfen sorgten für Rätselraten – nun ist klar: Ein Gartenbauunternehmer wollte so seine Arbeitsabläufe optimieren. Doch der Fall könnte strafrechtliche Folgen haben.

Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ein Gartenbauunternehmer aus Gauting brachte ohne Erlaubnis QR-Codes auf über 1000 Grabsteinen in München an, um seine Betriebsabläufe zu optimieren.
  • Die Aufkleber hinterliessen nicht entfernbare Klebstoffflecken, sodass viele Grabsteine aufwendig abgeschliffen werden mussten.
  • Der Schaden liegt bei rund 500'000 Euro.
  • Der Unternehmer hatte seine Beteiligung zunächst abgestritten, gestand aber nach Medienberichten.

Was zunächst wie ein bizarrer Kriminalfall wirkte, hat sich nun als gut gemeinte, aber fragwürdige Digitalisierungsoffensive entpuppt: Ein Gartenbauunternehmer aus Gauting ist für die mysteriösen QR-Codes auf Münchner Friedhöfen verantwortlich. Nach intensiven Ermittlungen meldete sich der Mann schliesslich selbst bei der Polizei. Das berichtet die «Süddeutsche Zeitung».

Die Polizei war am Montag noch im Dunkeln getappt: Auf mindestens 1000 Grabsteinen an den Münchner Friedhöfen Waldfriedhof, Sendling und Solln waren plötzlich kleine QR-Code-Aufkleber aufgetaucht. Beim Scannen zeigten sie den Namen des Verstorbenen, die Grabinschrift und die genaue Lage des Grabes.

Der Verantwortliche: Alfred Zanker, Seniorchef eines Gartenbauunternehmens, das sich um die Pflege der Gräber kümmert. Er erklärte gegenüber der «Süddeutschen Zeitung», dass die Aufkleber der internen Organisation dienten – etwa zur Termineinteilung und Rechnungsstellung. «Wir sind ein grosser Betrieb, wir pflegen mehr als 1000 Gräber. Das muss ja alles geordnet ablaufen», so Zanker.

Doch ein entscheidendes Detail scheint unklar: Hatten die Grabbesitzer überhaupt zugestimmt? Zanker konnte diese Frage nicht beantworten. Die Polizei ermittelt.

Plötzlich doch ein Geständnis – erst nach medialem Druck

Brisant: Laut Polizei war die Firma bereits überprüft worden – hatte jedoch zunächst jede Beteiligung abgestritten. Erst als die Medien über den Fall berichteten, sei der «mediale Druck wohl zu gross geworden», erklärte ein Polizeisprecher.

Die etwa 50 x 35 Millimeter grossen Aufkleber sorgten nicht nur für Verwirrung, sondern auch für erhebliche Schäden. Der Klebstoff der Thermoetiketten hinterliess Flecken, die sich nicht einfach entfernen lassen. Die Reparatur ist aufwendig.

Der Grabstein muss abgebaut und abtransportiert werden. Der Fleck wird abgeschliffen. Der Stein wird neu aufgestellt.

Strafrechtliche Konsequenzen? Noch offen

Die Polizei schätzt den Gesamtschaden auf einen mittleren sechsstelligen Betrag – rund 500'000 Euro. Wer für die Kosten aufkommen muss, ist noch unklar. Die Geschädigten müssten ihre Ansprüche wohl zivilrechtlich geltend machen.

Ob der Unternehmer strafrechtlich belangt wird, hängt davon ab, ob die Grabbesitzer der QR-Code-Nutzung zugestimmt haben. Sollte das nicht der Fall sein, könnte der Vorwurf der Sachbeschädigung weiterverfolgt werden.