blue News beantwortet FragenWie entsteht ein Tsunami? Wie muss ich mich verhalten?
Petar Marjanović
30.7.2025
blue News liefert einfach erklärt, was hinter den gefährlichen Flutwellen steckt, wie Frühwarnsysteme funktionieren und warum sogar Schweizer Seen betroffen sein können.
Ein Tsunami ist eine riesige Flutwelle. Er entsteht, wenn grosse Wassermassen plötzlich in Bewegung geraten – meistens durch ein starkes Erdbeben auf dem Meeresboden. Dabei verschieben sich Erdplatten ruckartig, und die Wassersäule darüber wird angehoben.
Auch Vulkanausbrüche, Unterwasser-Erdrutsche oder sogar Meteoriteneinschläge können einen Tsunami auslösen – das passiert aber deutlich seltener.
Die Flutwellen breiten sich mit bis zu 800 Kilometern pro Stunde aus. Auf dem offenen Meer sind sie oft harmlos und kaum sichtbar. Doch wenn sie auf flaches Küstenwasser treffen, türmen sie sich auf – manchmal auf mehrere Dutzend Meter. Dann können sie mit voller Wucht auf Land treffen.
«Tsunami» ist Japanisch und bedeutet übersetzt etwa so viel wie «Hafenwelle».
Keystone-SDA
Wie gefährlich sind Tsunamis?
Tsunamis gehören zu den gefährlichsten Naturkatastrophen der Welt. Beim verheerenden Tsunami im Indischen Ozean 2004 kamen über 230'000 Menschen ums Leben. 2011 starben in Japan fast 16'000 Menschen – und es kam zur Atomkatastrophe von Fukushima.
So gefährlich ist ein Tsunami, weil nicht nur eine, sondern oft mehrere Flutwellen auftreten. Eine einzige Welle kann mehrere Kilometer weit ins Landesinnere vordringen und Häuser, Autos oder Bäume mitreissen.
Auch der Rückfluss des Wassers ins Meer ist lebensgefährlich: Er zieht Trümmer und Menschen mit hinaus. Wer zu früh zurückkehrt, riskiert sein Leben.
Wie entsteht ein Tsunami-Alarm?
Seit 2008 gibt es im Indischen Ozean ein hochmodernes Tsunami-Warnsystem, das unter anderem vom Geoforschungszentrum Potsdam mitentwickelt wurde.
Drucksensoren am Meeresboden registrieren Veränderungen im Wasserdruck nach einem Seebeben. Diese Daten werden über GPS-Bojen und Satelliten an Warnzentren geschickt. Dort prüfen Fachleute die Stärke des Bebens und die Gefahr eines Tsunamis. Bei drohender Gefahr wird sofort Alarm ausgelöst.
Ein Netz von Mess-Stationen kontrolliert laufend die seismische Aktivität der Erdkruste und geringste Veränderungen der Meereshöhe.
Keystone-SDA
Wie sollte man sich bei einem Tsunami verhalten?
Wer sich in einem Risikogebiet aufhält – etwa an einem Meeresstrand – sollte bei einer Warnung sofort handeln. Wichtige Hinweise sind ein starkes, langes Erdbeben oder ein plötzlicher Rückgang des Meeresspiegels.
Dann gilt: Schnell auf höher gelegenes Gelände flüchten – zu Fuss, nicht mit dem Auto, denn Strassen sind rasch verstopft. Wer es nicht rechtzeitig schafft, sollte sich an festen Gegenständen festklammern.
Wichtig: Auch wenn die erste Welle vorbei ist – niemals zurückgehen! Tsunamis kommen oft in mehreren Wellen.
Gibt es auch in Europa oder der Schweiz Tsunami-Gefahr?
Ja, auch in Europa kann es Tsunamis geben. Vor allem im Mittelmeerraum besteht Gefahr – etwa bei Erdbeben vor der Küste Algeriens. Eine Welle von bis zu fünf Metern könnte dort die Côte d’Azur treffen, wie Experten in der 3sat-Doku «Tsunami-Alarm auch an Europas Küsten» berichten.
Auch die Schweiz kennt Tsunamis – allerdings in Seen. Besonders eindrücklich war das Ereignis vom 18. September 1601 im Vierwaldstättersee. Nach einem schweren Erdbeben in Unterwalden kam es unter Wasser zu grossen Rutschungen.
Der Luzerner Stadtschreiber Renward Cysat berichtete, wie eine Flutwelle «zwei Hellebarden hoch» war und «1000 Schritt» ins Landesinnere schwappte. Schiffe wurden meterweit an Land geschleudert, die Reuss war vorübergehend trocken – man konnte sie zu Fuss überqueren.
Nach dem starken Erdbeben in der Nacht auf Mittwoch haben erste Tsunami-Wellen die Küsten erreicht. Auf der russischen Halbinsel Kamtschatka wurde ein Dorf überschwemmt.