Nach erneuten Senkungen Preiskampf im Detailhandel eskaliert– jetzt attackiert Lidl Aldi

Sven Ziegler

21.11.2025

Lidl Schweiz will sich von Aldi abgrenzen. 
Lidl Schweiz will sich von Aldi abgrenzen. 
sda

Nach Aldis medienwirksamer Preissenkung bei Fleisch und Brot wächst die Kritik an Billigstrategien im Schweizer Detailhandel. Der Bauernverband warnt vor einem Abwärtstrend mit Folgen für die gesamte Wertschöpfungskette. Lidl distanziert sich nun öffentlich von Aldi.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Aldi hatte zuletzt die Preise für Fleisch und Brot deutlich gesenkt – der Bauernverband spricht von «verantwortungslosem Preisdumping».
  • Lidl grenzt sich ab und erklärt, man habe solche Aktionen nicht selbst ausgelöst und wolle keine Preiskämpfe in sensiblen Bereichen anheizen.
  • Der Bauernverband warnt, der Preisdruck lande langfristig bei den Produzenten und gefährde Nachhaltigkeit und Wertschöpfung.

Aldi hat kürzlich mit deutlichen Preisreduktionen bei Frischfleisch und Brot für Schlagzeilen gesorgt. Einige Artikel wurden um bis zu 30 Prozent günstiger, darunter Rindsentrecôte, Bio-Poulet oder Lammnierstücke. Die Aktion wurde vom Discounter als «Preisoffensive zur Vorweihnachtszeit» beworben – und löste sofort eine Welle von Reaktionen aus.

Der Schweizer Bauernverband (SBV) kritisiert die Entwicklung nun scharf. In einer Mitteilung spricht die Dachorganisation von einer «verantwortungslosen Preisspirale nach unten», die die gesamte Wertschöpfungskette gefährde.

Besonders problematisch sei, dass Detailhändler zwar behaupteten, Preissenkungen würden intern finanziert, langfristig aber dennoch Druck auf Lieferanten entstehen könne. «Es ist zu befürchten, dass früher oder später die Bauernbetriebe betroffen sind», schreibt der Verband.

Lidl Schweiz will sich abgrenzen

Der SBV verweist auf Zahlen des Bundes: Schweizer Haushalte geben nur noch rund 6,2 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus – ein international sehr tiefer Wert. Zusätzliche Billigpreise seien weder notwendig noch nachhaltig. Aus Sicht des Verbandes förderten Dumpingaktionen zudem Lebensmittelverschwendung: «Was nichts kostet, ist auch nichts wert.»

Nun meldet sich auch Lidl Schweiz zu Wort. Der Discounter stellt – ebenfalls medienwirksam – klar, dass man selbst keine Preiskämpfe in diesen sensiblen Bereichen lostrete. «Wir verzichten bewusst darauf, medienwirksame Preissenkungen in Kategorien wie Fleisch oder Brot zu initiieren», heisst es in einer Mitteilung. Man reagiere lediglich, wenn Wettbewerber die Preise senkten – und tue dies, um das eigene Preisversprechen einzuhalten.

«Unser Anspruch ist Preisführerschaft – aber mit Verantwortung», sagt Einkaufsleiter Andreas Zufelde. Man wolle nicht zulasten der einheimischen Landwirtschaft agieren und setze statt Preiskämpfen auf langfristige Partnerschaften. Lidl verweist ausserdem auf seine Schweizer Produktlinie «Qualité Suisse», die aktuell stark wachse.

Preiskampf zwischen Aldi und Lidl

Lidl sagt, man wolle bei «landwirtschaftlich sensiblen Sortimentsbereichen keine Preissenkungen initiieren». Die Preissenkungen im landwirtschaftlichen Produktsortiment in den vergangenen Monaten seien Reaktionen auf die Preisreduktionen der Mitbewerber gewesen.  

Lidl-Chef Nicholas Pennanen betonte zuletzt in Interviews: «Die Bauern bekommen deswegen nicht weniger Geld von uns.» Man verzichte stattdessen auf Marge, arbeite mit schlanken Strukturen und prüfe interne Prozesse auf Effizienz. Beim Fleisch nehme Lidl kleinere Margen bewusst in Kauf und gleiche Preissenkungen über das Gesamtsortiment aus. 

Pennanen ergänzt in der aktuellen Mitteilung, die Debatte dürfe nicht auf Regalpreise reduziert werden. Nachhaltigkeit und stabile Produzentenpreise müssten gleichermassen berücksichtigt werden. «Wir differenzieren uns klar von Mitbewerbern, die den Druck auf die Landwirtschaft unnötig erhöhen.»

Der Bauernverband fordert indes einen generellen Kurswechsel und spricht sich für kostendeckende Produzentenpreise aus. Klar ist: Die Preisdynamik im Detailhandel – zwischen Marketing, Wettbewerb und realen Kosten – wird den Markt noch länger beschäftigen.