14.07.2017 - 08:53, Von Jörn Bender, dpa, und Daniel Schnettler, dpa-AFX/sda/grö

UBS-Präsident warnt: Banken sitzen auf faulen Krediten von 1 Billion Euro

 

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Der Sommer 2007 war schwarz: Was als Schwelbrand in den USA begann, wuchs sich zu einem weltweiten Flächenbrand der Finanzkrise aus. Manches hat sich seither getan, aber sind die Banken heute sicherer?

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Steuermilliarden für marode Banken - Italiens jüngste Rettungsaktionen lassen aufhorchen. Sollte nicht alles besser werden nach den Erfahrungen der Jahre 2007/2008? Abgestimmte Aufsicht, strengere Regeln, klarere Haftung. Zehn Jahre nach Ausbruch der grössten Finanzkrise der Nachkriegszeit hat die Finanzbranche in Europa zwar ein Stück weit Vertrauen zurückgewonnen. Vollends gelöst sind die Probleme jedoch längst nicht.

«Wir sind nach wie vor in der Auflösung der Krise», warnt Axel Weber. Der heutige Verwaltungsratschef der Schweizer Grossbank UBS hat die Finanzkrise noch als Bundesbank-Präsident erlebt. Weber ist überzeugt: «Erst wenn die ganzen schlechten Assets aus den Bilanzen verschwunden sind, haben wir die Krise überwunden.» EU-weit sitzen Banken noch auf faulen Krediten im Volumen von rund einer Billion Euro - vor allem in Südeuropa. In Italien etwa müssen die Banken um jeden sechsten geliehenen Euro bangen. Das weckt böse Erinnerungen.

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Wie steht es um den Finanzplatz Schweiz?
Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY

Der Stress im Frühjahr 2007 begann weit weg, in irgendeinem Winkel der USA: Mehr und mehr Hausbesitzer konnten ihre Kreditraten nicht zahlen - Kredite, die sie im Rückblick niemals hätten bekommen dürfen, weil sie einfach zu wenig verdienten. Von «Subprime» - zweitklassigen US-Immobilienkrediten - hatten bis dato hierzulande nur Experten gehört.

Spätestens die Pleite des US-Investmentriesen Lehman Brothers Mitte September 2008 machte aber jegliche Hoffnung auf eine rasche Erholung zunichte. Um einen Ansturm von Sparern auf die deutschen Banken zu verhindern, versicherten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) vor laufenden Fernsehkameras: «Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind.»

Sind Banken heute besser gerüstet und sicherer?

Ja, meint Europas oberste Bankenabwicklerin, Elke König: «Wir haben in zehn Jahren eine ganze Menge erreicht. Banken haben heute deutlich mehr Kapital, deutlich besseres Kapital. Und Liquidität wird nicht mehr als gottgegeben angesehen.» Will sagen: Die Banken achten besser auf ihr Geld und haben mehr davon auf der hohen Kante.

König räumt aber angesichts der jüngsten Bankenrettungen in Italien (Veneto Banca, Banca Popolare di Vicenza, Monte dei Paschi) und Spanien (Banco Popular) zugleich ein, es könne noch Jahre dauern, ehe wirklich alle in Schieflage geratenen Banken schonend für das Finanzsystem und den Steuerzahler abgewickelt werden könnten.

Dass die weltweit vernetzte Finanzbranche strengere Regeln brauchte, ist im Grunde unbestritten - auch wenn US-Präsident Donald Trump der Wall Street gerne wieder mehr Leine geben würde. «Die Finanzkrise hat schonungslos offen gelegt, welche Lücken in der Regulierung bestanden. Diese Lücken wurden systematisch ausgenutzt, und das Ergebnis war ein massiver gesamtwirtschaftlicher Schock», bilanzierte unlängst Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. «Seitdem ist klar: Nicht eine starke Regulierung schadet einer Volkswirtschaft, sondern vielmehr schwache Regeln.»

Die Firmenchefs mit den höchsten Löhnen in der Schweiz

  • SCHWEIZ BANK UBS
  • SWITZERLAND WEF 2015 DAVOS
  • SWITZERLAND CREDIT SUISSE

Zustimmung zur Verschuldungsgrenze

Auch der Bundesrat will mit der Verschärfung der Eigenmittelverordnung dafür sorgen, dass Banken ein geringeres Klumpenrisiko eingehen. Die Banken lehnen jedoch in zentralen Punkten eine Verschärfung ab. Sie befürchten eine zu starke Einschränkung der Geschäftstätigkeit. So fordern die Schweizerische Bankiervereinigung, der Verband der Schweizerischen Kantonalbanken, die Vereinigung der Schweizerischen Privatbanken und die RBA-Gruppe, die die Interessen von 36 Regionalbanken vertritt, dass kleine und mittelgrosse Banken nicht gleich streng wie die grossen Banken behandelt werden.

Ebenfalls alle Verbände kritisieren die erhöhten Hürden bei Interbanken-Krediten. Eine Einschränkung von Lombardkrediten und Repo-Geschäften sei eine unnötige Verschärfung, welche weder angemessen noch ökonomisch sinnvoll sei, schreibt zum Beispiel der Kantonalbankenverband.

Weitgehende Einigkeit herrscht auch bei der Forderung, dass auf die zusätzliche Berichterstattungspflicht und die Aufhebung der Ausnahmeregeln verzichtet werden soll. Das EFD hat vorgeschlagen, dass die 25 Prozent-Regel ausnahmslos gilt und dass die Banken ihre zehn grössten Kreditpositionen melden müssen.

Kleine Banken verschwinden, Managerlöhne bleiben hoch

2007 zählte die Schweiz gemäss den Statistiken der Nationalbank 330 Banken, die 136'000 Arbeitsplätze aufweisen, meldet das Finanzportal «Cash» kürzlich. Demnach gab es 2016 noch 261 Banken mit 121'000 Beschäftigten. Die Netto-Abnahme von 15'000 Stellen verdeutliche umrisshaft, wie unsicher Banken-Arbeitsplätze inzwischen geworden seien.

Was sich in den letzten 10 Jahren auch geändert hat, sind die Managerlöhne. UBS-Chef Sergio Ermotti etwa bekam für letztes Jahr 13,7 Millionen Franken, 2014 erhielt er 11,2 Millionen Franken. Die Banken haben zwar Vergütungssysteme eingeführt, die auch Misserfolge oder nicht erreichte Ziele mit einer tieferen Vergütung bestrafen, aber diese Praxis sei für den kleinen Aktionär schwer zu begreifen. Auch die Bonustöpfe wurden inzwischen etwas kleiner, doch die Banken finden weiter Wege, um hohe Gehälter auszuzahlen, wie es weiter heisst.

Das verdienen die Schweizer

  • Pflegefachfrau
  • Flugverkehrsleiterin
  • Kioskverkäufer
  • Lehrerin

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