Eigenheime sind unterbelegt Jetzt nimmt der Bund die Häuser der Babyboomer ins Visier

Sven Ziegler

14.4.2026

Laut einer Studie sind rund 300'000 Einfamilienhäuser in der Schweiz unterbelegt.
Laut einer Studie sind rund 300'000 Einfamilienhäuser in der Schweiz unterbelegt.
Imago / Keystone / Bildmontage blue News

Rund 300'000 Einfamilienhäuser in der Schweiz sind unterbelegt – meist bewohnt von älteren Menschen, die nicht ausziehen wollen. Jetzt nimmt der Bund die Hüsliquartiere der Babyboomer unter die Lupe. Eine nationale Studie soll zeigen, wie viel Wohnraum sich daraus gewinnen lässt.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der Bund plant eine nationale Studie zu rund 300'000 unterbelegten Einfamilienhäusern in der Schweiz – das Verdichtungspotenzial der Babyboomer-Hüsli soll bis Ende 2026 quantifiziert werden.
  • Frühere Studien von Raiffeisen und der ZKB zeigen: Wohneigentümer im Rentenalter ziehen kaum um – die Umzugsquote liegt bei nur 1,5 Prozent, ein Auszug erfolgt oft erst ab 85 Jahren.
  • Harte staatliche Eingriffe gelten als politisch chancenlos; der Bund setzt auf freiwillige Anreize wie die Umwandlung von Einfamilienhäusern in kleinere Wohneinheiten.

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Rund 300'000 Einfamilienhäuser in der Schweiz sind unterbelegt und werden laut dem Bundesamt für Wohnungswesen von einer «zunehmend älteren Bewohnerschaft» bewohnt. Viele dieser Häuser seien «kaum für ein selbständiges Wohnen im Alter geeignet» – zu gross, zu teuer im Unterhalt, oft schlecht an den öffentlichen Verkehr angebunden. Und dennoch ziehen die meisten Besitzerinnen und Besitzer nicht aus.

Wie bereits im August 2025 durch eine Raiffeisen-Studie bekannt wurde, liegt die Umzugsquote von Wohneigentümern im Rentenalter bei gerade einmal 1,5 Prozent – und das ändert sich auch mit zunehmendem Alter kaum. Eine ZKB-Analyse zeigte Anfang 2026, dass Hausbesitzer ihr Eigentum oft erst ab 85 Jahren wirklich loslassen – häufig nicht freiwillig, sondern weil gesundheitliche Einschränkungen den Alltag erschweren.

Neue Studie soll Potenzial quantifizieren

Jetzt wird der Bund konkreter. Wie der «Blick» berichtet, plant das Bundesamt für Wohnungswesen eine nationale Studie, die das Entwicklungspotenzial von Einfamilienhausquartieren systematisch untersuchen soll. Beteiligt sind neben dem Bund auch die Kantone Bern und Baselland sowie die Gemeinden Burgdorf, Thun und Binningen. Die Ergebnisse werden bis Ende 2026 erwartet.

Ziel ist eine «datengetriebene Grundlage zur zukunftsgerichteten Transformation von Einfamilienhausquartieren» – mit Fokus auf demografischen Wandel, Sanierungsbedarf und Verdichtungspotenzial. In zentral gelegenen Einfamilienhausgebieten gebe es laut Bundesamt «häufig beträchtliche Baureserven».

Wenn Ältere umziehen, profitieren Familien

Dass ein Umdenken Wirkung hätte, zeigt der neue Wohnreport von Helvetia, über den blue News am Montag berichtet hat. Wenn Best Ager ihre grossen Wohnungen oder Häuser freigeben, werden diese laut Studie deutlich häufiger von Familien bezogen – der Anteil steigt von rund 12 auf 36 Prozent. Forscher Michael Hermann von Sotomo hält fest: Zusätzliche Umzüge dieser Altersgruppe leisteten «einen wichtigen Beitrag, bestehenden Wohnraum effizienter zu verteilen».

Das eigentliche Hemmnis ist dabei weniger die günstige Bestandsmiete – sondern das Wohneigentum selbst. Eigentümerinnen und Eigentümer ziehen gemäss dem Helvetia-Report über 60 Prozent seltener um als Mieterinnen und Mieter.

Freiwillig statt staatlich

Harte Eingriffe, etwa Steuern nach Wohnfläche oder Beschränkungen des Eigentums, dürften politisch chancenlos sein. Der Bund setzt daher auf freiwillige Ansätze: So fördert das Bundesamt für Wohnungswesen etwa den Verein MetamorpHouse, der Eigentümer dabei unterstützt, ihr Einfamilienhaus in mehrere kleinere Wohnungen umzuwandeln.

Die Diskussion darüber, ob Senioren «zu viel» Wohnraum beanspruchen, sorgt derweil für hitzige Debatten – wie die Reaktionen der blue News Leser zeigen. Während die einen von «purem Egoismus» sprachen, verwiesen andere auf jahrzehntelange Arbeit und Verzicht. Einig waren sich viele: Ohne mehr Angebot und bessere Wohnpolitik löst sich der Konflikt nicht.

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