Seit Monaten keine Löhne bezahlt Gleich zwei Schweizer Matratzen-Traditionsmarken stehen vor dem Aus

Sven Ziegler

11.11.2025

Im Aquinos-Showroom könnte bald Lichterlöschen sein.
Im Aquinos-Showroom könnte bald Lichterlöschen sein.
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Die Schweizer Matratzenmarken Superba und Swissflex stecken tief in der Krise: Die Betreiberfirma Aquinos Bedding Switzerland ist zahlungsunfähig, seit Monaten gehen Löhne nicht mehr ein.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die Schweizer Aquinos-Tochter ist in Konkurs, seit Juni sollen Mitarbeitende keinen Lohn mehr erhalten haben.
  • Ein Investor zeigt laut Behörden Interesse, während Gläubiger ihre offenen Forderungen einreichen müssen.
  • Auch die Standorte in Deutschland, Österreich und Polen kämpfen mit vergleichbaren Problemen.

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Die bekannte Schweizer Bettwarenwelt steht vor einem einschneidenden Moment: Wie die «Luzerner Zeitung» berichtet, ist die Aquinos Bedding Switzerland AG – Betreiberin der Marken Superba und Swissflex – insolvent. Die Gesellschaft war seit September unter provisorischer Nachlassstundung, Ende Oktober folgte der formelle Konkurs, schreibt die Zeitung.

Während der Name Aquinos in der Schweiz kaum geläufig ist, gehören Superba und Swissflex zu den traditionsreichsten Marken im heimischen Matratzenmarkt. Superba wurde vor über 100 Jahren im Aargau gegründet und entwickelte sich ab den 1950er-Jahren zu einem bedeutenden Arbeitgeber. Über Jahrzehnte zählte das Unternehmen hunderte Beschäftigte, viele von ihnen Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus dem nahegelegenen Elsass.

Löhne von Aquinos und Swissflex ausstehend

Die Geschichte der heutigen Strukturen ist komplex: Nach der Übernahme durch den belgischen Konzern Recticel in den späten 1990er-Jahren wurden Produktionsteile nach Solothurn und Belgien verlagert. 2022 schluckte schliesslich die portugiesische Aquinos-Gruppe die gesamte Betten-Sparte von Recticel.

Laut Branchenstimmen verschwanden die Produkte schon vor Monaten aus dem Handel, obwohl sie zuvor bei Möbel Märki, XXXLutz oder Livique häufig zu finden waren. Zwischenzeitlich sollen in der Schweiz rund 70 bis 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt gewesen sein. Heute sind es noch rund 45 – viele davon am Produktionsstandort Flüh SO. Die Verwaltung in Büron LU ist inzwischen verwaist.

Mehrere Personen, die mit der Situation vertraut sind, sprechen gegenüber der «Luzerner Zeitung» von gravierenden finanziellen Engpässen. Die portugiesische Muttergesellschaft habe sich mit dem Kauf überhoben und später kaum mehr Geld an die Schweizer Tochter überwiesen. «Irgendwann hat Aquinos schlicht keine Rechnungen mehr bezahlt», sagt ein Gläubiger laut dem Bericht. Die Schweizer Firma sei «an einem langsamen Erstickungstod gestorben», so eine weitere Quelle. Besonders schwer wiegt eine offene Forderung der eigenen Pensionskasse von über 200'000 Franken.

Investor zeigt Interesse – Mitarbeitende warten weiter

Auch Versicherungsprämien seien nicht mehr bedient worden: Die Suva bestätigt, dass wegen ausstehender Beiträge ein rechtliches Inkasso eingeleitet wurde.

Während der Nachlassstundung gelang es dem Sachwalter nicht, neue Geldgeber zu finden. Beim Konkursamt heisst es hingegen, es gebe einen Interessenten, der sowohl die Produktion als auch den Standort übernehmen möchte. Weitere Anfragen beziehen sich auf einzelne Geschäftsbereiche oder Markenrechte. Konkreter werden die Behörden aber nicht – zu früh im Prozess, heisst es.

Die Belegschaft bleibt derweil in einer schwierigen Lage: Nach Angaben mehrerer Quellen sind seit Juni keine Löhne mehr geflossen.

In der Schweiz geraten aktuell immer wieder Traditionsfirmen ins Wanken. Im August etwa sind rund 50 Prozent mehr Firmen zahlungsunfähig geworden als im Vorjahr.

Immer wieder betroffen sind dabei auch Restaurants. Vor rund einer Woche machte die Schliessung des Gasthof Hirschens in Eglisau Schlagzeilen. Der Inhaber des Traditionslokals nennt wirtschaftliche Gründe für den Entscheid. Zudem wird der Gemeinderat kritisiert.